Lohn / Tarif / Rente

Mindestlohn im Baugewerbe

Der Mindestlohn ist der gesetzlich festgelegte niedrigste Stunden- oder Monatslohn, den Arbeitgeber ihren Beschäftigten zahlen müssen. Die Höhe kann je nach Branche oder Region unterschiedlich sein.

Was ist der Mindestlohn?

Der Mindestlohn repräsentiert das Brutto-Arbeitsentgelt für eine Stunde, das rechtlich dem Arbeitnehmer mindestens vom Arbeitgeber zu gewähren ist. Die Höhe wird vom Gesetzgeber oder durch allgemeinverbindliche, tarifliche Regelungen bestimmt.
Der Mindestlohn unterscheidet sich nach:
  1. dem allgemeinen, "gesetzlichen" Mindestlohn auf Grundlage des „Gesetzes zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns (MiLoG)“ in Höhe von 12,00 € / Stunde seit 1. Oktober 2022 und 12,41 € / Stunde ab 1. Januar 2024 und
  2. Branchenmindestlöhnen wie im Baugewerbe auf Grundlage des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (AEntG) und den jeweiligen Tarifverträgen zum Mindestlohn zwischen den Tarifvertragsparteien, die zur Allgemeinverbindlichkeit beantragt werden und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) Bestätigung erhalten.

Mindestlohn im Bauhauptgewerbe

Für Bauunternehmen im betrieblichen Geltungsbereich des „Bundesrahmentarifvertrags für das Baugewerbe (BRTV-Baugewerbe)“ – vornehmlich im Bauhauptgewerbe – ist ein branchenbezogener Mindestlohn für gewerbliche Arbeitnehmer nach dem "Tarifvertrag zur Regelung der Mindestlöhne im Baugewerbe (TV Mindestlohn)" maßgebend. Der baugewerbliche Mindestlohn soll Lohndumping verhindern.
Der TV-Mindestlohn vom 29. Januar 2021 war gültig bis 31. Dezember 2021. Ein neuer Tarifentwurf zur Fortführung des Mindestlohns im Bauhauptgewerbe mit höheren Ansetzungen fand keine Zustimmung durch die Arbeitgeberverbände (HDB und ZDB). Formal gibt es keinen aktuellen Mindestlohn mehr im Bauhauptgewerbe.
Zunächst bleiben die bisher geltenden Mindestlöhne nach dem Tarifvertrag vom 29. Januar 2021 maßgeblich und der Höhe nach unverändert ab 1. Januar 2022 gültig bis zu einem neuen Tarifabschluss oder einer einzelvertraglichen Regelung. Jedoch besteht als Nachwirkung kein Anspruch für Mindestlohn bzw. kein Anspruch für seit 1. Januar 2022 neu aufgenommene Arbeitsverhältnisse von gewerblichen Arbeitnehmern auf einen Mindestlohn in Baubetrieben des Geltungsbereichs des TV-Mindestlohns. Zu vergüten ist dann mindestens der allgemein gesetzliche Mindestlohn.
Der Mindestlohn im Bauhauptgewerbe wurde bisher differenziert nach folgenden Lohngruppen für die:
  • Lohngruppe 1 (Werker / Maschinenwerker nach § 5 Nr. 3 im BRTV-Baugewerbe) als Mindestlohn 1 im Baugewerbe nach den Tarifgebieten Deutschland-West, Berlin und Ost sowie, seit 1. Januar 2021 bundeseinheitlich in Höhe von 12,85 € / Stunde
  • Lohngruppe 2 (Fachwerker / Maschinisten / Kraftfahrer nach § 5 Nr. 3 im BRTV-Baugewerbe) als Mindestlohn 2 im Baugewerbe nur noch in den Tarifgebieten – Deutschland-West und Berlin, seit 1. Januar 2021 differenziert in Höhe von
    • 15,70 € / Stunde in Deutschland-West
    • 15,55 € / Stunde im Land Berlin
Erfasst werden gemäß § 1 Abs. 3 im TV Mindestlohn alle gewerblichen Arbeitnehmer im Bauunternehmen, unabhängig davon, ob es sich um sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse oder geringfügig Beschäftigte (z. B. Mini-Job oder Midi-Job handelt, soweit die Arbeitnehmer arbeitszeitlich überwiegend Bauleistungen erbringen.
Wird der Branchenmindestlohn den gewerblichen Arbeitnehmern vergütet, dann findet der gesetzliche Mindestlohn keine Anwendung. Zu prüfen bleibt jedoch auch in den Unternehmen mit Branchenmindestlohn, ob für bestimmte Arbeitsverhältnisse sowie Ausbildungs- und Praktikumsverhältnisse der gesetzliche Mindestlohn zu gewähren ist bzw. Mindestlohn-Ausnahmen von dem persönlichen Geltungsbereich Mindestlohngesetzes und speziellen Branchen-TV vorliegen.
Dem persönlichen Geltungsbereich des TV-Mindestlohns werden im Bauunternehmen auch Hilfskräfte zugeordnet, die Hilfslohn erhalten wie Kalfaktoren, Boten, Wärter u. a. und bis 31. August 2002 in der früheren Berufsgruppe VIII eingruppiert waren.
Nicht erfasst werden dagegen Schüler der allgemeinbildenden Schulen, gewerbliches Reinigungspersonal sowie Arbeitnehmer, soweit sie außerhalb ihrer Arbeitszeit Beförderungsleistungen mit einem vom Bauunternehmen gestellten Fahrzeug für die Beförderung von Arbeitnehmern zu den Bau- oder Arbeitsstellen des Unternehmens ausführen.
Der Mindestlohn gilt stets für die Arbeitsstelle bzw. Baustelle. Auswärtig beschäftigte Arbeitnehmer behalten jedoch den Anspruch auf den Mindestlohn ihres Einstellungsortes. Ist der Mindestlohn der auswärtigen Baustelle höher, so haben die Arbeitnehmer Anspruch auf diesen Mindestlohn, solange sie auf dieser Arbeitsstelle tätig sind. Der Mindestlohn findet keine Aufnahme in die Bezirkslohntarifverträge.
Der Mindestlohn soll sicherstellen, dass jede Arbeit eine angemessene Vergütung bietet sowie Arbeitnehmer vor Ausbeutung schützen.
Der Mindestlohn soll sicherstellen, dass jede Arbeit eine angemessene Vergütung bietet sowie Arbeitnehmer vor Ausbeutung schützen. Bild: © f:data GmbH

Bestandteile des Mindestlohns (mit Beispiel)

Die Entgelte des Mindestlohns 1 und 2 entsprechen jeweils dem Gesamttarifstundenlohn (GTL) als Bruttolohn für die Arbeitsstunde, der sich zusammensetzt aus:
  • Tarifstundenlohn (TL)
  • Bauzuschlag (BZ)
Hier ein Beispiel:
Mindestlohn 1 im Bauhauptgewerbe seit 1. Januar 2021 bundeseinheitlich für alle Tarifgebiete nach TV-Mindestlohn mit folgender Zusammensetzung je Arbeitsstunde:
Tarifstundenlohn (TL)
12,13 €
+ Bauzuschlag (BZ)
+ 0,72 €
= Gesamttarifstundenlohn (GTL)
= 12,85 €
Lediglich für Leistungslohn-Mehrstunden (Plus-Stunden bzw. Überschuss-Stunden im Akkord bei Anwendung von Leistungslohn) ist der Bauzuschlag nach TV-Mindestlohn im Baugewerbe nicht zu zahlen. Bei der Berechnung des Mindestlohns sind Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung nicht zu berücksichtigen.
Zur Anwendung des Mindestlohns im Bauhauptgewerbe legte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) einen "Leitfaden – Mindestlöhne im Baugewerbe" auf, in dem spezielle Ausführungen zum Mindestlohn, dem Mindestlohngesetz sowie zum Arbeitnehmer-Entsendegesetz erfolgen.
Danach sind in den Mindestlohn auch vom Arbeitgeber gezahlte Zulagen und Zuschläge als Bestandteile des Mindestlohns einzubeziehen, wenn ihre Zahlung nicht an die Voraussetzung geknüpft ist, dass der Arbeitnehmer eine, von der im Tarifvertrag vorgesehenen Normalleistung abweichende Arbeitsleistung erbringt.
Das kann dann der Fall sein und damit eine Anrechnung ausschließen, wenn Tätigkeiten:
  • mit Zahlungen von Leistungs- und / oder Qualitätsprämien verknüpft sind
  • zu besonderen Zeiten wie Überstunden-, Sonn- oder Feiertagsarbeit und Nachtarbeit oder
  • unter erschwerten oder gefährlichen Bedingungen beispielsweise mit Schmutz- oder Gefahrenzulagen durchgeführt werden
Entsendezulagen, die sich ggf. aus der Vergütung für Unterkünfte, Erstattung für Verpflegung und von Reisekosten ergeben, werden beim Mindestlohn nicht berücksichtigt.

Für welche Arbeiten gilt der Mindestlohn?

Mindestlohn 1
Anzuwenden ist der Mindestlohn 1 für Werker, die einfache Bau- und Montagearbeiten im Bauhauptgewerbe nach Anweisung ausführen. Hierzu werden im Anhang zum TV-Mindestlohn vom 29. Januar 2021 spezielle Tätigkeitsbeispiele aufgeführt, z. B.:
  • Sortieren und Lagern von Baustoffen und Bauhilfsstoffen auf der Baustelle
  • Pflege und Instandhaltung von Arbeitsmitteln
  • Reinigungs- und Aufräumarbeiten
  • Helfen beim Auf- und Abrüsten von Baugerüsten und Schalungen
  • Mischen von Mörtel und Beton
  • Bedienen von einfachen Geräten, z. B. Rüttlern, Kompressoren, Bohrhämmern
  • Anbringen von zugeschnittenen Gipskarton- und Faserplatten, von Dämmplatten einschließlich einfacher Unterkonstruktionen sowie das Auftragen von einfachem Armierungsputz
  • Helfen beim Einrichten, Sichern und Räumen von Baustellen
  • einfache Wartungs- und Pflegearbeiten an Baumaschinen und Geräten
  • manuelle Erdarbeiten
  • manuelles Graben von Rohr- und Kabelgräben
Mindestlohn 2
Fachwerker mit der Entlohnung nach Mindestlohn 2 im Baugewerbe führen allgemein fachlich begrenzte Arbeiten (Teilleistungen eines Berufsbilds oder angelernte Spezialtätigkeiten) nach Anweisung aus. Als Regelqualifikation gilt die baugewerbliche Stufenausbildung in der ersten Stufe. Spezielle Tätigkeitsmerkmale werden aufgeführt im § 5 BRTV-Baugewerbe sowie speziell im Anhang des TV-Mindestlohn vom 29. Januar 2021 mit spezifischen Aussagen von Tätigkeitsbeispielen für:
  • Asphaltierer (Asphaltabdichter, Asphalteur)
  • Baustellen-Magaziner
  • Betonstahlbieger und Betonstahlflechter (Eisenbieger und Eisenflechter)
  • Fertigteilbauer
  • Fuger, Verfuger
  • Gleiswerker
  • Mineur
  • Putzer (Fassadenputzer, Verputzer)
  • Rabitzer
  • Rammer (Pfahlrammer)
  • Rohrleger
  • Schalungsbauer (Einschaler)
  • Schwarzdeckenbauer
  • Betonstraßenwerker
  • Schweißer (Gasschweißer, Lichtbogenschweißer)
  • Terrazzoleger
  • Wasser- und Landschaftsbauer
  • Maschinisten
  • Kraftfahrer
Für die nachfolgend aufgeführten Baugewerbe, die eigenständige Tarifverträge zum Lohn der gewerblichen Arbeitnehmer abschließen, gelten ebenfalls gewerbebezogene Mindestlöhne.

Mindestlohn im Dachdeckerhandwerk

Im Dachdeckerhandwerk gilt ein eigenständiger tariflicher Mindestlohn für gewerbliche Arbeitnehmer mit Unterscheidung nach:
  • Mindestlohn 1 für ungelernte Arbeitnehmer (ohne abgeschlossene Berufsausbildung), maßgebend sind hierfür vorrangig Hilfs- und Vorbereitungstätigkeiten, beispielsweise das Anreichen von Materialien sowie das Ein- und Ausräumen und das Reinigen von Baustellen:
    • seit 1. Januar 2023 bis 31. Dezember 2023 = 13,30 € / Stunde
    • ab 1. Januar 2024 = 13,90 € / Stunde
    • ab 1. Januar 2025 = 14,35 € / Stunde
  • Mindestlohn 2 für gelernte Arbeitnehmer, die überwiegend fachlich qualifizierte Arbeiten ausführen:
    • seit 1. Januar 2023 bis 31. Dezember 2023 = 14,80 € / Stunde
    • ab 1. Januar 2024 = 15,60 € / Stunde
    • ab 1. Januar 2025 = 16,00 € / Stunde
Der Mindestlohn 2 betrifft Facharbeiter, die einen Gesellenbrief im Dachdecker-, Zimmerer- oder Klempnerhandwerk vorweisen können. Arbeitnehmer, die einen gleichgestellten staatlich anerkannten ausländischen Berufsabschluss besitzen oder – unabhängig von ihrer Qualifikation – fachlich qualifizierte Tätigkeiten ausführen, erhalten ebenfalls den Mindestlohn 2.
Gültig sind die Mindestlöhne für alle Betriebe und selbstständigen Betriebsabteilungen, die in den Geltungsbereich des Rahmentarifvertrags für gewerbliche Arbeitnehmer im Dachdeckerhandwerk fallen.
Nicht erfasst werden gewerbliche Arbeitnehmer, die ausschließlich am Betriebssitz als Lagerist beschäftigt sind sowie gewerbliches Reinigungspersonal.

Mindestlohn bei Gerüstbauern

Für das Gerüstbauhandwerk gilt auch ein eigenständiger Branchenmindestlohn.
Der bundeseinheitliche Mindestlohn beträgt:
  • seit 1. Oktober 2023 bis 30. September 2024 = 13,60 € / Stunde
  • ab 1. Oktober 2024 = 13,95 € / Stunde
Als Betrieb ist auch eine selbstständige Betriebsabteilung als Gesamtheit von Arbeitnehmern anzusehen, die außerhalb der stationären Betriebsstätte eines nicht unmittelbar zum Gerüstbauerhandwerks zugehörigen Betriebs Arbeiten des Gerüstbauerhandwerks ausführt.
Einbezogen sind jedoch auch jene Unternehmen, die gewerblich Gerüstmaterial bereitstellen oder gewerblich die Gerüstbau-Logistik übernehmen, beispielsweise die Lagerung, Reparatur, Wartung sowie den Transport von Gerüstmaterial etc.
Das gilt aber nicht für Betriebe und Betriebsabteilungen, die als Betriebe des Baugewerbes durch den BRTV-Baugewerbe erfasst werden, sowie für Betriebe des Dachdeckerhandwerks und / oder Malerhandwerks. Das gilt auch für Betriebe, die ausschließlich Hersteller oder Händler sind.
Der Mindestlohn im Gerüstbauerhandwerk gilt ebenso für Arbeitsverhältnisse zwischen einem Arbeitgeber mit Sitz im Ausland und seinem im Geltungsbereich der Mindestlohnverordnung beschäftigten Arbeitnehmern. Erfasst werden weiterhin auch Zeitarbeitnehmer, wenn sie in einem Einsatzbetrieb Tätigkeiten ausführen, die in den Geltungsbereich der Mindestlohnverordnung fallen. Das ist auch dann maßgebend, wenn der Einsatzbetrieb selbst nicht dem fachlichen Geltungsbereich der Mindestlohnverordnung zugehörig ist.
Demgegenüber ist der Mindestlohn-Gerüstbau nicht für Arbeitnehmer anzuwenden, die "außerhalb" der stationären Betriebsstätte eines nicht unmittelbar dem Gerüstbauerhandwerk zugehörigen Betriebs Arbeiten des Gerüstbauerhandwerks ausführen, wenn deren Arbeitgeber anderweitig tarifvertraglich gebunden ist.
Ausgenommen werden vom Mindestlohn auch Arbeitnehmer, die ausschließlich auf dem Lagerplatz oder stationär im Betrieb beschäftigt sind, sowie Praktikanten.

Mindestlohn im Maler- und Lackiererhandwerk

Die Regelungen zum Mindestlohn für Maler und Lackierer gelten für gewerbliche Arbeitnehmer, die eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit in Betrieben des Geltungsbereiches des Rahmentarifvertrags im Maler- und Lackiererhandwerk ausüben. Sie schließen nicht Fahrzeug- und Metalllackierer ein, die in stationären Werkstätten tätig sind.
Ungelernte Arbeitnehmer im Maler- und Lackiererhandwerk erhalten ab April 2024 13 Euro in der Stunde, gelernte 15 Euro.
Ungelernte Arbeitnehmer im Maler- und Lackiererhandwerk erhalten ab April 2024 13 Euro in der Stunde, gelernte 15 Euro. Bild: © f:data GmbH
Im Maler- und Lackiererhandwerk einigten sich die Tarifvertragsparteien auf folgende Mindestlöhne:
  • Mindestlohn 1 für ungelernte Arbeitnehmer:
    seit 1. April 2023 bis 31. März 2024 = 12,50 € / Stunde
    ab 1. April 2024 = 13,00 € / Stunde
  • Mindestlohn 2 für gelernte Arbeitnehmer (Gesellen):
    seit 1. April 2023 bis 31. März 2024 = 14,50 € / Stunde
    ab 1. April 2024 = 15,00 € / Stunde

Mindestlohn im Elektrohandwerk

Diese Mindestlöhne gelten im Elektrohandwerk:
  • seit 1. Januar 2023 bis 31. Dezember 2023 von 13,40 € / Stunde
  • ab 1. Januar 2024 von 13,95 € / Stunde
Mindestlohn im Elektrohandwerk
Bild: © f:data GmbH
Grundsätzlich gilt der am jeweiligen Arbeitsort gültige tarifliche Mindestlohn. Die Beschäftigten behalten jedoch ihren Anspruch auf die Entgeltbedingungen des Einstellungsortes (Betriebssitz), wenn diese günstiger sind. Ist das vereinbarte Entgelt niedriger, dann haben die Arbeitnehmer Anspruch auf den höheren Mindestlohn des Arbeitsortes für die Dauer ihrer Tätigkeit an diesem Arbeitsort.
Der Anspruch auf das Mindestentgelt besteht nur für die Zeiten der Vollarbeit. In den Zeiten der Arbeitsbereitschaft ist es zulässig, den Anspruch auf die Höhe des jeweils geltenden gesetzlichen Mindestlohns zu begrenzen, soweit nicht andere Vereinbarungen (betrieblich, regional oder einzelvertraglich) günstiger sind. Haben die Arbeitnehmer bei Tätigkeiten außerhalb des Betriebes ggf. auch Anspruch auf einen Aufwendungsersatz (nach § 670 BGB), so darf dadurch keine Minderung des Mindestlohns eintreten bzw. vorgenommen werden.
Der Mindestlohn gilt fachlich für alle Betriebe oder selbstständige Betriebsabteilungen, die mit der handwerksmäßigen Installation, Wartung oder Instandhaltung von elektro- und informationstechnischen Anlagen und Geräten einschließlich elektrischer Antriebe, Leitungen, Kommunikations- und Datennetze sowie mit dem Fahrleitungs-, Freileitungs-, Ortsnetz- und Kabelbau befasst sind.
Persönlich erstreckt sich der Geltungsbereich auf alle Beschäftigten, soweit sie elektro- und informationstechnische Tätigkeiten außerhalb des Betriebes ausüben und nicht nur auf „Monteure“. Ausgenommen sind die Auszubildenden.

Aufzeichnungs- und Dokumentationspflichten beim Mindestlohn

Nach § 19 Abs. 1 AEntG ist das Bauunternehmen als Arbeitgeber verpflichtet, für die gewerblichen Arbeitnehmer den Beginn, das Ende und die Dauer der täglichen Arbeitszeit spätestens bis zum Ablauf des siebten auf den Tag der Arbeitsleistung folgenden Kalendertages aufzuzeichnen. Den Melde- und Aufzeichnungspflichten zum Mindestlohn-Bau sind auch ausländische Arbeitgeber rechtzeitig und vollständig nachzukommen.
Diese Aufzeichnungspflichten zum Mindestlohn-Bau sind bindend und die Aufzeichnungen mindestens zwei Jahre beginnend ab dem für die Aufzeichnung maßgeblichen Zeitpunkt aufzubewahren. Auf Verlangen einer Prüfbehörde sind die Unterlagen auch am Ort der Beschäftigung bereitzustellen, bei Bauleistungen auf der Baustelle.
Weiterhin sind auch die Dokumentationspflichten zum gesetzlichen Mindestlohn in Bezug auf bestimmte Arbeitnehmergruppen und Arbeitsverhältnisse nach der Mindestlohndokumentationspflichtenverordnung – (MiLoDokV) zu beachten. Mit Bezug auf das Mindestlohngesetz bestehen nach § 16 eine spezielle Meldepflicht sowie nach § 17 Pflichten zum Erstellen und Bereithalten von Dokumenten.

Geldbußen für Verstöße beim Mindestlohn

Wird durch das Bauunternehmen gegen die gesetzlichen Anforderungen verstoßen und der Arbeitnehmer nicht mindestens nach dem bauspezifischen Branchenmindestlohn entlohnt, stellt das eine Ordnungswidrigkeit dar. Sie kann mit Geldbußen bis zu 500.000 € belegt werden.
Ggf. kann darüber hinaus eine Straftat des Bauunternehmens vorliegen, wenn neben Verstößen zum Mindestlohn auch noch nicht ordnungsgemäß Beiträge zur Sozialversicherung abgeführt wurden, beispielsweise wegen Wucher und Vorenthalten und Veruntreuen von Lohn als Arbeitsentgelt nach § 266a BGB. Durch die Finanzorgane kann auch noch eine Gewinnabschöpfung in unbestimmter Höhe vorgesehen werden.
Beträgt eine erteilte Geldbuße mindestens 200 € und mehr, dann ist eine Eintragung in das Gewerbezentralregister nach § 149 Abs. 2, Nr. 3 in der Gewerbeordnung sowie mit Bezug auf § 20 Abs. 3 des AEntG vorzunehmen.
Sollten ausländische Arbeitgeber ihren Melde- und Aufzeichnungspflichten zum Mindestlohn-Bau nicht rechtzeitig und vollständig nachkommen, können ihnen Bußgelder bis zu 30.000 € drohen.
Bei einer Geldbuße von wenigstens 2.500 € und mehr wegen Verstoßes zum Mindestlohn können Bauunternehmen nach § 21 Abs. 1 im AEntG bei Bewerbungen um öffentliche Bauaufträge für eine angemessene Zeit bis zur nachgewiesenen Wiederherstellung ihrer Zuverlässigkeit von der Vergabe ausgeschlossen werden. Wie lange dies gelten soll, wird nicht im Detail bestimmt. Vom Bauunternehmen als Arbeitgeber bliebe nachzuweisen, dass ein weiterer Ausschluss nicht mehr gerechtfertigt ist, weil wieder Zuverlässigkeit des Unternehmens vorliegt.
Die Prüfung obliegt den Vergabestellen, die evtl. dafür notwendige Informationen von den Bußgeldbehörden und zugelassenen Präqualifizierungsstellen einholen können. Öffentliche Auftraggeber können bei Aufträgen ab einer Höhe von 30.000 € auch beim Gewerbezentralregister Auskünfte über rechtskräftige Bußgeldentscheidungen wegen einer Ordnungswidrigkeit zum Mindestlohn einholen. Analoge Regelungen greifen auch in den Fällen, wenn Schwarzarbeit nach § 21 im Schwarzarbeitsgesetz vorliegt.

Weiterführende Beiträge

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Bauprofessor-Redaktion
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