Baukalkulation / Angebot / Nachträge

Kalkulationsansätze

Kalkulationsansätze umfassen die Stammdaten der Kalkulation als universell verwertbare Wissens- und Erfahrungsdaten für die Kalkulation bzw. Preisermittlung. Die Einzelkosten der Teilleistungen (EKT) umfassen den wichtigsten Kostenkomplex eines kalkulierten Einheitspreises (EP) für eine Leistungsposition einer Ausschreibung im Leistungsverzeichnis (LV). Sie bilden das Mengen-Wert-Gerüst der Kalkulation. Jeder Kostenansatz für eine Leistungsposition errechnet sich als Produkt aus einem:
  • Mengen- bzw. Zeitansatz (z. B. Arbeitszeitaufwand in Stunden, Mengen der Baustoffe. Einsatzstunden für Baumaschinen u. a.) und
  • dem Wertansatz (z. B. Kalkulationslohn je Stunde, Materialpreis je Bedarfsmengeneinheit, Vorhaltekosten oder Gerätemiete für eine Baumaschinenstunde u. a.).
Die Mengen- und Zeitansätze sowie Wertansätze stellen die primären Stammdaten dar. Hinzu kommen noch die Zuschlags- bzw. Verrechnungssätze sowie ggf. Umlagen für die Berücksichtigung der Gemeinkosten (Baustellengemeinkosten (BGK) und Allgemeine Geschäftskosten (AGK)) sowie von Wagnis und Gewinn (W&G) für die Ermittlung des Einheitspreises insgesamt.
Die Kalkulationsansätze sollten betriebsindividuell bestimmt, festgelegt und gepflegt werden. Grundlagen dafür liefern:
  • Erfahrungswerte aus früheren Angeboten und ausgeführten Bauaufträgen, besonders zum Zeitansatz für den Arbeitsaufwand,
  • Erkenntnisse aus Soll-Ist-Vergleichen und Nachkalkulationen, besonders bei Verlustbaustellen,
  • Einstandspreise der Baustoffe, Hilfs- und Betriebsstoffe von unterschiedlichen Lieferanten und selbstbeobachtete Marktpreise,
  • Angaben aus der Baugeräteliste (BGL 2015) zu Vorhaltekosten sowie Mieten für Baumaschinen und Geräte,
  • betriebswirtschaftliche Aussagen aus der betrieblichen Kosten- und Leistungsrechnung (KLR-Bau), insbesondere für die Vorbestimmung von Zuschlagsätzen für die Gemeinkosten (BGK, AGK),
  • selbstkalkulierte Festpreise für ein schnelles Kalkulieren,
  • fremde Richtwerte aus Katalogen zu Arbeitszeit-Richtwerten (AR), Baupreiskataloge, Produktinformationen, Lohntarifverträge, Verbandsinformationen u. a.,
  • DBD-KostenAnsätze.
Letztere liefern Aufwandswerte für die Angebotskalkulation sowie VOB-gerechte Leistungsbeschreibungen für Millionen von Bauleistungen. Mit den DBD-KostenAnsätzen kann sofort mit der Angebotskalkulation begonnen werden. Anders als bei herkömmlicher Arbeitsweise oder statischen Datensammlungen ist kein aufwändiges Anlegen und Verwalten von Stammdaten nötig. Eigene Erfahrungswerte können während der Angebotskalkulation „gelernt werden“. DBD-KostenAnsätze können auf CD-ROM z. B. unter www.dbd-online.de bezogen werden. Die Aufwandswerte lassen sich einfach und rationell in einem für DBD geeigneten Kalkulationsprogramm – beispielsweise nextbau – zu einer Angebotskalkulation weiterverarbeiten.
Die Kalkulationsansätze sind bei einem vorgelegten Angebot in wesentlichem Maße auch aus den ergänzenden Formblättern Preise (EFB-Preis) 221 bis 223 nach Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2017) ersichtlich, soweit diese Formblätter vom Bieter mit Abgabe des Angebots verlangt werden oder innerhalb von 6 Kalendertagen nach Aufforderung der Vergabestelle nachzureichen sind.
Der Auftraggeber kann auch eine Urkalkulation, gewissermaßen als Offenlegung über die Kalkulationsansätze für die Preisermittlung der vertraglichen Bauleistung verlangen. Aus der Urkalkulation sind die Kalkulationsansätze sowohl im Einzelnen für die Leistungspositionen als auch für die Gesamtbeträge je Leistungsposition im LV und für die Angebotsendsumme ersichtlich.
Die für ein Angebot zugrunde gelegten Kalkulationsansätze sind gleichfalls anzusetzen, wenn beispielsweise bei Nachträgen vertragliche Einheitspreise geändert oder neue Einheitspreise vereinbart werden sollen. Bleibt die Preisermittlung für den Auftraggeber nicht nachvollziehbar, so sind die Ansätze auf der Grundlage der Vertragspreise besonders sorgfältig zu prüfen.
18.10.2018
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