Baukalkulation / Angebot / Nachträge

Lohnzusatzkosten

Die Lohnzusatzkosten, auch als Sozialkosten sowie im engeren Sinne als lohngebundene Kosten bezeichnet, sind ein bedeutender Anteil der Lohnkosten, die für gewerbliche Arbeitnehmer bei der Herstellung von Bauleistungen anfallen und vom Bauunternehmen als Arbeitgeber zu tragen sind.
Die Lohnzusatzkosten umfassen:
Die Lohnzusatzkosten sind innerhalb des Kalkulationslohns zu berücksichtigen und folglich mit im Baupreis zum Angebot zu kalkulieren. Dafür werden sie zusammengefasst mit einem Zuschlagssatz zur Basis durchschnittlicher Grundlöhne der gewerblichen Arbeitnehmer im Bauunternehmen eines Jahres oder mit Bezug auf eine Arbeitsstunde bestimmt. Nach inhaltlicher Aussage entspricht die Basis bei der Kalkulation annähernd einem je Bauauftrag ausgewiesenen Mittellohn je Arbeitsstunde in Zeile 1.1. in den ergänzenden Formblättern Preis (EFB-Preis) 221 und 222 nach Vergabehandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2017, Stand 2019) und dem darauf bezogenen Zuschlagssatz in Zeile 1.2.
Zuschlagssätze liefern für das Bauhauptgewerbe vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) aufbereitete Musterberechnungen zum Stand Juli 2021 für die unterschiedlichen Tarifgebiete nach Ostdeutschland und Westdeutschland:
TarifgebietJuli 2021 im Durchschnitt ehemals Juli 2020
in Ostdeutschland76,72 %75,65 %
speziell für Sachsen76,13 %75,01 %
in Westdeutschland82,79 %83,33 %
Gegenüber dem Vorjahr weisen die Zuschläge für Lohnzusatzkosten zum Juli 2021 geringe unterschiedliche Veränderungen in den Tarifgebieten auf. Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind noch begründet im unterschiedlich hohen tariflichen Lohnniveau, zum 13. Monatseinkommen im Baugewerbe und der Zusatzversorgung für Bauarbeiter. Zum Vergleich betrugen die durchschnittlichen Zuschläge beispielsweise:
  • 2012 in Ostdeutschland 77,95 % (Sachsen 77,30 %) und in Westdeutschland 88,04 %,
  • 2003 in Ostdeutschland 85,29 % und Westdeutschland 96,22 %.
Den Berechnungen liegen vorrangig folgende Faktoren bzw. Veränderungen gegenüber dem Vorjahr zugrunde:
  • höhere Tariflöhne seit 1. Januar 2021 in Westdeutschland, Ostdeutschland und Berlin nach Tarifverträgen TV-Lohn vom 17. September 2020,
  • Gewährung einer Wegstreckenentschädigung (WE) mit einem pauschalen Zuschlag von 0,5 % des Tarifstundenlohns seit 1. Oktober 2020, ausgewiesen neu unter Tz. 2.2.2.5 in den Musterberechnungen,
  • Berücksichtigung der veränderten Beitragsbemessungsgrenzen zur Sozialversicherung einschließlich eines höheren durchschnittlichen Zusatzbeitrags der Krankenkassen zur Krankenversicherung,
  • Ansatz des Tarifsatzes bei der Unfallversicherung nach Tarifstelle 100 – Bauwerksbau,
  • in 2021 nach Kalender zwei tatsächliche Arbeitstage mehr und entsprechend weniger Ausfalltage,
  • anteiliger Beitrag zum 13. Monatseinkommen im Baugewerbe auch im Tarifgebiet Ost seit 2020 und höherer Anteil für die Zusatzversorgung,
  • Anpassungen mit geringfügig höheren Ansätzen für U2-Verfahren, Insolvenzgeldumlage und für Arbeitsmedizinisch-Sicherheitstechnischen Dienst (ASD).
Für 2021 werden weiterhin keine lohnbezogenen Kosten (letzter Ansatz in 2015 von 2,1 % für Haftpflichtversicherung und Beiträge zu den Verbänden) mehr im Zuschlagssatz der Lohnzusatzkosten berücksichtigt. Sie werden meistens in den Bauunternehmen im betrieblichen Rechnungswesen in den Gemeinkosten erfasst und ausgewiesen sowie bei der Angebotskalkulation mit in den vorbestimmten Zuschlägen der Allgemeinen Geschäftskosten (AGK) bzw. gemeinkostenbezogenen Umlagen berücksichtigt.
Dieser Ausweis hatte zur Folge, dass in den ergänzenden Formblättern Preise (EFB-Preis) 221 und 222 nach VHB-Bund die Zeile 1.2 anstelle alt = Lohnzusatzkosten neu als lohngebundene Kosten bezeichnet wird, da mit dem Ausklammern der lohnbezogenen Kosten die lohngebundenen Kosten mit den Lohnzusatzkosten gleichzusetzen sind.
Weiterhin bleibt zu berücksichtigen, dass den Musterberechnungen Durchschnittswerte zugrunde liegen, soweit nicht gesetzliche und/oder tarifliche Vorgaben heranzuziehen sind. Aufgrund der jeweiligen betrieblichen Bedingungen wird ein betriebsindividueller Zuschlagssatz in den Bauunternehmen des Bauhauptgewerbes vom exemplarischen Durchschnittssatz der Musterrechnung abweichen. Oft wird der betriebsindividuelle Zuschlagssatz aufgrund der jeweiligen betrieblichen Bedingungen nicht so hoch wie der Durchschnittssatz sein. In vielen Bauunternehmen liegt er um ca. 2 - 5 % niedriger.
Daraus folgernd sollten die betrieblich anzusetzenden Zuschlagssätze mindestens zu Beginn eines Geschäftsjahres und ggf. jeweils bei lohntariflichen Veränderungen überprüft und gemäß den Realitäten korrigiert werden. Als Grundlage für die Überprüfung kann das Berechnungsschema der Musterberechnung unter "Kalkulationshilfen" herangezogen werden. Die Musterberechnungen sind auch in der Kalkulationssoftware "nextbau" aufrufbar und können betriebsindividuell ausgeführt werden.
Die "Kalkulationshilfen" liefern Schemata für betriebsindividuelle Berechnungen für Zuschlagssätze zu den Lohnzusatzkosten der gewerblichen Arbeitnehmer. Möglich ist der Aufruf für eine getrennte Berechnung nach den Tarifgebieten Ost und West in Deutschland. Dabei können für die betriebsindividuellen Berechnungen die tatsächlichen Arbeitstage im Jahr betriebsbezogen berücksichtigt werden. Weiterhin lassen sich auch Zuschlagssätze mit und ohne Umlage für ULAK (Urlaubs- und Lohnausgleichskasse) an die Sozialkassen bestimmen.
Das Sozialkassenverfahren ist für alle jene Bauunternehmen verbindlich, für die der Tarifvertrag über das Sozialkassenverfahren im Baugewerbe gültig ist. Dem Grunde nach sind das alle jene Bauunternehmen, für deren gewerbliche Arbeitnehmer auch der Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe (BRTV-Baugewerbe) allgemein verbindlich ist. Nicht einbezogen sind jedoch eine Reihe von Baugewerken wie das Dachdecker-, Gerüstbau-, Glaser-, Maler-, Parkettleger-, Schreiner-, Klempner- und Steinmetzhandwerk, weiterhin das Beton und Terrazzowaren herstellende Gewerbe, die Nassbaggerei und Säurebauindustrie. In Unternehmen dieser Gewerbe gelten teils spezielle Verfahren und Beitragssätze für Sozialkassen bzw. werden teils Urlaubsentgelte direkt an die betreffenden Arbeitnehmer gezahlt und nicht über das Umlageverfahren.
Folglich sind dann auch die – auf die Soziallöhne zu beziehenden Anteile – geringer als in Unternehmen mit einer Umlage an die SOKA-Bau. In den unter Kalkulationshilfen aufrufbaren Berechnungsformularen werden dafür 2 Spalten ausgewiesen, und zwar für die Ermittlungen mit und ohne ULAK-Umlage. Damit können unterschiedliche Berechnungen betriebsindividuell erfolgen. Die Zuschlagssätze für die Lohnzusatzkosten mit und ohne ULAK werden unterschiedlich hoch sein. Vergleichbar ist einzuschätzen, dass Zuschlagssätze ohne SOKA-Bau (ULAK) ca. 3 bis 7 % niedriger in Bauunternehmen in Ostdeutschland und 6 bis 10 % niedriger in Westdeutschland sein könnten.
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