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Lohnzusatzkosten

Die Lohnzusatzkosten, auch als Sozialkosten sowie im engeren Sinne als lohngebundene Kosten bezeichnet, sind ein bedeutender Anteil der Lohnkosten, die für gewerbliche Arbeitnehmer bei der Herstellung von Bauleistungen anfallen und vom Bauunternehmen als Arbeitgeber zu tragen sind.

Bestandteile der Lohnzusatzkosten

Als Lohnzusatzkosten werden allgemein erfasst:

Zuschläge für Lohnzusatzkosten im Bauhauptgewerbe

Die Lohnzusatzkosten werden im Baugewerbe zusammengefasst mit einem Zuschlagssatz zur Basis durchschnittlicher Grundlöhne der gewerblichen Arbeitnehmer im Bauunternehmen eines Jahres oder mit Bezug auf eine Arbeitsstunde bestimmt.
Zuschlagssätze liefern für das Bauhauptgewerbe vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) aufbereitete Musterberechnungen als Durchschnittswerte für die unterschiedlichen Tarifgebiete nach Ostdeutschland und Westdeutschland.
Sie weisen zum Stand: Juli 2022 mit Vergleich zum Vorjahr folgende Sätze aus:
TarifgebietJuli 2022 im Durchschnitt vorher Juli 2021
in Ostdeutschland81,02 %76,72 %
speziell für Sachsen80,38 %76,13 %
in Westdeutschland85,44 %82,79 %
Gegenüber dem Vorjahr liegen im Bauhauptgewerbe zu den Lohnzusatzkosten zum Stand: Juli 2022 höhere Zuschläge in beiden Tarifgebieten vor. Sie waren in den letzten 2 Jahrzehnten auch jahresbezogen unterschiedlich hoch, beispielsweise betrugen sie:
  • 2012 in Ostdeutschland 77,95 % und in Westdeutschland 88,04 %,
  • 2003 in Ostdeutschland 85,29 % und Westdeutschland 96,22 %.
Unterschiede im Bauhauptgewerbe zwischen Ost- und Westdeutschland sind weiterhin noch begründet im unterschiedlich hohen tariflichen Lohnniveau, zum 13. Monatseinkommen und der Zusatzversorgung für gewerbliche Bauarbeiter.

Veränderungen gegenüber dem Vorjahr

Den Musterberechnungen zum Bauhauptgewerbe liegen vorrangig folgende Faktoren bzw. Veränderungen gegenüber dem Vorjahr zugrunde:
  • höhere Tariflöhne seit 1. April 2022 in den Tarifgebieten West, Ost und Berlin nach den Tarifverträgen TV-Lohn vom 5. November 2021,
  • Gewährung einer Wegstreckenentschädigung (WE) mit einem pauschalen Zuschlag von 0,5 % des Tarifstundenlohns noch bis 31. Dezember 2022, ausgewiesen unter Tz. 2.2.2.5 in den Musterberechnungen,
  • Berücksichtigung der veränderten Beitragsbemessungsgrenzen zur Sozialversicherung, einschließlich eines durchschnittlichen Zusatzbeitrags der Krankenkassen zur Krankenversicherung,
  • anteiliger Beitrag zum 13. Monatseinkommen im Baugewerbe auch im Tarifgebiet Ost seit 2020 und höhere Beiträge für die Zusatzversorgung im Rahmen der Sozialkassenbeiträge,
  • Ansatz des Tarifsatzes bei der Unfallversicherung nach Tarifstelle 100 – Bauwerksbau,
  • in 2022 nach Kalender vier tatsächliche Arbeitstage weniger und entsprechend mehr Ausfalltage.
Für 2022 werden weiterhin keine lohnbezogenen Kosten (letzter Ansatz in 2015 von 2,1 % für Haftpflichtversicherung und Beiträge zu den Verbänden) mehr im Zuschlagssatz der Lohnzusatzkosten berücksichtigt. Sie werden meistens in den Bauunternehmen im betrieblichen Rechnungswesen in den Gemeinkosten erfasst und ausgewiesen sowie bei der Angebotskalkulation mit in den vorbestimmten Zuschlägen der Allgemeinen Geschäftskosten (AGK) bzw. gemeinkostenbezogenen Umlagen berücksichtigt.

Lohnzusatzkosten in der Kalkulation

Die Lohnzusatzkosten sind bei der Angebotskalkulation innerhalb des Kalkulationslohns mit dem Zuschlag zu berücksichtigen und folglich mit im Baupreis zum Angebot zu kalkulieren. In den einheitlichen Formblättern Preise (EFB- Preis) sind sie zusammengefasst mit einem Zuschlagssatz in % und einem absoluten Betrag je Arbeitsstunde in Zeile 1.2 der Formblätter 221 und 222 nach Vergabehandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2017, Stand 2019) auszuweisen, und zwar unter der Bezeichnung „lohngebundene Kosten“. Mit dem Ausklammern der o. a. lohnbezogenen Kosten aus den Lohnzusatzkosten verbleiben die lohngebundenen Kosten und sind nicht mehr vollinhaltlich mit den Lohnzusatzkosten gleichzusetzen. Als Basis dient für die Zurechnung in den EFB-Preisblättern die Zeile 1.1 mit dem je Bauauftrag ausgewiesenen Mittellohn je Arbeitsstunde.

Betriebsindividuelle Ermittlung und Prüfung

Weiterhin bleibt zu berücksichtigen, dass den Musterberechnungen Durchschnittswerte zugrunde liegen, soweit nicht gesetzliche und/oder tarifliche Vorgaben heranzuziehen sind. Aufgrund der jeweiligen betrieblichen Bedingungen wird ein betriebsindividueller Zuschlagssatz in den Bauunternehmen des Bauhauptgewerbes vom exemplarischen Durchschnittssatz der Musterrechnung abweichen. Oft wird der betriebsindividuelle Zuschlagssatz aufgrund der jeweiligen betrieblichen Bedingungen nicht so hoch wie der Durchschnittssatz sein. In vielen Bauunternehmen liegt er um ca. 2 - 5 % niedriger.
Daraus folgernd sollten die betrieblich anzusetzenden Zuschlagssätze mindestens zu Beginn eines Geschäftsjahres und ggf. jeweils bei lohntariflichen Veränderungen überprüft und gemäß den Realitäten korrigiert werden.

Nutzung der Kalkulationshilfen

Als Grundlage für die Überprüfung kann das Berechnungsschema der Musterberechnung unter "Kalkulationshilfen" im Bauprofessor herangezogen werden. Die Musterberechnungen sind auch in der Baukalkulationssoft- und Dataware nextbau aufrufbar und können betriebsindividuell ausgeführt werden.
Die "Kalkulationshilfen" liefern Schemata für betriebsindividuelle Berechnungen für Zuschlagssätze zu den Lohnzusatzkosten der gewerblichen Arbeitnehmer. Möglich ist der Aufruf für eine getrennte Berechnung nach den Tarifgebieten Ost und West in Deutschland. Dabei können für die betriebsindividuellen Berechnungen die tatsächlichen Arbeitstage im Jahr betriebsbezogen berücksichtigt werden. Weiterhin lassen sich auch Zuschlagssätze mit und ohne Umlage für ULAK (Urlaubs- und Lohnausgleichskasse) an die Sozialkassen bestimmen.

Lohnzusatzkosten in weiteren Baugewerken

Neben Unternehmen des Bauhauptgewerbes im Geltungsbereich des Bundesrahmentarifvertrags für das Baugewerbe (BRTV-Baugewerbe) gelten für weitere Gewerke eigenständige Tarifverträge für gewerbliche Arbeitnehmer, beispielsweise für das Dachdecker-, Gerüstbau-, Glaser-, Maler-, Parkettleger-, Schreiner-, Klempner- und Steinmetzhandwerk, weiterhin das Beton und Terrazzowaren herstellende Gewerbe, die Nassbaggerei und Säurebauindustrie. Das gilt gleichermaßen teils für eigenständige Tarifverträge zu Mindestlöhnen und eigenständigen Sozialkassen wie die SOKA-Dachdecker, Malerkasse u. a.
In diesen Gewerben leiten sich dann auch unterschiedlich hohe und ggf. vom Bauhauptgewerbe abweichende Zuschlagssätze für die Lohnzusatzkosten nach den tariflichen Löhnen in 2022 einschließlich aus veränderten Branchen- und gesetzlichen Mindestlöhnen sowie differenzierten Beitragssätzen für die Sozialkassen ab. In einigen Gewerken werden Urlaubsentgelte direkt an die betreffenden Arbeitnehmer gezahlt und nicht über das Umlageverfahren der Sozialkassen. Folglich sind dann auch die – auf die Soziallöhne zu beziehenden Anteile – geringer als in Unternehmen mit einer Umlage im Bauhauptgewerbe an die SOKA-Bau.
In den unter Kalkulationshilfen aufrufbaren Berechnungsformularen werden dafür 2 Spalten ausgewiesen, und zwar für die Ermittlungen mit und ohne ULAK-Umlage. Damit können unterschiedliche Berechnungen betriebsindividuell erfolgen. Die Zuschlagssätze für die Lohnzusatzkosten mit und ohne ULAK werden unterschiedlich hoch sein.
Vergleichbar ist einzuschätzen, dass Zuschlagssätze ohne SOKA-Bau (ULAK) ca. 2 bis 5 % niedriger in Bauunternehmen in Ostdeutschland und 5 bis 8 % niedriger in Westdeutschland sein könnten.
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