Buchhaltung / Rechnungswesen

Rückstellung für Urlaubsansprüche

Liegen zum Jahresende bzw. einem Bilanzstichtag in einem Bauunternehmen noch rückständiger Urlaub sowie bestehende Arbeitszeitguthaben aus der Arbeitszeitflexibilisierung für die Arbeitnehmer vor, dann sind diese Verpflichtungen in der Bilanz rückzustellen und somit als Verbindlichkeit zu passivieren. Das ist bauspezifisch vorrangig dem Umstand geschuldet, dass die Sozialkassen des Baugewerbes diese rückständigen Verpflichtungen zum Sozialaufwand und zum zusätzlichen Urlaubsgeld den Bauunternehmen nicht erstattet.
Der zu passivierende Betrag lässt sich bestimmen aus dem noch ausstehenden Urlaub im Baugewerbe (restliche Urlaubstage), den jeweiligen Lohnkosten je Arbeitstag bzw. Gehaltskosten im Baugewerbe sowie dem darauf zu beziehenden Ansatz v. H. für den Sozialaufwand. Zu berücksichtigen sind beim Sozialaufwand die für rückständigen Urlaub jeweils zum 31. Dezember als Bilanzstichtag bestehenden Wertverhältnisse.
Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2019 sind schließlich für die Rückstellung des noch rückständigen Urlaubs der gewerblichen Arbeitnehmer in der Steuerbilanz zum 31.12.2019 folgende Beiträge und Umlagen zugrunde zu legen:
Arbeitgeberanteile zur gesetzlichen Sozialversicherungalte Bundesländerneue BundesländerSachsen
Rentenversicherung9,300 v. H.9,300 v. H.9,300 v. H.
Krankenversicherung (Bundesdurchschnitt)7,750 v. H.7,750 v. H.7,750 v. H.
U2-Verfahren (Bundesdurchschnitt)0,390 v. H.0,390 v. H.0,390 v. H.
Insolvenzgeld0,060 v. H.0,060 v. H.0,060 v. H.
Pflegeversicherung 1,525 v. H.1,525 v. H.1,025 v. H.
Arbeitslosenversicherung1,250 v. H.1,250 v. H.1,250 v. H.
Beitrag an die Sozialkassen des Baugewerbes20,80 v. H.18,80 v. H.18,80 v. H.
Winterbeschäftigungsumlage1,20 v. H.1,20 v. H.1,20 v. H.
Zwischensumme42,275 v. H40,275 v. H.39,775 v. H.
Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft)6,44 v. H.6,44 v. H.6,44 v. H.
gesamter Sozialaufwand48,715 v. H.46,715 v. H.46,215 v.H.
Die Beitragshöhe der Unfallversicherung richtet sich nach dem betriebsindividuellen Risiko - je nach Tätigkeiten und den Gefahrenklassen der Beschäftigten - und ist zum gesamten Sozialaufwand hinzuzurechnen. Der angesetzte Vorschusssatz von 6,44 v. H. berücksichtigt die Hauptumlage, die Lastenverteilung nach Neurenten und Entgelten, sowie eine durchschnittliche Gefahrenklasse der gewerblichen Arbeitnehmer (Hoch-, Brücken-, Tunnel- und Gerüstbau) von 15,12 (als Vorausbescheid der Berufsgenossenschaft - BG Bau).
Für am Bilanzstichtag noch rückständigen Urlaub der Angestellten und Poliere ist in dem Ausweis der Verbindlichkeit ebenfalls der Sozialaufwand aus rückständigem Urlaub einzubeziehen, sofern die Betreffenden nicht von der Sozialversicherung befreit sind bzw. nicht oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze zur Sozialversicherung liegen.
Für den Ansatz zum Sozialaufwand bei rückständigen Urlaub zum 31.12.2019 können für die Poliere (sowohl für tatsächliche als auch aufsichtführende Poliere) analog die Werte bzw. Sätze der Sozialversicherung (mit reduziertem Ansatz bei Krankenversicherung in Höhe von 7,05 v. H.) und Unfallversicherung wie bei den gewerblichen Arbeitnehmern herangezogen werden, jedoch ohne Beiträge an die Sozialkassen und ohne dem Ansatz für Winterbeschäftigungsumlage. Danach bestimmt sich ein Ansatz zu Sozialaufwand für Poliere zum 31.12.2019 in Höhe von 26,015 v. H. in alten und neuen Bundesländern sowie in Sachsen von 25,515 v. H.
Für den Sozialaufwand bei rückständigem Urlaub der Angestellten können die Ansetzungen als Grundlage dienen, die zur Ermittlung von Zuschlagsätzen für Gehaltsnebenkosten für das Jahr 2019 vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie angesetzt wurden. Daraus leiten sich als Ansätze für Angestellte ab in Höhe von 20,100 v. H. in alten Bundesländern und von 18,91 v. H. in neuen Bundesländern sowie in Sachsen von 18,51 v. H.
Berücksichtigt wurde bei der Unfallversicherung ein Ansatz ohne jegliche Baustellenbesuche (Gefahrenklasse 0,44) in Höhe von 0,42 %. Bei Angestellten, die auf Baustellen tätig sind oder diese auch nur gelegentlich aufsuchen, ist ggf. ein Ansatz von 6,44 % (differenziert nach Bezirksverwaltungen und einzelnen Gewerken) wie bei Polieren zu berücksichtigen.
Bestehen zum Jahresende bzw. Bilanzstichtag auch Arbeitszeitguthaben, so sind diese ebenfalls zu passivieren. In den Rückstellungsbetrag ist auch der oben ausgewiesene Sozialaufwand aus bestehenden Arbeitszeitguthaben mit einzubeziehen.
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