Lohn / Tarif / Rente

Geringfügige Beschäftigung

Die geringfügige Beschäftigung kann nach verschiedenen Formen aufgenommen werden:
  1. Als Minijob – auch als 450 € Job bezeichnet:
    Bei den Minijobs darf das Arbeitsentgelt seit 2013 nach § 8 Sozialgesetzbuch (SGB) IV monatlich 450 € (vorher 400 €) – ohne Begrenzung von Arbeitsstunden – sowie die jährliche Entgeltgrenze von 5.400 € (450 € x 12 Monate) nicht überschreiten. Der Minijobber hat keine Abgaben – weder Steuern noch Krankenkassen-, Pflege- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge – zu entrichten. Pflicht besteht zur Rentenversicherung, von der sich der Minijobber aber auch befreien lassen kann. Altersrentner, die einer Beschäftigung im Minijob nachgehen, sind nach Erreichen der Regelaltersgrenze von der Rentenversicherungspflicht befreit. Hinsichtlich einer Pauschalversteuerung zur Lohnsteuer durch den Arbeitgeber sei auf Aussagen unter Lohnsteuer bei geringfügiger Beschäftigung verwiesen.
  2. Als Midijob im "Übergangsbereich":
    Ab 1. Juli 2019 stieg die Grenze zum Arbeitsentgelt, ab dem die vollen Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen sind, von 850 € auf 1.300 €. Gesprochen wird nicht mehr von der „Gleitzone“, sondern vom Übergangsbereich gemäß Änderung im § 20 Abs. 2 SGB IV auf Grundlage des "RV-Leistungsverbesserungs- und Stabilisierungsgesetzes vom 28. November 2018 (in BGBl. I S. 2016)" in den Grenzen zwischen 450,01 € bis 1.300,00 €. Dafür wurde die spezielle Formel für die Berechnung der Versicherungsbeiträge entsprechend konkav angepasst. Erst im oberen Teil des Übergangsbereichs passen sich die Beiträge dem allgemeinen Beitragssatz zur Sozialversicherung an. Daraus ableitend sinken die Beiträge, jedoch ohne Nachteile für die Rentenansprüche. Rentenentgeltpunkte für Beitragszeiten aus der Beschäftigung im Übergangsbereich werden seit 1. Juli 2019 aus dem erzielten und nicht aus dem beitragspflichtigen Arbeitsentgelt ermittelt. Dadurch sollen geringere Rentenansprüche aus der verminderten Bemessungsgrundlage des Beitrags vermieden werden.
    Im Midijob verdient der Arbeitnehmer mehr als in einem Minijob. Auch entfällt für ihn die Lohnsteuer in den Steuerklassen 1 bis 4, wenn er keine weiteren Einkünfte hat. Trotzdem ist er kranken-, arbeitslosen-, pflege- und rentenversichert. Inwieweit durch den Arbeitgeber ein pauschaler Satz zur Lohnsteuer nach § 40a im Einkommensteuergesetz (EStG) sowie der Höhe nach herangezogen werden kann, wird ebenfalls näher unter Lohnsteuer bei geringfügiger Beschäftigung erläutert.
Von der geringfügigen Beschäftigung ist die kurzfristige Beschäftigung zu unterscheiden, die aber oft mit einem "kurzfristigen Minijob" oder auch als "70 Tage Job" bezeichnet wird. Von einer kurzfristigen Beschäftigung wird gesprochen, wenn „der Arbeitnehmer bei dem Arbeitgeber gelegentlich, nicht regelmäßig wiederkehrend beschäftigt wird“. Sie wird sowohl von Bauunternehmen als Arbeitgeber als auch von Arbeitnehmern beispielsweise bei Saisonarbeiten, Urlaubsvertretungen, Ferieneinsätzen u. a. begehrt. Welche Zeitgrenzen für eine kurzfristige Beschäftigte maßgebend sein müssen, wird unter dem angeführten Link näher erläutert.
Die Entlohnung ist bei der kurzfristigen Beschäftigung nicht begrenzt, lediglich die Zeitdauer.
Das Arbeitsentgelt bei kurzfristiger Beschäftigung unterliegt weder für den Arbeitnehmer noch für den Arbeitgeber der Beitragspflicht zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Es ist aber mit Lohnsteuer zu versteuern. Möglich sind entweder eine Pauschalversteuerung nach § 40a im EStG mit 25 % des Arbeitslohns durch den Arbeitgeber bei vorliegenden Voraussetzungen oder eine individuelle Besteuerung mit Lohnsteuer für den kurzfristig Beschäftigten. Hierauf wird ausführlicher unter kurzfristiger Beschäftigung eingegangen.
Ab 1. Januar 2020 wurden für die Pauschalbesteuerung mit Lohnsteuer zu 25 % die Arbeitslohngrenzen für die kurzfristige Beschäftigung in § 40a Abs. 1 und 4 im EStG während der Beschäftigungsdauer erhöht:
  • zur durchschnittlichen Tageslohngrenze auf 120 € (vorher 72 €) und
  • zum durchschnittlichen Stundenlohn auf 15 € (vorher 12 €).
Neu ab 2020 ist auch die im Abs. 7 in § 40a EStG eingefügte Regelung, wonach die Lohnsteuer für kurzfristige, im Inland ausgeübte Tätigkeiten eines beschränkt steuerpflichtigen Arbeitnehmers, der einer ausländischen Betriebsstätte des Arbeitgebers zugeordnet ist, für die im Inland ausgeübte Tätigkeit mit einem Pauschsteuersatz von 30 % erhoben werden kann.
Für das Arbeitsentgelt entfällt die Begrenzung auf 450 € je Monat. Der Verdienst ist bei der kurzfristigen Beschäftigung nicht begrenzt und unterliegt nicht der Beitragspflicht zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung – weder für den Jobber noch für den Arbeitgeber. Zum Verdienst ist jedoch Lohnsteuer zu entrichten, die ggf. vom Jobber mit der Jahressteuererklärung zur Einkommensteuer evtl. zurückgefordert werden kann.
10.04.2020
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