Lohn / Tarif / Rente

Arbeitszeitflexibilisierung

In Unternehmen des Baugewerbes kann eine Arbeitszeitflexibilisierung mit Ausgleich in einem betrieblich bestimmten Zeitraum vorgesehen werden. Für das Bauhauptgewerbe liegen Regelungen zur Arbeitszeit der gewerblichen Arbeitnehmer nach § 3 im Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe (BRTV-Baugewerbe) vor. Für Poliere sowie Angestellte, deren Tätigkeit unmittelbar mit derjenigen der gewerblichen Arbeitnehmer in Verbindung steht, kann ebenfalls die für Gewerbliche vorgesehene Form der betrieblichen Arbeitszeitregelung bzw. -flexibilisierung nach § 3 im RTV-Angestellte im Baugewerbe vorgesehen werden, entweder durch Vereinbarung zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber oder durch einzelvertragliche Vereinbarung.
Für Angestellte ist noch eine weitere Form der Flexibilisierung als Gleitzeit möglich.
Die Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage sowie zu den Ausgleichszeiträumen kann nach 2 unterschiedlichen Formen gestaltet werden:

1. Arbeitszeitausgleich innerhalb von 2 Wochen:

Die nach betrieblicher Regelung an einzelnen Werktagen ausfallende Arbeitszeit kann durch Verlängerung ohne Mehrarbeitszuschlag an anderen Werktagen innerhalb von 2 Wochen ausgeglichen werden (zweiwöchiger Arbeitszeitausgleich). Danach kann die Wochenarbeitszeit den betrieblichen Erfordernissen besser angepasst werden, beispielsweise auch an die jahreszeitlich unterschiedlichen Lichtverhältnisse auf der Baustelle. Die Aufteilung ist jedoch einvernehmlich mit dem Arbeitnehmer vorzusehen bzw. zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat zu vereinbaren.

2. Arbeitszeitverteilung im Ausgleichszeitraum von 12 Monaten:

Der gewerbliche Arbeitnehmer kann innerhalb von 12 Kalendermonaten 150 Arbeitsstunden vorarbeiten und bis zu 30 Arbeitsstunden (Minus-Stunden) nacharbeiten. Als Ausgleichszeitraum wird überwiegend der Zeitraum 1. April bis 31. März gewählt. Eine Bindung an das Kalenderjahr ist nicht sinnvoll, weil der Winter möglichst voll in dem Zeitraum für den Ausgleich liegen sollte. Werden die vorgearbeiteten Stunden im Ausgleichszeitraum wieder ausgeglichen, besteht kein Anspruch auf Überstundenzuschlag. Ein Guthaben an Stunden zum Ende des Ausgleichszeitraums kann einvernehmlich auch auf den nächsten Zeitraum übertragen werden.
Bei dieser Flexibilisierung ist es üblich, für jeden Arbeitnehmer ein Arbeitszeitkonto zu führen, verknüpft meistens auch mit einem individuellen Lohn- bzw. Entgeltkonto. Auf dem Lohnausgleichskonto ist die Differenz zwischen dem Lohn für die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden und dem, dem Gewerblichen im Monat mindestens zustehendem Lohn, verzeichnet. Wird im Leistungslohn gearbeitet, darf der Lohn für Leistungslohn-Mehrstunden nicht einbehalten und gutgeschrieben werden.
Ein auf dem Lohnausgleichskonto gutgeschriebener Lohn kann und sollte vorrangig zum Ausgleich für den Monatslohn sowie bei witterungsbedingtem Arbeitsausfall, beispielsweise in der Schlechtwetterzeit im Baugewerbe im Winter (vom 1. Dezember bis 31. März) herangezogen und ausgezahlt werden.
In speziellen Baugewerken, für die nicht der BRTV-Baugewerbe, sondern eigenständige Tarifverträge abgeschlossen werden und maßgebend sind, werden auch Arbeitszeitgestaltungen mit Flexibilisierung praktiziert, so beispielsweise im
  • Dachdeckerhandwerk mit ebenfalls einer möglichen Vorabeit bis 150 Stunden,
  • Gerüstbauhandwerk mit nur einem Ausgleichszeitraum vom 1. April bis 31. März,
  • Maler- und Lackiererhandwerk mit bis 170 Guthabenstunden und 30 Minusstunden.
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