Baukalkulation / Angebot / Nachträge

An- und Abreisekosten zur Baustelle

Kehren die gewerblichen Arbeitnehmer des Bauunternehmens bei Auswärtstätigkeit nicht täglich zum Wohnsitz zurück und nehmen Verpflegungszuschuss als Verpflegungsmehraufwendungen (ehemals Auslösung im Baugewerbe) in Anspruch, dann hat der Arbeitgeber die Arbeitnehmer kostenlos zur Arbeitsstelle zu befördern oder ihnen die Fahrtkosten seit 2015 nach § 7 Nr. 4.2 im Bundesrahmenvertrag für das Baugewerbe (BRTV-Baugewerbe vom 28. September 2018) in Höhe von 0,20 € je gefahrenen Kilometer (folglich gesamt von 0,40 € für die Hin- und Rückfahrt) ohne Begrenzung zu erstatten, sofern der Arbeitnehmer ein von ihm gestelltes Fahrzeug benutzt. Das gilt ebenfalls für tarifliche Wochenendheimfahrten nach § 7 Nr. 4.4 BRTV-Baugewerbe ohne km-Begrenzung. Das gilt mit Bezug auf § 7 im RTV-Angestellte auch für die Angestellten und Poliere) im Baugewerbe beim Einsatz auf Baustellen.
Die Erstattung ist auch analog anzuwenden für Fahrten von einer vom Arbeitgeber gestellten Unterkunft zur Arbeits- bzw. Baustelle, wenn die Entfernung Unterkunfts- und Arbeitsstelle größer als 10 km ist. Hierfür gilt aber ein Höchstbetrag von 20,00 € je Arbeitstag.
Analog ist die Regelung auch für einen unmittelbaren Wechsel zu einer anderen Arbeits- bzw. Baustelle und für die Rückfahrt zu seiner Wohnung nach Beendigung der Tätigkeit auf der Arbeits- bzw. Baustelle anzuwenden. Erfolgt tägliche Heimfahrt durch den Arbeitnehmer, dann erhält er ebenfalls seit 2015 eine Erstattung der Fahrtkosten von 0,20 € je Arbeitstag und gefahrenem Kilometer (nicht mehr für die Entfernungskilometer), wenn die Arbeits- bzw. Baustelle mindestens 10 Kilometer von seiner Wohnung entfernt ist und er für die Fahrt ein von ihm gestelltes Fahrzeug benutzt. Der tägliche Anspruch wird aber seit 2015 auf 20,00 € begrenzt.
Sind in den Abgeltungen Beträge enthalten, die versteuert werden müssen, so kann der Arbeitgeber auch eine Pauschalversteuerung nach § 40 Abs. 2 Einkommensteuergesetz (EStG) vornehmen.
Zu den Fahrtkosten sind weiterhin die seit 2014 geltenden Veränderungen im Reisekostenrecht zu beachten. Hinsichtlich der Fahrtkostenerstattung - zugleich auch aus steuerrechtlicher Sicht - wird auf das vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) vorgelegte "Merkblatt zum steuerlichen Reisekostenrecht Stand April 2018)" unter Tz. II verwiesen. Es gibt einen Überblick zu den gesetzlichen Veränderungen seit 2014 und verdeutlicht mit Beispielen die tarifvertragliche und steuerliche Beurteilung von Reisekosten der Arbeitnehmer in der Bauindustrie.
Beim Einsatz der Arbeitnehmer auf Baustellen erfolgt oft die Fahrt durch betriebseigene Fahrzeuge von einem Sammelpunkt aus zur Baustelle. Die Baustelle gilt dann in der Regel nicht als erste Tätigkeitsstätte. Dann werden nur die Fahrten zwischen Wohnung und Sammelpunkt als An- und Abreisekosten zur Baustelle mit der Entfernungspauschale nach § 9 Abs. 1 im Einkommensteuergesetz (EStG) abgegolten. Die Aufwendungen für die Fahrten vom Sammelpunkt zur auswärtigen Baustelle bzw. Tätigkeitsstelle kann der Arbeitgeber als Reisekosten steuerfrei erstatten. Im o. a. Merkblatt zu Reisekosten des Hauptverbandes der Bauindustrie wird dazu folgendes Beispiel (Nr. 9) auf S. 14 angeführt:
"Ein Arbeitnehmer sucht mit seinem PKW auf Anweisung des Arbeitgebers regelmäßig den Betriebshof des Arbeitgebers auf, um dort Werkzeug und Material abzuholen. Von dort fährt er auf verschiedene Baustellen, wo er nach dem Willen des Arbeitgebers auch tätig werden soll. Der Arbeitnehmer ist dem Betriebshof des Arbeitgebers nicht zugeordnet. Der Betriebshof ist auch nicht durch Heranziehung der quantitativen Kriterien erste Tätigkeitsstätte, da der Arbeitnehmer dort nicht tätig werden soll. Das bloße Aufsuchen des Betriebshofs reicht nicht aus. Der Arbeitnehmer hat damit keine erste Tätigkeitsstätte.
Die Fahrten zwischen Wohnung und Betriebshof werden jedoch so behandelt, als seien es Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Hierfür kann der Arbeitnehmer in seiner Einkommensteuererklärung einen Werbungskostenabzug von 0,30 Euro je Entfernungskilometer, höchstens jedoch 4.500 Euro im Kalenderjahr, geltend machen.
Für die Fahrten zwischen Betriebshof und Baustellen bzw. Fahrten zwischen den Baustellen kann der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die tatsächlich entstandenen Fahrtkosten oder pauschale Kilometersätze als Reisekosten steuerfrei erstatten“.
In der Baupraxis ist oft auch folgender Fall typisch:
Mehrere Arbeitnehmer treffen sich an einem bestimmten Ort, ohne dass dies vom Arbeitgeber arbeitsvertraglich festgelegt ist. Von dort aus fahren sie gemeinsam zu den Baustellen des Arbeitgebers, und zwar ohne dienst- oder arbeitsrechtlichen Festlegung des Arbeitgebers. Der Treffpunkt der Arbeitnehmer ist somit nicht Sammelpunkt. Damit können für die Fahrten zwischen Wohnung und Treffpunkt sowie für die Fahrten zwischen Treffpunkt und Baustellen bzw. Fahrten zwischen den Baustellen die tatsächlich entstandenen Fahrtkosten oder pauschale Kilometersätze als Reisekosten steuerfrei erstattet werden.
Führen die Arbeitnehmer ihre Tätigkeit in einem weiträumigen Arbeitsgebiet aus, dann gelten die gleichen Grundsätze. Wird das weiträumige Arbeitsgebiet stets von einem Zugang aus betreten oder befahren, so kann der Arbeitnehmer für Fahrten zwischen Wohnung und diesem Zugang die Entfernungspauschale als Werbungskosten geltend machen. Für Fahrten innerhalb des weiträumigen Arbeitsgebiets kann der Arbeitgeber die tatsächlichen Aufwendungen oder pauschale Kilometersätze erstatten.
Bei der Berechnung des Kalkulationslohns der gewerblichen Arbeitnehmer für die Angebotskalkulation sind entsprechende Ansätze zu berücksichtigen, wenn das bauauftrags- und baustellenbezogen erforderlich erscheint. Die kalkulierbaren Kosten sind Bestandteil der Lohnnebenkosten. Sie sind bei Verlangen nach den ergänzenden Formblättern Preise 221 und 222 (EFB-Preis) nach Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2017) in Zeile 1.3 auszuweisen. Analoge Kosten für Angestellte und Poliere können ggf. als Gehaltsnebenkosten im Rahmen der Baustellengemeinkosten berücksichtigt werden.
22.02.2019
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