06.10.2026 | Bauplanung

Wirtschaftlicher Ressourceneinsatz im Bau-SOLL und Bau-IST

Ob ein Bauablauf wirtschaftlich funktioniert, wird oft schon vor dem ersten Spatenstich entschieden. Dafür müssen Mengen, Arbeitsstunden, Personal und Geräte frühzeitig aufeinander abgestimmt werden. Stefan Kugler, Sachverständiger für Baubetrieb und Baubetriebswirtschaft, erläutert, warum ein belastbarer SOLL-Bauablauf die benötigten Ressourcen konkret einplanen muss.

Kalkulation als Ausgangspunkt

Die Auftragskalkulation bildet eine wesentliche Grundlage für die spätere Bauablaufplanung. Sie enthält Annahmen darüber, welcher Aufwand für die Ausführung einer Leistung erforderlich ist und welche Leistungswerte dabei erreicht werden sollen.
Aus Mengen- und Leistungsansätzen ergeben sich die erforderlichen Arbeitsstunden. In der Arbeitsvorbereitung ist anschließend festzulegen, mit welchen Personal- und Gerätekapazitäten diese Lohnstunden erbracht werden sollen. Vereinfacht ergibt sich daraus folgende Beziehung:
Der Zusammenhang von Kalkulation, Kapazität und Bauablauf.
Der Zusammenhang von Kalkulation, Kapazität und Bauablauf. Bild: © f:data GmbH / nach Stefan Kugler
Diese Größen stehen unmittelbar miteinander in Verbindung. Verändert sich eine Größe, hat dies regelmäßig Auswirkungen auf die übrigen Parameter.
Die Vorgangsdauer eines Terminplans darf deshalb nicht losgelöst von der zugrunde liegenden Kalkulation betrachtet werden. Sie ist vielmehr das Ergebnis aus Leistungsansatz und vorgesehenem Ressourceneinsatz.

Leistung und Kapazität müssen zusammenpassen

Eine kalkulierte Arbeitsstundenzahl sagt zunächst noch nichts darüber aus, wie lange eine Leistung tatsächlich dauern soll. Erst die vorgesehene Kapazität stellt den zeitlichen Bezug her.
Sind für eine Leistung z. B. 400 Arbeitsstunden kalkuliert, kann sich abhängig von der eingesetzten Mannschaftsstärke eine deutlich unterschiedliche Vorgangsdauer ergeben.
Die Kolonnenstärke lässt sich allerdings nicht beliebig erhöhen. Mehr Personal führt nicht automatisch zu einer proportional höheren Leistung.
Stehen nur begrenzte Arbeitsflächen zur Verfügung oder erfordert ein Arbeitsprozess eine bestimmte Abfolge einzelner Tätigkeiten, kann zusätzliches Personal seine Leistung nicht uneingeschränkt entfalten. Im ungünstigen Fall entstehen gegenseitige Behinderungen, Wartezeiten oder zusätzliche Koordinationsaufwände.
Eine wirtschaftliche Kapazitätsplanung muss deshalb beantworten, welche Mannschaftsstärke unter den vorgesehenen Bedingungen baubetrieblich tatsächlich sinnvoll eingesetzt werden kann.

Realistische Leistungswerte sind entscheidend

Auch der angesetzte Leistungswert muss zu den Bedingungen des jeweiligen Projektes passen. Zu optimistische Ansätze führen zu kurzen Vorgangsdauern, die in der späteren Ausführung möglicherweise nicht erreichbar sind. Zu vorsichtige Ansätze können dagegen unnötig lange Bauzeiten und damit eine längere Bindung von Personal und Geräten verursachen.
Bei der Festlegung realistischer Leistungswerte sind deshalb unter anderem folgende Rahmenbedingungen zu berücksichtigen:
  • verfügbare Arbeitsräume,
  • vorgesehene Kolonnenstärken,
  • Geräteunterstützung,
  • Baustellenlogistik,
  • Transport- und Laufwege,
  • Wiederholungs- und Serieneffekte sowie
  • Schnittstellen zu anderen Leistungen.
Maßgebend ist nicht, welche Leistung unter theoretisch optimalen Bedingungen erreichbar wäre. Für den Bauablauf ist entscheidend, welche Leistung unter den konkret vorgesehenen Projektbedingungen realistisch und wirtschaftlich erbracht werden kann.

Technische Abhängigkeiten reichen nicht aus

Bei der Erstellung eines Bauablaufplans stehen zunächst häufig technische Abhängigkeiten im Vordergrund. Bestimmte Leistungen können erst beginnen, wenn andere Vorgänge abgeschlossen sind. So muss z. B. die Bewehrung eines Bauteils fertiggestellt sein, bevor betoniert werden kann.
Neben diesen technischen Abhängigkeiten bestehen jedoch auch kapazitive Abhängigkeiten. Zwei Vorgänge können technisch gleichzeitig ausführbar sein und trotzdem nicht parallel durchgeführt werden, wenn für beide dieselbe Ressource benötigt wird. Das kann z. B. dieselbe Kolonne, ein Kran, ein Bagger oder ein bestimmtes Schalungssystem sein.
Die technische Möglichkeit einer Parallelität bedeutet daher noch nicht, dass diese Parallelität auch tatsächlich ausführbar ist.

Parallelität benötigt verfügbare Ressourcen

Gerade bei knappen Bauzeiten werden Terminpläne häufig durch eine verstärkte Parallelisierung von Vorgängen verdichtet. Das kann sinnvoll sein. Voraussetzung ist jedoch, dass die dafür erforderlichen Ressourcen auch tatsächlich gleichzeitig zur Verfügung stehen. Bei parallel geplanten Leistungen sollte deshalb geprüft werden:
Prüffragen für eine tatsächlich ausführbare Parallelität.
Prüffragen für eine tatsächlich ausführbare Parallelität. Bild: © f:data GmbH / nach Stefan Kugler
Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, wird aus einer im Terminplan dargestellten Parallelität ein tatsächlich ausführbarer Bauablauf.

Ressourcen den Vorgängen zuordnen

Für einen belastbaren SOLL-Bauablauf ist deshalb eine möglichst eindeutige Zuordnung der wesentlichen Ressourcen zu den einzelnen Vorgängen sinnvoll. Dadurch wird sichtbar, welche Kolonnen oder Geräte für welche Leistungen vorgesehen sind. Ressourcenkonflikte lassen sich bereits in der Arbeitsvorbereitung erkennen und können vor Beginn der Ausführung aufgelöst werden. Diese Zuordnung gewinnt auch für die spätere Steuerung des Bau-IST an Bedeutung.
Nur wenn bekannt ist, mit welchen Kapazitäten und Leistungsansätzen ein Vorgang ursprünglich geplant wurde, lässt sich später beurteilen, ob der tatsächliche Ressourceneinsatz noch den geplanten Voraussetzungen entspricht.
Der Bau-SOLL-Terminplan wird damit zugleich zur Grundlage des späteren SOLL-IST-Vergleichs.

Wirtschaftlichkeit wird im Bau-SOLL vorbereitet

Wirtschaftlicher Ressourceneinsatz bedeutet nicht, möglichst viele Ressourcen auf einer Baustelle vorzuhalten. Entscheidend ist vielmehr, Personal und Geräte in einer Kapazität einzuplanen, die passt:
  • zum Arbeitsumfang,
  • zur verfügbaren Arbeitsfläche und
  • zur vorgesehenen Leistung.
Ein belastbarer Bau-SOLL sollte deshalb insbesondere folgende Punkte miteinander verbinden:
  • realistische Leistungswerte,
  • geeignete Kolonnenstärken,
  • verfügbare Arbeitsräume,
  • technische und kapazitive Abhängigkeiten sowie
  • nachvollziehbare Vorgangsdauern.
Die Arbeitsvorbereitung wird damit zu einem wesentlichen Bestandteil der wirtschaftlichen Bauproduktion. Je genauer das Zusammenspiel von:
  • Leistung,
  • Zeit und
  • Ressourcen
bereits im Bau-SOLL beschrieben wird, desto besser lässt sich während der Ausführung erkennen, wann sich die tatsächlichen Bedingungen verändern und eine Anpassung des Ressourceneinsatzes erforderlich wird.

Die Experten-Meinung

Experten-Meinung
„Ein Terminplan zeigt zunächst nur, wann Leistungen ausgeführt werden sollen. Zu einem baubetrieblich belastbaren Bauablauf wird er erst dann, wenn Vorgangsdauer, Leistungsansatz und Ressourceneinsatz nachvollziehbar zusammenpassen. Wirtschaftlicher Ressourceneinsatz beginnt deshalb bereits im Bau-SOLL.“
Herzlichen Dank an Stefan Kugler, ö. b. v. Sachverständiger für Baubetrieb und Baubetriebswirtschaft und geschäftsführender Gesellschafter bei projekt-bau GbR in Sehnde / Niedersachsen, für die fachliche Unterstützung bei diesem Artikel auf bauprofessor.de.
Stefan Kugler
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