Baukalkulation / Angebot / Nachträge

Nachkalkulation

Bei der Nachkalkulation werden den Soll-Ansätzen aus der Arbeitskalkulation die tatsächlichen Werte und Stunden gegenüber gestellt. Die Nachkalkulation ermittelt stets nachträglich die Mengen, Stunden und Kosten für die ausgeführte Bauleistung mit dem Ziel,
  • die Ansätze der Angebots- und Arbeitskalkulation auf ihre Richtigkeit zu prüfen,
  • neue Kalkulationsansätze (als Mengen- und Wertansätze) zu ermitteln.
Nachkalkulation unterscheidet man nach technischer und kaufmännischer Nachkalkulation. Im Rahmen der technischen Nachkalkulation werden die mengenmäßig erfassten Aufwandsfaktoren wie Arbeits- und Maschinenzeiten sowie zum Materialverbrauch auf Grundlage der Baustellenberichte (beispielsweise Tages- und Wochenstundenberichte) ausgewertet, und zwar im Vergleich zur ebenfalls mengenmäßig erfassten Bauleistung gemäß Aufmaß. Als Maßstab für die Beurteilung lassen sich abgeleitete Relationskennziffern wie Materialverbrauch oder Lohnstunden jeweils je Leistungseinheit heranziehen.
Innerhalb der kaufmännischen Nachkalkulation werden den tatsächlich angefallenen Istgrößen wie Lohnkosten, Stoffkosten u.a. die Sollgrößen als Produkt aus der tatsächlich erbrachten Leistung und den dafür vorgesehenen Sollgrößen je Leistungseinheit gegenübergestellt. Dabei steht der einzelne Bauauftrag nach Abschluss insgesamt im Mittelpunkt der Kontrolle. Die kaufmännische Nachkalkulation erfolgt meistens innerhalb der Baubetriebsabrechnung und in Verbindung mit dem Bauauftrags- und Baustellen-Controlling.
Methodisch geht die Nachkalkulation von den gleichen Grundlagen und Daten wie beim Soll-Ist-Vergleich aus. Sie beschränkt sich aber im Gegensatz zum Soll-Ist-Vergleich nur auf ausgewählte Kostenarten und Arbeitsabschnitte. Im Vordergrund steht meistens der gesamte Bauauftrag und die dafür anfallenden Kosten und benötigten Arbeitsstunden, weiterhin aber auch Bauabschnitte, Lose, einzelne Teilleistungen des Bauauftrags u.a. Die Beobachtung und Analyse der Abweichungen sollte es möglich machen, das baubetriebliche Geschehen erforderlichenfalls bereits während des Bauablaufs korrigierend zu beeinflussen.
Nachfolgend soll ein Beispiel die mögliche Herangehensweise demonstrieren. Dazu liegen als Angaben für einen Arbeitsabschnitt bzw. eine Teilleistung vor:
• Soll-Leistungsmenge=1.000 m² Mauerwerk, Dicke = 36,5 cm
• Kalkulationslohn=25,00 €/Stunde
• Arbeitszeitaufwand je Mengeneinheit=1,4 Stunden/m²
• Lohnkosten=34.100 €
• Arbeitszeitaufwand gesamt für Istmenge=1.380 Stunden
• Ist-Leistungsmenge=950 m² Mauerwerk
  • Kostenvergleich zu den Lohnkosten:
• Vergleichbare Soll-Kosten (950 m² x 1,4 h/m2 x 25 €)=33.250
• ./. Ist-Kosten=34.100
• = Abweichung (Mehrinanspruchnahme)=./. 850
Im Rahmen der Nachkalkulation kann die Abweichung weiter technisch und kaufmännisch untersucht werden, beispielsweise als
  • Mengenmäßige Nachkalkulation (technische Nachkalkulation):
Arbeitszeitaufwand in h/m²:
Ist=1.380 h : 950 m²=1,453h/m²
Soll=1,400h/m²
Abweichung=./.0,053h/m²
  • Wertmäßige (kaufmännische) Nachkalkulation:
Kalkulationslohn in €/h:
Ist=34.100 € : 1.380 h=24,71€/h
Soll=25,00€/h
Abweichung=+ 0,29€/h
Im Rahmen der Nachkalkulation sollten die Abweichungen tiefergehend untersucht werden, beispielsweise mit folgendem Analysenschritt:
  • Analyse des Mehrverbrauchs an Lohnkosten von 850 €:
a) negative Wirkung aus der Überschreitung des Arbeitszeitaufwandes:
• ./. 50 h x 25 €/h=./. 1.250
b) positive Wirkung aus niedrigerem Ist-Mittellohn:
• +0,29 €/h x 1.380h=400
Gesamtwirkung = ∑ aus a) und b) = 850 €
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