Lohn / Tarif / Rente

Auslösungen im Baugewerbe

Der Arbeitnehmer, der auf einer mindestens 50 km vom Betrieb entfernten Bau- oder Arbeitsstelle tätig ist und der Zeitaufwand für seinen Weg von der Wohnung zur Baustelle mehr als 1 ¼ Stunden beträgt, hat im Bauhauptgewerbe nach § 7 Nr. 4 im Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe (BRTV-Baugewerbe) für gewerbliche Arbeitnehmer sowie nach § 7 im Rahmentarifvertrag für die Angestellten und Poliere im Baugewerbe beim Einsatz auf Baustellen noch bis zum 31. Dezember 2016 Anspruch auf Auslösung für jeden Kalendertag, an dem die getrennte Haushaltführung hierdurch verursacht ist. Änderungen treten ab 1. Januar 2017 in Kraft.
Die Auslösung beträgt bis 31. Dezember 2016 für jeden Kalendertag 34,50 €. Die Auslösung ist Ersatz für den Mehraufwand für Verpflegung und Übernachtung nach den steuerrechtlichen Vorschriften. Wird Auslösung gezahlt, so hat der Arbeitgeber den Arbeitnehmer kostenlos zur Arbeitsstelle zu befördern oder ihm die Fahrtkosten für An- und Abreise zur Arbeitsstelle in Höhe von 0,20 € je gefahrenen Kilometer ohne Begrenzung nach § 7 Tz. 4.3 BRTV zu erstatten. Das gilt auch bei einem unmittelbaren Wechsel zu einer anderen Arbeits- bzw. Baustelle und für die Rückfahrt zu seiner Wohnung nach Beendigung der Tätigkeit auf der Baustelle.
Von der Auslösung kann der Arbeitgeber jedoch noch bis zum 31. Dezember 2016 einen Betrag von 6,50 € für jede Übernachtung (Unterkunftsgeld im Baugewerbe) einbehalten, wenn der Arbeitnehmer in einer vom Arbeitgeber gestellten ordnungsgemäßen Unterkunft, z. B. Hotel, Pension oder auch Baustellenunterkunft, übernachtet.
Zu beachten sind die steuerlichen und rechtlichen Änderungen zum Reisekostenrecht, die ab 1. Januar 2014 in Kraft traten. Grundlage liefert das "Gesetz zur Änderung und Vereinfachung der Unternehmensbesteuerung und des steuerlichen Reisekostenrechts (BGBl. I 2013, S. 285)". Zu den Veränderungen und nachfolgenden Aktualisierungen liegen ein BMF-Schreiben vom 24. Oktober 2014 mit Erläuterungen sowie ein vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V. herausgegebener "Leitfaden zum steuerlichen Reisekostenrecht ab 1. Januar 2015" vor.
Mit Bezug auf die neuen Regelungen zum Verpflegungsmehraufwand ist nach § 40 Absatz 2, Satz 1 Nummer 4 im Einkommensteuergesetz (EStG) eine Pauschalbesteuerung möglich. Sie kann in Höhe von 25 % erfolgen, soweit sie die dem Arbeitnehmer zustehenden Verpflegungspauschalen um nicht mehr als 100 % übersteigt.
Im o. a. Leitfaden des Hauptverbandes der Bauindustrie wird hierzu das unten stehende Beispiel angeführt.
Der Anspruch auf Auslösung entfällt jedoch bei Wochenendheimfahrten, Krankenhausaufenthalt oder bei unentschuldigtem Fehlen des Arbeitnehmers.
Als Bezugspunkt gilt nach § 7 Tz. 2.2. BRTV als Betrieb die Hauptverwaltung, die Niederlassung der Filiale, Zweigstelle oder sonstige Vertretung des Arbeitgebers. Für die Auslösung ist die ständige Vertretung des Arbeitgebers maßgebend, in welcher der Arbeitnehmer eingestellt wird. Dabei wird aber nicht zwischen Betrieben beispielsweise mit oder ohne Niederlassungen unterschieden. In einem Urteil des BAG vom 21.02.2012 (Az.: 9 AZR 461/10) wurde entschieden, dass die Arbeitsvertragsparteien nicht grundsätzlich daran gehindert sind, den für den Auslösungsanspruch maßgeblichen Bezugspunkt im laufenden Arbeitsverhältnis einvernehmlich zu ändern. Hierzu bedarf es einer klar zum Ausdruck kommenden Vertragsänderung. Lediglich organisatorische Veränderungen in der Betriebsstruktur beim Arbeitgeber oder ggf. Die Verlegung des Betriebssitzes an einen anderen Ort werden durch das BAG im Urteil nicht als ausreichend angesehen.
Auslösungen zählen in der Mittellohnberechnung für die Angebotskalkulation zu den Lohnnebenkosten und in den ergänzenden Formblättern Preis (EFB-Preis) 221 und 222 nach Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2017) in Zeile 1.3 ausgewiesen.
Die bisherigen Regelungen zu Auslösungen und Unterkunftsgeld ändern sich ab 1. Januar 2017. Dann hat der Arbeitgeber auf seine Kosten die ordnungsgemäße Unterkunft zu stellen. Die gegenwärtige Auslösung wird dann auf einen Verpflegungszuschuss in Höhe von 24 € pro Arbeitstag reduziert. Das gilt dann auch für den An- und Abreisetag, sofern eine Arbeitsleistung erbracht wird.
In Gewerken im Baugewerbe, wie dem Gerüstbau-Handwerk sowie dem Dachdeckerhandwerk, die eigenständige Tarifverträge abschließen und für die nicht der BRTV-Baugewerbe maßgebend ist, gelten teils unterschiedliche Regelungen für eine auswärtige Beschäftigung zu Auslösungen und Unterkunftskosten.
Beispielsweise gilt für das Gerüstbau-Handwerk nach dem RTV seit 1. September 2015, dass der Arbeitgeber bei einer Beschäftigung auf Bau- bzw. Arbeitsstellen ohne tägliche Heimfahrt Anspruch auf eine Auslösung in Höhe von 24 € pro Tag hat, wenn der Einsatzort mehr als 65 km vom Betrieb entfernt ist und eine unzumutbare Rückfahrt von 1 ¼ Stunden für die einfache Fahrt vorliegt. Für die ordnungsgemäße Unterkunft hat der Arbeitgeber zu sorgen und die Kosten zu tragen. Nutzt der Arbeitnehmer diese Unterkunft nicht, so steht ihm grundsätzlich eine pauschale Aufwandsentschädigung von 20 € pro Tag zu. Ist die Unterkunft als Auslöseort mehr als 20 km vom Einsatzort entfernt, ist auch die Fahrzeit als Arbeitszeit dem Arbeitnehmer zu vergüten.
Im Dachdeckerhandwerk ist ebenfalls der Arbeitgeber verpflichtet, dem Arbeitnehmer bei auswärtiger Beschäftigung ohne tägliche Rückkehr eine angemessene und ordnungsgemäße Unterkunft auf seine Kosten zu stellen. In diesen Fällen hat der Arbeitnehmer Anspruch auf die jeweils geltenden steuerfreien Verpflegungssätze.
Beispiel

Auslösungen im Baugewerbe

Beispiel zur Besteuerung der Auslösung
Der Arbeitnehmer ist für vier Monate jeweils von Montag bis Freitag auf einer mehr als 50 km vom Unternehmen entfernten Baustelle tätig. Ihm wird vom Arbeitgeber keine Unterkunft zur Verfügung gestellt.

Der Arbeitnehmer erhält eine tarifvertragliche Auslösung in Höhe von 34,50 Euro für jeden Kalendertag.

In den ersten drei Monaten kann die Besteuerung der Auslösung wie folgt vorgenommen werden
An- bzw. Abreisetag
(Mo und Fr)
volle Arbeitstage
(Di bis Do)
Auslösung34,50 Euro34,50 Euro
davon steuerfreie Verpflegungspauschale-12,00 Euro- 24,00 Euro
bleiben22,50 Euro10,50 Euro
davon Pauschalbesteuerung möglich-12,00 Euro- 10,50 Euro
bleiben individuell zu versteuern 10,50 Euro0,00 Euro
Ab dem vierten Monat ist die Auslösung wegen des Ablaufs der Dreimonatsfrist in voller Höhe als Arbeitslohn individuell zu versteuern. Eine Pauschalbesteuerung kommt dann nicht mehr in Betracht.
Copyright bauprofessor.de Lexikon
Herausgeber: f:data GmbH Weimar und Dresden
Die Inhalte dieser Begriffserläuterung und der zugehörigen Beispiele sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetztes ist ohne Zustimmung der f:data GmbH unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigung, Übersetzung, Mikroverfilmung und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Alle in diesem Werk enthaltenen Angaben, Ergebnisse usw. wurden von den Autoren nach bestem Wissen erstellt. Sie erfolgen ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie der f:data GmbH. Sie übernimmt deshalb keinerlei Verantwortung und Haftung für etwa vorhandene Unrichtigkeiten.
Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürfen.

Gratis Download:Kostenlose Musterbriefe und Kalkulationshilfen

Kostenlose Kalkulationshilfen für Baukalkulation und Rechnungslegung

Verwandte Fachbegriffe

Fahrtkostenabgeltung im Baugewerbe
Bei der Fahrtkostenabgeltung ist zunächst zu differenzieren, ob der Arbeitnehmer eines Unternehmens im betrieblichen Geltungsbereich des Bundesrahmentarifvertrags für das Baugewerbe (BRTV-Baugewerbe) täglich von der Arbeitsstelle zum Wohnsitz fährt ...
Lohnnebenkosten im Baugewerbe
Lohnnebenkosten regeln sich für gewerbliche Arbeitnehmer in Unternehmen des Bauhauptgewerbes nach § 7 im Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe (BRTV-Baugewerbe). Als Entgelte kommen infrage: Fahrtkostenabgeltung bei täglicher Heimfahrt ab 1. Ja...
Unterkunftsgeld im Baugewerbe
Bei Auswärtstätigkeit ohne tägliche Heimfahrt hat der gewerbliche Arbeitnehmer im Bauhauptgewerbe seit 2017 Anspruch darauf, vom Bauunternehmer nach § 7 Nr. 4.2 im Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe (BRTV-Baugewerbe vom 28. September 2018) e...
Unterkunftskosten im Baugewerbe
Hinsichtlich der Stellung einer ordnungsgemäßen Unterkunft durch das Bauunternehmen als Arbeitgeber des Bauhauptgewerbes ist zunächst festzustellen, ob der Arbeitnehmer (sowohl gewerbliche Arbeitnehmer als auch Angestellte und Poliere) vom Arbeitgebe...
Verpflegungsmehraufwendungen
Verpflegungsmehraufwendungen zählen zu den Reisekosten, die entweder bei Dienstreisen oder Auswärtstätigkeit am Bau anfallen. Sie können mit Pauschbeträgen abgegolten werden, wenn die Voraussetzungen nach § 4 Abs. 5 Einkommensteuergesetz (EStG) ge...
Entfernungspauschale
Die Entfernungspauschale gilt als Grundlage für die Erstattung von Fahrtkosten zwischen der Wohnung und ersten Tätigkeitsstätte nach § 9 Abs. 1, Nr. 4 im Einkommensteuergesetz (EStG) für jeden Arbeitstag an den Arbeitnehmer. Seit 2004 beträgt de...
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, verwenden wir Cookies. Einige dieser Cookies sind erforderlich für den reibungslosen Ablauf dieser Website, andere helfen uns, Inhalte auf Sie zugeschnitten anzubieten. Wenn Sie auf „ Ich akzeptiere“ klicken, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Individuelle Cookie-Einstellungen Ich akzeptiere