Baugeräte / Vorhaltung / BGL

Vorhaltekosten

Die Vorhaltekosten nach der überarbeiteten und aktualisierten Neuauflage als Baugeräteliste (BGL) 2015 sind
  • einerseits für die Kalkulation von Gerätekosten und
  • andererseits für die innerbetriebliche Verrechnung der Gerätekosten vom Bauhof an die nutzenden Baustellen, weiterhin für
  • zwischenbetriebliche Verrechnungen, z. B. gegenüber einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE)
von Bedeutung. Synonym werden sie auch als AVR-Wert, Gerätevorhaltekosten, Vorhalteentgelte oder innerbetriebliche Geräte bezeichnet.
Inhaltlich umfassen sie
  • die Abschreibung (kalkulatorische AfA) und Verzinsung sowie
  • die Reparaturkosten.
Die entsprechenden Werte können unmittelbar aus der BGL 2015 entnommen oder evtl. den betrieblichen Erfordernissen angepasst werden. Das gilt zunächst für die Bereitstellungsgeräte.
Die Vorhaltekosten der Leistungsgeräte (z. B. Bagger) werden dagegen meist auf der Basis von Betriebs- bzw. Einsatzstunden errechnet. Voraussetzung ist die Vorgabe und Nachweisführung der auszuführenden bzw. ausgeführten Einsatzstunden innerhalb der Vorhaltezeit.
Unter "Beispiele" wird die veranschaulicht. Hierbei wird die Bestimmung der Vorhaltekosten für ein Bereitstellungsgerät als Beispiel demonstriert, und zwar für die innerbetriebliche Verrechnung gegenüber einer Baustelle als Einsatzort des Gerätes.
Für die Vorhaltezeit auf den Baustellen werden diesen die Vorhaltekosten für die Geräte belastet. Für die Bereitstellungsgeräte gilt ausschließlich eine Belastung für die Vorhaltezeit. Zeiteinheit ist der Monat mit 30 Kalendertagen (bei ausnahmsweisem Bezug auf Arbeitstage, dann 21 Arbeitstage) und daraus folgend 170 Vorhaltestunden im Einschichtbetrieb.
Die über 170 Vorhaltestunden je Monat hinaus anfallenden Einsatzstunden bzw. bei Vorhaltezeiten von weniger als einem Monat die den entsprechenden Anteil übersteigenden Einsatzstunden gelten als Geräteüberstunden. Für den Ansatz bei der Kostenbelastung der Baustelle wird gerechnet:
Kosten der Geräteüberstunde = Kosten der normalen Vorhaltestunde im einschichtigen Betrieb
Für folgende Geräte und Einrichtungen werden keine Geräteüberstunden berechnet:
  • Baustromverteiler, Transformatoren, Bauwagen, Wasch- und Toilettenwagen, Baracken, Baubuden, Container, Gerüste, Büroeinrichtungen, Mess- und Prüfgeräte.
Gibt es Stillliegezeiten innerhalb einer Vorhaltezeit, so gilt für die Berechnung der Vorhaltekosten folgende Regelung in der BGL 2015:
  • Für die ersten 10 Kalendertage werden die volle Abschreibung und Verzinsung sowie die vollen Reparaturkosten berechnet.
  • Vom 11. Kalendertag an werden 75 % sowie 8 % für Wartung und Pflege von der Abschreibung und Verzinsung angesetzt; die Reparaturkosten entfallen.
Innerbetrieblich wird auf die IbR keine Umsatzsteuer berechnet. Es ist keine Anmietung von Dritten, sondern lediglich eine Zurverfügungstellung vom Bauhof bzw. von der innerbetrieblichen Hilfskostenstelle von Baugeräte an die Baustellen. Bei in eigenständigen Unternehmen ausgelagerten Baumaschinen liegt eine andere Situation vor, deren Anmietung erfolgt mit Eingangsrechnung einschließlich Umsatzsteuer, die dann als Vorsteuer geltend gemacht werden kann.
Das Bauunternehmen ist nicht verpflichtet, die in der BGL 2015 ausgewiesenen Werte für AfA und Reparaturkosten heranzuziehen. Die gegenwärtige Situation und der Wettbewerb der Baumaschinenvermieter zwingen zum Vergleich. In Einzelfällen können die Kosten für eine Anmietung von Dritten geringer als die nach BGL ausgewiesenen Kosten des eigenen Gerätes sein. Deshalb bedarf es der betrieblichen Wertung und Bestimmung des betriebsindividuellen Niveaus. Dies kann z. B. auch durch Festlegung eines Prozentsatzes erfolgen, mit dem die AfA- und Reparaturkostenwerte anzusetzen sind. Ein festgelegter Satz von z. B. 90 % bedeutet, dass lediglich 90 % von den Werten der BGL 2015 innerbetrieblich für die Verrechnung gegenüber Baustellen sowie auch in der Angebotskalkulation angesetzt werden.
Denkbar ist auch noch eine Differenzierung nach AfA und Reparaturkosten, z. B. 90 % für AfA und Verzinsung sowie 80 % für Reparaturkosten von den BGL-Werten. Weiterhin kann noch differenziert werden durch Bezug des Prozentsatzes entweder auf den unteren oder den oberen oder auf den zu ermittelnden durchschnittlichen Wert der BGL 2015 für AfA und Verzinsung.
Eine solche Verfahrensweise wird meistens bei der Verrechnung der Vorhaltekosten der beteiligten Bauunternehmen als Gesellschafter gegenüber der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) gewählt und im ARGE-Vertrag festgelegt.

Beispiel: Ermittlung der Vorhaltekosten für einen Turmkran

Aufgabe:
Ermittlung der Vorhaltekosten für die betreffenden Monate als IbR - Innerbetriebliche Rechnung - vom Bauhof bzw. von der Abteilung Geräte an die Baustelle XYZ für einen Turmkran mit der BGL-Nr. C.0.10.0080 mit folgenden Angaben:
Absendetag:15. Juli
Wirksamer Freimeldetermin:26. September
Stillliegezeit der Baustelle:1. bis 16. August
Überstunden werden nicht berücksichtigt.
Der Berechnung ist der untere AfA- und Verzinsungsbetrag der BGL 2015 zugrunde zu legen (ohne Anpassung des mittleren Neuwertes an den Wiederbeschaffungswert).
Die BGL 2015 weist für den Turmdrehkran C.0.10.0080 (Bauverlag Gütersloh, S. C 10) folgende Werte aus:
Unterer AfA-Betrag gemäß Tabelle3.580 €/Monat
Reparaturkosten+ 1.870 €/Monat
Vorhaltekosten= 5.450 €/Monat
(1) IbR für den Monat Juli (16 Kalendertage):
Der 31. Juli wird nicht einbezogen, da die BGL 2015 nur von 30 Kalendertagen im Monat ausgeht.
16 Kalendertage:
15. bis 30. Juli
Vorhaltekosten (voller Ansatz):
5.450 € x (16 : 30) = 2.907 €
(2) IbR für den Monat August (24+6 Kalendertage):
Bei Stillliegezeiten gilt für die Berechnung der Vorhaltekosten nach BGL 2015:
  • Für die ersten 10 Kalendertage werden die volle Abschreibung und Verzinsung sowie Reparaturkosten berechnet.
  • Ab 11. Kalendertag werden 83 % (75 % der AfA und Verzinsung + 8 % für Wartung und Pflege der AfA und Verzinsung) angesetzt; Reparaturkosten entfallen.
24 Kalendertage:01. bis 10. August = 10 KT (erste 10 Tage Stillliegezeit)
17. bis 31. August = 14 KT
Vorhaltekosten (voller Ansatz):
5.450 € x (24 : 30) = 4.360 €
6 Kalendertage:11. bis 16. August (Stillliegezeit nach dem 10. Tag)
Vorhaltekosten (83%):
3.580 € x (6 : 30 Tage) x 0,83 = 595 €
Gesamt:4.360 € + 595 € = 4.955 €
(3) IbR für den Monat September (26 Kalendertage):
26 Kalendertage:01. bis 26. September
Vorhaltekosten (voller Ansatz):
5.450 € x (26 : 30) = 4.723 €
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