BW- Kennzahlen

Eigenkapitalquote

Bei der Eigenkapitalquote wird das Eigenkapital (aus Passivseite der Bilanz) ins Verhältnis zum Gesamtkapital gesetzt. Sie liegt in der Bauwirtschaft durchschnittlich bei ca. 10 % bis 18 % und ist damit nicht zum Besten bestellt. Die Aktiengesellschaften (AG) weisen meistens mehr als 20 % aus.
Aussagen zur Eigenkapitalquote im Baugewerbe werden auf Grundlage der Umsatzsteuerstatistik und von Jahresabschlüssen der Bauunternehmen aus vergangenen Jahren zusammengestellt, so durch die Deutsche Bundesbank, den Deutschen Sparkassen- und Giroverband sowie durch die Genossenschaftliche Finanzgruppe, meistens als Mittelwert für die Branche und 2 Jahre zurückliegend.
Nach den Aussagen der Deutschen Bundesbank stieg die Eigenkapitalquote im Baugewerbe kontinuierlich zwischen 2001 und 2012 an und hat sich in dieser Zeit nahezu vervielfacht, in Höhe von 3,9 % in 2001 auf 16,4 % in 2012. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband weist eine Entwicklung von 3,3 % in 2001 auf 14,9 % in 2012 aus.
Die Deutsche Bundesbank gliedert die Aussagen noch weiter, zum einen nach den Sparten Hochbau, Tiefbau und Ausbau und zum anderen differenziert in Abhängigkeit von der Umsatzgröße der herangezogenen Unternehmen. Es werden danach Unternehmen mit einem Jahresumsatz von max. 2 Mio. € bis Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 50 Mio. € unterschieden. Im Durchschnitt der zuletzt ausgewerteten 5 Jahre zeigten sich Unterschiede zur Eigenkapitalquote zwischen den Leistungssparten Hochbau mit 13,9 % und Tiefbau von 16,0 %. Höher war die Eigenkapitalquote im Ausbau mit 18,4 %.
In Abhängigkeit von der Jahresumsatzgröße sind auch die Aussagen nach den Berechnungen der Deutschen Bundesbank zur Eigenkapitalquote unterschiedlich hoch, beispielsweise bei den:
  • Kapitalgesellschaften im Jahr 2012 in Unternehmen bis 2 Mio. € Umsatz von 20,7 % und Unternehmen mit mehr als 50 Mio. € Umsatz von 18,2 % und
  • Nichtkapitalgesellschaften im Jahr 2012 in Unternehmen von bis 2 Mio. € Umsatz von 8,6 % und Unternehmen über 50 Mio. € Umsatz von 11,4 %.
Die Aussagen zur Eigenkapitalquote werden ggf. etwas verzerrt durch haftendes Kapital der Eigentümer von Personengesellschaften auch außerhalb der Bilanz. Weiterhin beeinflusst der Ausweis der unfertigen Bauleistungen auf der Aktivseite der Bilanz entweder saldiert oder nicht saldiert mit den bereits dafür erhaltenen Anzahlungen und Abschlagszahlungen die Aussagen. Werden die erhaltenen Zahlungen nicht aktivisch abgesetzt und als Verbindlichkeiten auf der Passivseite der Bilanz ausgewiesen, dann wird die Bilanzsumme höher und daraus ableitend die Eigenkapitalquote geringer ausgewiesen.
Das Eigenkapital steht dem Bauunternehmen für unbegrenzte Zeit zur Verfügung, macht unabhängig von möglichen Kreditgebern und erlaubt somit eine hohe Entscheidungsfähigkeit in Bezug auf die Unternehmenspolitik.
Je höher die Eigenkapitalquote ist, desto solider und krisenfester ist die Finanzierung. Dagegen bedeutet eine geringe Quote Gefahr der Insolvenz bzw. Überschuldung. Für die Kreditvergabe setzen die Banken oft eine Eigenkapitalquote von mindestens 15 % voraus bzw. binden die Kreditbedingungen auf die baldige Erreichung dieser Quotenhöhe.
Allgemein gelten als Kriterien bei einer Eigenkapitalquote
größer als 30 %=sehr gut
20 bis 30 % =gut
10 bis 20 %=befriedigend
kleiner als 10 %=schlecht
Prüfenswert wären im Zusammenhang mit einer überwiegenden Finanzierung der Bauunternehmen durch Eigenkapital
  • die erzielte Rendite auf das Eigenkapital,
  • die zu zahlenden Zinsen für das Fremdkapital.
Die Situation beim Eigenkapital und somit auch die der Quote verbesserte sich ggf. in den Unternehmen mit der freiwilligen und steuerneutralen Anwendung verschiedener neuer Wahlrechte auf Grundlage des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG vom 25.05.2009) seit dem Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2009.
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