Baukalkulation / Angebot / Nachträge

Lohnzusatzkosten

Die Lohnzusatzkosten, auch als Sozialkosten sowie im engeren Sinne als lohngebundene Kosten bezeichnet, sind ein bedeutender Anteil der Lohnkosten, die für gewerbliche Arbeitnehmer bei der Herstellung von Bauleistungen anfallen und vom Bauunternehmen als Arbeitgeber zu tragen sind.
Die Lohnzusatzkosten umfassen:
  • Lohnzusatzkosten aus gesetzlichen Regelungen und tariflichen Vereinbarungen, wie die Bezahlung von Ausfalltagen für Schlechtwetter, wegen Kurzarbeit, Krankheitstagen, Feiertagen, Urlaubstagen sowie für ein 13. Monatseinkommen,
  • Lohnzusatzkosten aus Beiträgen (Arbeitgeberanteilen) für Renten-, Kranken-, Arbeitslosen-, Pflege- und Unfallversicherung sowie von Beiträgen zu Berufsverbänden,
  • Lohnzusatzkosten aus Umlagen für die Sozialkassen der Bauwirtschaft wie an die SOKA-Bau, SOKA-Gerüstbaugewerbe, Malerkasse u. a., weiterhin für Winterbeschäftigungs-Umlage, Insolvenzgeld, U2-Verfahren, Schwerbehindertenausgleich, Arbeitsmedizinischer Dienst, Arbeitsschutz und -sicherheit;
  • Lohnzusatzkosten aus freiwilligen Verpflichtungen, z. B. zusätzliche Altersversorgung, Weihnachtsgeld, Zuwendungen für Betriebszugehörigkeit u. a.
Die Lohnzusatzkosten sind innerhalb des Kalkulationslohns zu berücksichtigen und folglich mit im Baupreis zum Angebot zu kalkulieren. Dafür werden sie zusammengefasst mit einem Zuschlagsatz zur Basis Mittellohn vorbestimmt, beispielsweise nach den Musterberechnungen des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB) für das Bauhauptgewerbe die folgenden Sätze zum Stand Juli 2020 für die unterschiedlichen Tarifgebiete nach Ostdeutschland und Westdeutschland:
TarifgebietJuli 2020 im Durchschnitt ehemals März 2019
in Ostdeutschland75,65 %78,18 %
speziell für Sachsen75,01 %77,52 %
in Westdeutschland83,33 %87,07 %
Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind ebenfalls begründet im unterschiedlich hohen tariflichen Lohnniveau, zum 13. Monatseinkommen im Baugewerbe und der Zusatzversorgung für Bauarbeiter in den alten Bundesländern.
Gegenüber dem Vorjahr liegen für 2020 bei den Zuschlägen für Lohnzusatzkosten niedrigere Sätze in beiden Tarifgebieten vor. Den Berechnungen liegen vorrangig folgende Faktoren bzw. Veränderungen gegenüber dem Vorjahr zugrunde:
  • Löhne zum Tarifstand (April 2020) in West- und Ost nach TV-Lohn/West und Ost,
  • 2020 nach Kalender 4 tatsächliche Arbeitstage mehr bzw. weniger Ausfalltage,
  • Berücksichtigung der veränderten Beitragsbemessungsgrenzen zur Sozialversicherung,
  • anteiliger Beitrag zum 13. Monatseinkommen auch im Tarifgebiet Ost ab 2020 und höherer Anteil für Zusatzversorgung,
  • Absenkung des Beitragssatzes zur Arbeitslosenversicherung,
  • niedrigerer Umlagesatz zur Unfallversicherung,
  • Anpassungen geringfügig niedriger zu den Ansätzen für Arbeitsschutz und -sicherheit und Arbeitsmedizinischen Dienst (ADD),
  • Ausweis für Sachsen niedriger wegen geringerem Anteil zur Pflegeversicherung.
Für 2020 werden weiterhin keine lohnbezogenen Kosten (letzter Ansatz in 2015 von 2,1 % für Haftpflichtversicherung und Beiträge zu den Verbänden) mehr im Zuschlagsatz der Lohnzusatzkosten berücksichtigt, da sie meistens in den Bauunternehmen im betrieblichen Rechnungswesen in den Gemeinkosten erfasst und ausgewiesen sowie bei der Angebotskalkulation mit in den vorbestimmten Zuschlägen der Allgemeinen Geschäftskosten (AGK) bzw. gemeinkostenbezogenen Umlagen berücksichtigt werden.
Letzter Aspekt hatte zur Folge, dass in den ergänzenden Formblättern Preise (EFB-Preis) 221 und 222 nach Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2017- Stand 2019) die Zeile 1.2 anstelle alt = Lohnzusatzkosten neu als lohngebundene Kosten bezeichnet wird, da mit dem Ausklammern der lohnbezogenen Kosten die lohngebundenen Kosten mit den Lohnzusatzkosten gleichzusetzen sind.
Unter „ Kalkulationshilfen “ können die Schemata für eine betriebsindividuelle Ermittlung aufgerufen werden und zwar für Berechnungen der Lohnzusatzkosten der gewerblichen Arbeitnehmer getrennt nach den Tarifbereichen Ost und West in Deutschland. Bei den betriebsindividuellen Berechnungen können die tatsächlichen Arbeitstage im Jahr betriebsbezogen berücksichtigt werden. Weiterhin lassen sich auch Zuschlagsätze mit und ohne Umlage für ULAK (Urlaubs- und Lohnausgleichskasse) an die Sozialkassen bestimmen.
Mindestens zu Beginn eines Geschäftsjahres und ggf. jeweils bei lohntariflichen Veränderungen sollten die Zuschlagsätze überprüft und gemäß den Realitäten korrigiert werden. Als Grundlage für die Überprüfung kann das Berechnungsschema der Musterrechnung unter „ Kalkulationshilfen “ herangezogen werden.
Zu berücksichtigen bleibt, dass den Musterrechnungen Durchschnittswerte zugrunde liegen, soweit nicht gesetzliche und/oder tarifliche Vorgaben heranzuziehen sind. Aufgrund der jeweiligen betrieblichen Bedingungen wird ein betriebsindividueller Zuschlagsatz in den Bauunternehmen des Bauhauptgewerbes vom exemplarischen Durchschnittssatz der Musterrechnung abweichen. Oft wird der betriebsindividuelle Zuschlagsatz aufgrund der jeweiligen betrieblichen Bedingungen nicht so hoch wie der Durchschnittssatz sein. In vielen Bauunternehmen liegt er um ca. 2 - 5 % niedriger.
Das Sozialkassenverfahren ist für alle Bauunternehmen verbindlich, für die der Tarifvertrag über das Sozialkassenverfahren im Baugewerbe gültig ist. Dem Grunde nach sind das alle jene Bauunternehmen, für deren gewerbliche Arbeitnehmer auch der Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe (BRTV-Baugewerbe) allgemein verbindlich ist. Nicht einbezogen sind jedoch eine Reihe von Baugewerken wie das Dachdecker-, Gerüstbau-, Glaser-, Maler-, Parkettleger-, Schreiner-, Klempner und Steinmetzhandwerk, weiterhin das Beton- und Terrazzowaren herstellende Gewerbe, die Nassbaggerei und Säurebauindustrie. In Unternehmen dieser Gewerbe gelten teils spezielle Verfahren und Beitragssätze für Sozialkassen bzw. werden teils Urlaubsentgelte direkt an die betreffenden Arbeitnehmer gezahlt und nicht über das Umlageverfahren.
Folglich sind dann auch die – auf die Soziallöhne zu beziehenden Anteile – geringer als in Unternehmen mit SOKA (ULAK) - Umlage. In den unter Kalkulationshilfen aufrufbaren Berechnungsformularen werden 2 Spalten ausgewiesen, und zwar für die Ermittlungen mit und ohne ULAK -Umlage. Damit können unterschiedliche Berechnungen betriebsindividuell erfolgen.
Die Zuschlagsätze für die Lohnzusatzkosten mit und ohne ULAK werden unterschiedlich hoch sein. Vergleichbar ist einzuschätzen, dass Zuschlagsätze ohne SOKAULAK ca. 3 bis 7 % niedriger in Bauunternehmen in Ostdeutschland und 6 bis 10 % niedriger in Westdeutschland sein werden.
Copyright bauprofessor.de Lexikon
Herausgeber: f:data GmbH Weimar und Dresden
Die Inhalte dieser Begriffserläuterung und der zugehörigen Beispiele sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetztes ist ohne Zustimmung der f:data GmbH unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigung, Übersetzung, Mikroverfilmung und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Alle in diesem Werk enthaltenen Angaben, Ergebnisse usw. wurden von den Autoren nach bestem Wissen erstellt. Sie erfolgen ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie der f:data GmbH. Sie übernimmt deshalb keinerlei Verantwortung und Haftung für etwa vorhandene Unrichtigkeiten.
Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürfen.

Verwandte Fachbegriffe

13. Monatseinkommen als Lohnzusatzkosten
Betriebswirtschaftlich ist das Dreizehnte Monatseinkommen im Baugewerbe Bestandteil der Soziallöhne. Soweit es an gewerbliche Arbeitnehmer zu zahlen ist, wird es in den Lohnzusatzkosten im Rahmen der Bestimmung des Kalkulationslohns mit in den Baupre...
Pflegeversicherung
Die Pflegeversicherung ist ein eigenständiger Zweig der Sozialversicherung in Deutschland. Sie wurde 1995 als Pflichtversicherung eingeführt und soll das Risiko der Pflegebedürftigkeit absichern.Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung wird vom Gesetz...
Rentenversicherung
Die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) ist eine Alterssicherung für die abhängig Beschäftigten im Bauunternehmen, ein Zweig innerhalb des Systems der Sozialversicherung, insbesondere auf Grundlage des Sechsten Buches des Sozialgesetzbuches (SGB) VI...
Gefahrklassen (Bau) zur Unfallversicherung
Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für Bauunternehmen und baunahe Dienstleistungen ist die BG Bau als Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft. Die Unternehmen als Mitglieder der BG Bau haben einen Beitrag an die BG Bau zu leisten. Grundlage fü...
Soziallöhne
Die Soziallöhne umfassen die gesetzlich sowie tariflich bedingten Lohnzahlungen ohne adäquate Arbeitsleistung für die gewerblichen Arbeitnehmer im Bauunternehmen.Dabei handelt es sich im Einzelnen beispielsweise um Lohnzahlungen für Tage wie: Feierta...
Eigenleistung je Arbeitsstunde
Im Allgemeinen werden jene Bauleistungen als Eigenleistungen bezeichnet, die vom anbietenden Bauunternehmen auch mit eigenen Kapazitäten ausgeführt werden. Rechnerisch bestimmt sich die Eigenleistung nach Abzug der von Nachunternehmern ausgeführten L...
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, verwenden wir Cookies. Einige dieser Cookies sind erforderlich für den reibungslosen Ablauf dieser Website, andere helfen uns, Inhalte auf Sie zugeschnitten anzubieten. Wenn Sie auf „ Ich akzeptiere“ klicken, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Individuelle Cookie-Einstellungen Ich akzeptiere