Buchhaltung / Rechnungswesen

Waren-/Materialeinsatz bei Richtsätzen (Bau)

Gewinn und Umsatz können von der Finanzverwaltung für die Besteuerung geschätzt werden, wenn geeignete Unterlagen nicht aussagefähig vorliegen oder nicht verfügbar sind. Das betrifft vorrangig kleine Baubetriebe, Bauhandwerksbetriebe als Einzelunternehmen, Personengesellschaften und selbstständige Bauhandwerker, für die ggf. die Gewinnermittlung sogar auf Grundlage einer Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) erfolgt. Für die Schätzung ist dann eine Gewinnverprobung nach Richtsätzen (Bau) heranzuziehen. Grundlagen liefern die jährlich vom Bundesministerium der Finanzen vorgelegten Richtsätze zum Rohgewinn, Halbreingewinn und Reingewinn in einer jährlich herausgegebenen Richtsatzsammlung. Die "Richtsatzsammlung für das Kalenderjahr 2018" wurde mit BMF-Schreiben vom 8. Juli 2019 (veröffentlicht im Bundessteuerblatt Teil I) bekannt gegeben.
Die Richtsätze werden differenziert nach Gewerbeklassen vorgegeben. Für welche Gewerbeklassen im Baugewerbe Richtsätze in der Richtsatzsammlung des Finanzministeriums ausgewiesen werden, ist unter Richtsatzsammlung zur Besteuerung im Bauhandwerk aufgeführt. Die Richtsätze werden in % von der Bezugsgröße des wirtschaftlichen Umsatzes ausgewiesen, wobei der Bezug auch differenziert nach unterschiedlicher Höhe des wirtschaftlichen Umsatzes vorgesehen ist.
Beispiele zu Richtsätzen aus der Richtsatzsammlung werden aufgeführt für:
Die Verprobung als Schätzung zu Umsatz und Gewinn des Baubetriebs setzt zunächst voraus, dass die Aussagen an den Aufbau der Richtsätze anzupassen bzw. zu "normalisieren" und vergleichbar zu machen sind. Das betrifft vor allem dann die normalisierten Aussagen zum Waren- und Materialeinsatz.
Anzusetzen sind als Waren- und Materialeinsatz im Sinne der Richtsätze:
  • die steuerlichen Anschaffungskosten für den Waren- und Materialeinsatz - ohne abziehbare Vorsteuer-, jedoch mit Abzug von unentgeltlichen Wertabgaben und Leistungen an das Personal sowie für eigenbetriebliche Zwecke,
  • Nebenkosten bis zur Einlagerung einschließlich von Frachtkosten, Transportversicherungen, von Umlagerungen,
  • von Dritten ausgeführte Werklieferungen und Leistungen, in Baubetrieben beispielsweise von Nachunternehmern.
Zum Waren- und Materialeinsatz zählen nicht:
  • Betriebsstoffe (z. B. Energie- und Brennstoffe),
  • Gebühren, z. B. für Sperrungen, Ablagerungen auf Kippen u. a.,
  • außergewöhnliche Teilwertabschreibungen.
Sollten bereits vom Unternehmer Anzahlungen für einen Waren- und Materialeinsatz erfolgt sein oder Schulden gegenüber Lieferanten vorliegen, dann sind sie mit den Nettowerten, d. h. ohne abziehbare Vorsteuer anzusetzen.
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