Baukalkulation / Angebot / Nachträge

Lohnzusatzkosten

Die Lohnzusatzkosten, auch als Sozialkosten sowie im engeren Sinne als lohngebundene Kosten bezeichnet, sind ein bedeutender Anteil der Lohnkosten, die für gewerbliche Arbeitnehmer bei der Herstellung von Bauleistungen anfallen und vom Bauunternehmen als Arbeitgeber zu tragen sind.
Die Lohnzusatzkosten umfassen:
  • Lohnzusatzkosten aus gesetzlichen Regelungen und tariflichen Vereinbarungen, wie die Bezahlung von Ausfalltagen für Schlechtwetter, wegen Kurzarbeit, Krankheitstagen, Feiertagen, Urlaubstagen;
  • Lohnzusatzkosten aus Beiträgen (Arbeitgeberanteilen) für Renten-, Kranken-, Arbeitslosen-, Pflege- und Unfallversicherung sowie von Beiträgen zu Berufsverbänden und aus Umlagen für die Sozialkassen der Bauwirtschaft wie an die SOKA-Bau, Winterbauumlage, Insolvenzgeld, Schwerbehindertenausgleich, Arbeitsmedizinischer Dienst, Arbeitsschutz und -sicherheit;
  • Lohnzusatzkosten aus freiwilligen Verpflichtungen, z. B. zusätzliche Altersversorgung, Weihnachtsgeld, Zuwendungen für Betriebszugehörigkeit u. a.
Die Lohnzusatzkosten innerhalb des Kalkulationslohns berücksichtigt und folglich mit im Baupreis zum Angebot kalkuliert. Dafür werden sie zusammengefasst mit einem Zuschlagsatz zur Basis Mittellohn vorbestimmt, beispielsweise nach den Musterberechnungen des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB) für das Bauhauptgewerbe die folgenden Sätzen zum Stand: 1. März 2019 für die unterschiedlichen Tarifgebiete nach Ostdeutschland und Westdeutschland:
Tarifgebietab 1. März 2019
im Durchschnitt
ehemals 2018
in Ostdeutschland78,18 %75,56 %
speziell für Sachsen77,52 %74,90 %
in Westdeutschland87,07 %85,15 %
Den Berechnungen liegen vorrangig folgende Veränderungen bzw. Faktoren zugrunde:
  • Löhne zum aktuellen Tarifstand in West- und Ost nach TV-Lohn/West und Ost,
  • Berücksichtigung der veränderten Beitragsbemessungsgrenzen zur Sozialversicherung und ab 2019 wieder die paritätische Finanzierung des Zusatzbeitrags zur Krankenversicherung,
  • Erhöhung des Beitragssatzes zur Pflegeversicherung,
  • Absenkung des Beitragssatzes zur Arbeitslosenversicherung,
  • Anpassungen geringfügig zu den Ansätzen für Arbeitsschutz und -sicherheit und zum Schwerbehindertenausgleich,
  • Erhöhung der Beitragssätze zur SOKA-Bau für das Bauhauptgewerbe in Ost um 1,6 % sowie in West um 0,4 % gegenüber dem Vorjahr, vorrangig infolge der Nachholung des Wiedereinstiegs zum zusätzlichen Urlaubsgeld (von 25 %).
Für 2019 werden weiterhin keine lohnbezogenen Kosten (letzter Ansatz in 2015 von 2,1 % für Haftpflichtversicherung und Beiträge zu den Verbänden) mehr im Zuschlagsatz der Lohnzusatzkosten berücksichtigt, da sie meistens in den Bauunternehmen im betrieblichen Rechnungswesen in den Gemeinkosten erfasst und ausgewiesen sowie bei der Angebotskalkulation mit in den vorbestimmten Zuschlägen der Allgemeinen Geschäftskosten (AGK) bzw. gemeinkostenbezogenen Umlagen berücksichtigt werden.
Letzter Aspekt hatte zur Folge, dass in den ergänzenden Formblättern Preise (EFB-Preis) 221 und 222 nach Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2017) die Zeile 1.2 umbenannt wurde von alt = Lohnzusatzkosten in neu = lohngebundene Kosten, da mit dem Ausklammern der lohnbezogenen Kosten die lohngebundenen Kosten mit den Lohnzusatzkosten gleichzusetzen sind.
Mindestens zu Beginn eines Geschäftsjahres und ggf. jeweils bei lohntariflichen Veränderungen sollten die Zuschlagsätze überprüft und gemäß den Realitäten korrigiert werden. Als Grundlage für die Überprüfung kann das Berechnungsschema der Musterrechnung vom HDB herangezogen werden. Zu berücksichtigen bleibt, dass den Musterrechnungen Durchschnittswerte zugrunde liegen, soweit nicht gesetzliche und/oder tarifliche Vorgaben heranzuziehen sind. Ein betriebsindividueller Zuschlagsatz aufgrund der jeweiligen betrieblichen Bedingungen wird jedoch oft nicht so hoch wie der exemplarische Durchschnittssatz sein.
Aufgrund der jeweiligen betrieblichen Bedingungen wird ein betriebsindividueller Zuschlagsatz in den Bauunternehmen des Bauhauptgewerbes keinesfalls so hoch wie der exemplarische Durchschnittssatz der Musterrechnung sein, in vielen Bauunternehmen liegt er um ca. 2 - 5 % niedriger. Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind ebenfalls begründet im unterschiedlich hohen tariflichen Lohnniveau und z. B. dem 13. Monatseinkommen im Baugewerbe und der Zusatzversorgung für Bauarbeiter in den alten Bundesländern.
Unter Downloads kann das Schema für eine betriebsindividuelle Ermittlung aufgerufen werden und zwar für Berechnungen der Lohnzusatzkosten der gewerblichen Arbeitnehmer getrennt nach den Tarifbereichen Ost und West in Deutschland. Bei den betriebsindividuellen Berechnungen können die tatsächlichen Arbeitstage des betreffenden Jahres betriebsbezogen berücksichtigt werden. Weiterhin lassen sich auch Zuschlagsätze mit und ohne Umlage für ULAK (Urlaubs- und Lohnausgleichskasse) an die Sozialkassen bestimmen.
Das Sozialkassenverfahren ist für alle Bauunternehmen verbindlich, für die der Tarifvertrag über das Sozialkassenverfahren (VTV) gültig ist. Dem Grunde nach sind das alle jene Bauunternehmen, für deren gewerbliche Arbeitnehmer auch der Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe (BRTV-Baugewerbe) allgemein verbindlich ist. Nicht einbezogen sind jedoch eine Reihe von Baugewerken wie das Dachdecker-, Gerüstbau-, Glaser-, Maler-, Parkettleger-, Schreiner-, Klempner und Steinmetzhandwerk, weiterhin das Beton- und Terrazzowaren herstellende Gewerbe, die Nassbaggerei und Säurebauindustrie. In Unternehmen dieser Gewerbe gelten teils spezielle Verfahren und Beitragssätze für Sozialkassen bzw. werden teils Urlaubsentgelte direkt an die betreffenden Arbeitnehmer gezahlt und nicht über das Umlageverfahren.
Folglich sind dann auch die, auf die Soziallöhne zu beziehenden Anteile, geringer als in Unternehmen mit ULAK-Umlage. In den unter Downloads aufrufbaren Berechnungsformularen werden 2 Spalten ausgewiesen, und zwar für die Ermittlungen mit und ohne ULAK-Umlage. Damit können unterschiedliche Berechnungen betriebsindividuell erfolgen.
Die Zuschlagsätze für die Lohnzusatzkosten mit und ohne ULAK werden unterschiedlich hoch sein. Vergleichbar ist einzuschätzen, dass Zuschlagsätze ohne ULAK ca. 3 bis 8 % niedriger in Bauunternehmen in Ostdeutschland und 7 bis 12 % niedriger in Westdeutschland sein werden.
02.05.2019
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