Baukalkulation / Angebot / Nachträge

Gehaltszusatzkosten

Die Gehaltszusatzkosten – bezeichnet auch als Sozialkosten – umfassen einen bedeutenden Anteil der Gehaltskosten für die Angestellten und Poliere im Bauunternehmen. Aussagen hierzu sind erforderlich beispielsweise zur:
  • Berechnung eines Stundensatzes als Preis für den Aufwand je Bauleiterstunde, Polierstunde und für die Leistung gegenüber einem Dritten,
  • Berücksichtigung der Gehaltskosten einschließlich von Gehaltszusatzkosten für Poliere, wenn sie in die Berechnung eines Mittellohns (z. B. für den Mittellohn AP) für den Bauauftrag, ggf. für den Betrieb oder für eine Baukolonne einbezogen werden sollen,
  • Berechnung unmittelbar für einen Bauauftrag im Rahmen der Baustellengemeinkosten (BGK) bei einer Endsummenkalkulation.
Zu den Gehaltszusatzkosten zählen:
  • Gehaltszusatzkosten aus gesetzlichen Regelungen und tariflichen Vereinbarungen, wie die Bezahlung von Ausfalltagen wegen Kurzarbeit, Lohnfortzahlung bei Krankheit,
  • Gehaltszusatzkosten aus Beiträgen (Arbeitgeberanteilen) zur Sozialversicherung (Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung, Arbeitslosenversicherung) sowie zur Unfallversicherungen, zum U2-Verfahren, zur Insolvenzgeldumlage, zum Schwerbehindertenausgleich, zu Arbeitsschutz und –sicherheit sowie zum Arbeitsmedizinisch-Sicherheitstechnischen Dienst (ASD),
  • Gehaltszusatzkosten aus freiwilligen Verpflichtungen, z. B. betriebliche Zusatzrente, 13. Monatseinkommen im Baugewerbe, Weihnachtsgeld, Sterbegeld, Zuwendungen für Betriebszugehörigkeit,
  • Gehaltszusatzkosten aus Beiträge zur Haftpflichtversicherung und zu den Berufsverbänden, soweit sie nicht im Bauunternehmen innerhalb der Allgemeinen Geschäftskosten (AGK) erfasst und ausgewiesen werden.
Die Gehaltszusatzkosten können nach dem Umfang in einem Zuschlagssatz mit Bezug auf die Bruttogehälter der Angestellten und Poliere als Basis berechnet und in % ausgedrückt werden. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) bietet hierzu jährlich ein aktuelles Berechnungsschema als Musterberechnung für das Bauhauptgewerbe an. In den Musterberechnungen sind Durchschnitte der Tarife der Gehaltsgruppen zwischen VI und VII (nach TV-Gehalt der Tarifgebiete vom 17. September 2020) herangezogen worden.
Differenziert wird dabei:
  • nach Angestellten (technische und kaufmännische Angestellte in der Verwaltung) entsprechend der tatsächlichen Arbeitszeit und
  • speziell für Bauleiter, Poliere und Schachtmeister nach Bezeichnung in den Musterberechnungen nach
    • „Poliere tatsächlich“ nach tatsächlich geleisteter Arbeitszeit mit Abrechnung nach Stundensätzen sowie
    • "Poliere aufsichtsführend“ bei Kolonneneinordnung und Berechnung über die Kalenderarbeitszeit für die Kalkulation.
  • nach den Tarifgebieten Ostdeutschland und Westdeutschland.
Die Musterrechnungen weisen zum Stand Juli 2021 und mit Vergleich zum Vorjahr folgende Sätze aus:
Tarifgebiet
Stand Juli 2021ehemals Juli 2020
Für Angestellte im Durchschnitt:
Ostdeutschland54,18 %54,28 %
Westdeutschland
61,19 %60,80 %
Für Poliere im Durchschnitt:
Poliere aufsichtsführend:
Ostdeutschland 71,05 %70,82 %
Westdeutschland80,04 %78,02 %
Poliere tatsächlich:
Ostdeutschland63,00 %62,59 %
Westdeutschland71,81 %69,59 %
Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind begründet im unterschiedlich hohen tariflichen Gehaltsniveau und teils überschreitenden Beitragsbemessungsgrenzen zur Sozialversicherung, im 13. Monatseinkommen im Baugewerbe und der höheren Zusatzversorgung für Angestellte und Poliere in Westdeutschland.
Der Unterschied der Zuschlagssätze zwischen tatsächlichen und aufsichtsführenden Polieren resultiert vor allem aus dem Ansatz von Ausfalltagen innerhalb des Schlechtwetterzeitraums (in der Musterrechnung 19 Arbeitstage) wie bei den Lohnzusatzkosten der gewerblichen Arbeitnehmer. Daraus resultieren für die Berechnung des Poliergehalts im Verhältnis weniger Arbeitstage im Jahr mit aufsichtsführender Tätigkeit als mit tatsächlicher Poliertätigkeit und damit ein höherer Gehaltsanteil für sozial- und gehaltsgebundene Kosten. Ein Zuschlagssatz „aufsichtsführend“ blieb nur dann einzubeziehen, wenn bei der Angebotskalkulation das Poliergehalt im Mittellohn (Mittellohn AP) berücksichtigt werden soll.
Gegenüber dem Vorjahr liegen für 2021 bei den Zuschlägen für Gehaltszusatzkosten nur geringe Änderungen in beiden Tarifgebieten vor. Insgesamt resultieren die Veränderungen vorrangig aus folgenden Faktoren, die ähnlich auch bei den Lohnzusatzkosten der gewerblichen Arbeitnehmer maßgebend sind:
  • Gehälter seit 1. Januar 2021 zum Tarifstand in West- und Ost nach TV-Gehalt vom 17. September 2020,
  • Gewährung einer Wegstreckenentschädigung (WE) mit einem pauschalen Zuschlag von 0,5 % der Gehälter seit 1. Oktober 2020, ausgewiesen neu unter Tz. 2.1.1.9 in den Musterberechnungen,
  • Berufsbildungsbeitrag im Baugewerbe (monatlich 18 € je beschäftigten Angestellten) zur Finanzierung der Berufsausbildung nach dem Tarifvertrag zum Sozialkassenverfahren,
  • Berücksichtigung der veränderten Beitragsbemessungsgrenzen zur Sozialversicherung einschließlich eines höheren durchschnittlichen Zusatzbeitrags der Krankenkassen zur Krankenversicherung,
  • Ansatz des Tarifsatzes bei der Unfallversicherung nach Tarifstelle 100 – Bauwerksbau (für Poliere aufsichtsführend) sowie Tarifstelle 900 – Büro,
  • in 2021 nach Kalender 2 tatsächliche Arbeitstage mehr und entsprechend weniger Ausfalltage,
  • anteiliger Beitrag zum 13. Monatseinkommen im Baugewerbe auch im Tarifgebiet Ost seit 2020 und höherer Anteil für die Zusatzversorgung,
  • Anpassungen mit geringfügig höheren Ansätzen für U2-Verfahren, Insolvenzgeldumlage und Arbeitsmedizinisch-Sicherheitstechnischen Dienst (ADD).
Ebenfalls für 2021 finden die gehaltsbezogenen Kosten (unter Tz. 2.3 in der Musterrechnung betreffend Haftpflichtversicherung und Beiträge zu Berufsverbänden) keine Berücksichtigung mehr, da diese meistens in den Bauunternehmen mit in den Allgemeinen Geschäftskosten (AGK) erfasst, ausgewiesen und bei der Angebotskalkulation mit in den vorbestimmten Zuschlägen bzw. Umlagen einbezogen werden (letzter Ansatz erfolgte im Jahr 2015 im Umfang von 2,1 %).
Zu berücksichtigen bleibt, dass den Musterberechnungen des HDB Durchschnittswerte zugrunde liegen, soweit nicht gesetzliche und/oder tarifliche Vorgaben heranzuziehen sind. Ein betriebsindividueller Zuschlagssatz aufgrund der jeweiligen betrieblichen Bedingungen wird jedoch meistens vom Durchschnittssatz abweichen und oft nicht so hoch wie der exemplarische Durchschnittssatz sein. Für zu berechnende Stundensätze für Bauleiter und Poliere bei Leistungen gegenüber Dritten ist aber das jeweils betreffende Gehalt der Person als Basis für die Zuschlagsbestimmung heranzuziehen.
Mindestens zu Beginn eines Geschäftsjahres und ggf. jeweils bei gehaltstariflichen Veränderungen sollten die Prozentsätze betriebsindividuell überprüft und gemäß den Realitäten angepasst werden. Die Überprüfung sollte auf Grundlage des bauindustriellen Berechnungsschemas erfolgen.
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