Buchhaltung / Rechnungswesen

Rückstellung für Urlaubsansprüche

Liegen im Bauunternehmen zum Jahresende bzw. an einem Bilanzstichtag noch rückständiger Urlaub sowie bestehende Arbeitszeitguthaben aus der Arbeitszeitflexibilisierung für die Arbeitnehmer vor, dann sind diese Verpflichtungen als Verbindlichkeit zu passivieren und in der Steuerbilanz auszuweisen. Das ist bauspezifisch vorrangig dem Umstand geschuldet, dass die Sozialkassen des Baugewerbes den Bauunternehmen diese rückständigen Verpflichtungen zum Sozialaufwand und zum zusätzlichen Urlaubsgeld nicht erstatten.
Die Rückstellung ist der Höhe nach begrenzt durch den vom Arbeitgeber zu tragenden Sozialaufwand. Der zu passivierende Betrag lässt sich bestimmen aus dem noch ausstehenden Urlaub im Baugewerbe (restliche Urlaubstage), den jeweiligen Lohnkosten je Arbeitstag bzw. Gehaltskosten im Baugewerbe sowie dem darauf zu beziehenden Ansatz v. H. für den Sozialaufwand. Zu berücksichtigen sind beim Sozialaufwand die für rückständigen Urlaub jeweils zum 31. Dezember als Bilanzstichtag bestehenden Wertverhältnisse.
Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2020 sind für die Rückstellung des noch rückständigen Urlaubs der gewerblichen Arbeitnehmer im Bauhauptgewerbe (bzw. Betrieben im Geltungsbereich des BRTV-Baugewerbe) in der Steuerbilanz zum 31. Dezember 2020 folgende Beiträge und Umlagen zugrunde zu legen:
Arbeitgeberanteile zur gesetzlichen Sozialversicherungalte Bundesländerneue BundesländerSachsen
Rentenversicherung9,300 v. H.9,300 v. H.9,300 v. H.
Krankenversicherung (Bundesdurchschnitt)7,850 v. H.7,850 v. H.7,850 v. H.
U2-Verfahren (Bundesdurchschnitt)0,390 v. H.0,390 v. H.0,390 v. H.
Insolvenzgeld0,060 v. H.0,060 v. H.0,060 v. H.
Pflegeversicherung 1,525 v. H.1,525 v. H.1,025 v. H.
Arbeitslosenversicherung1,250 v. H.1,250 v. H.1,250 v. H.
Beitrag an die Sozialkassen des Baugewerbes20,80 v. H.18,80 v. H.18,80 v. H.
Winterbeschäftigungsumlage1,20 v. H.1,20 v. H.1,20 v. H.
Zwischensumme42,375 v. H40,375 v. H.39,875 v. H.
Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft)5,39 v. H.5,39 v. H.5,39 v. H.
gesamter Sozialaufwand47,765 v. H.47,765 v. H.45,265 v. H.
Die Beitragshöhe der Unfallversicherung richtet sich nach dem betriebsindividuellen Risiko - je nach Tätigkeiten und den Gefahrenklassen der Beschäftigten - und ist zum gesamten Sozialaufwand hinzuzurechnen. Der angesetzte Vorschusssatz von 5,39 v. H. berücksichtigt die Hauptumlage, die Lastenverteilung nach Neurenten und Entgelten sowie eine durchschnittliche Gefahrenklasse der gewerblichen Arbeitnehmer (Hoch-, Brücken-, Tunnel- und Gerüstbau) von 12,58 (als Vorausbescheid der Berufsgenossenschaft - BG Bau).
Für am Bilanzstichtag noch rückständigen Urlaub der Angestellten und Poliere im Bauhauptgewerbe ist in den Ausweis der Verbindlichkeit ebenfalls der Sozialaufwand aus rückständigem Urlaub einzubeziehen, sofern die Betreffenden nicht von der Sozialversicherung befreit sind bzw. nicht die Beitragsbemessungsgrenze zur Sozialversicherung überschreiten.
Für den Ansatz zum Sozialaufwand bei rückständigem Urlaub zum 31. Dezember 2020 können für die Poliere (sowohl für tatsächliche als auch aufsichtführende Poliere) analog die Werte bzw. Sätze der Sozialversicherung (mit reduziertem Ansatz bei Krankenversicherung in Höhe von 7,05 v. H.) und Unfallversicherung wie bei den gewerblichen Arbeitnehmern herangezogen werden, jedoch ohne Beiträge an die Sozialkassen und ohne einen Ansatz für Winterbeschäftigungsumlage. Danach bestimmt sich ein Ansatz zu Sozialaufwand für Poliere zum 31.12.2020 in Höhe von 24,965 v. H. in Deutschland-West und Ost sowie spezifisch in Sachsen von 24,465 v. H.
Für den Sozialaufwand bei rückständigem Urlaub der Angestellten können die Ansetzungen als Grundlage dienen, die zur Ermittlung von Zuschlagsätzen für Gehaltsnebenkosten für das Jahr 2020 (Stand: Juli) vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie angesetzt wurden. Daraus leiten sich die Ansätze für Angestellte ab, in Deutschland-West in Höhe von 20,72 v. H., in Deutschland-Ost in Höhe von 20,09 v. H. Berücksichtigt wurde dabei für die Unfallversicherung ein Ansatz ohne jegliche Baustellenbesuche (Gefahrenklasse 0,44) in Höhe von 0,39 %. Bei Angestellten, die auf Baustellen tätig sind oder diese auch nur gelegentlich aufsuchen, ist ggf. ein Ansatz von 5,39 % (differenziert nach Bezirksverwaltungen und einzelnen Gewerken) wie bei Polieren zu berücksichtigen.
Bestehen zum Jahresende bzw. Bilanzstichtag auch Arbeitszeitguthaben, so sind diese ebenfalls zu passivieren. In den Rückstellungsbetrag ist auch der oben ausgewiesene Sozialaufwand aus bestehenden Arbeitszeitguthaben mit einzubeziehen.
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