Lohn / Tarif / Rente

Schlechtwetterzeit im Baugewerbe

Für die Regelungen zur Förderung ganzjähriger Beschäftigung im Baugewerbe gilt für die Schlechtwetterzeit der Zeitraum vom 01. Dezember bis 31. März. Sie ist mit Einführung des Saison-Kurzarbeitergeldes auf diesen Zeitraum als gesetzliche Schlechtwetterzeit verkürzt worden, so dass der Monat November nicht mehr in die Winterbauförderung einbezogen ist.
In dieser Zeit geht in der Bauwirtschaft das Saison-Kurzarbeitergeld dem konjunkturellen Kurzarbeitergeld vor. Das bedeutet, dass während der gesetzlichen Schlechtwetterzeit auch bei einem Arbeitsausfall infolge Auftragsmangel nicht das konjunkturelle Kurzarbeitergeld, sondern für alle Arbeitnehmer des Baugewerbes (gewerbliche Arbeitnehmer, Angestellte und Poliere) ausschließlich das Saison-Kurzarbeitergeld gewährt werden kann.
In der gesetzlichen Schlechtwetterzeit dürfen keine Kündigungen durch den Arbeitgeber aus Witterungsgründen erfolgen. Das sieht der Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe (BRTV-Baugewerbe) vor. Maßgeblich ist hierbei der Zeitpunkt des Ausspruchs der Kündigung, d. h. der Zugang der Kündigung beim Arbeitnehmer, nicht jedoch das Wirksamwerden der Kündigung.
Witterungsbedingte Gründe für das Schlechtwetter können verschieden Ursachen haben. Meistens sind es massgebend atmosphärische Wirkungen wie
  • Schnee und Frost, die eine Fortsetzung der Bauausführung technisch unmöglich, wirtschaftlich unvertretbar oder für die Arbeitnehmer unzumutbar machen,
  • dichter Nebel und Sturm, wenn aus Sicherheitsgründen die Einstellung der Bauausführung notwendig wird.
Die Weisungen des Bundesamtes für Arbeit sagen aus, dass beispielsweise bei folgenden Witterungsverhältnissen Prüfungen zu Einzelfällen nicht erforderlich sind, wenn:
  • Windstärke von wenigstens Windstärke 8,
  • Neuschneehöhe um 7.00 Uhr von 20 cm und mehr,
  • Eindringtiefe des Bodenfrostes von 80 cm und mehr u. a.
Schlechtwetter kann auch außerhalb der gesetzlichen Schlechtwetterzeit auftreten, z. B. Wolkenbruch im Mai oder Wintereinbruch im November. Im Baugewerbe erhält der gewerbliche Arbeitnehmer dafür einen Ausgleich für besondere Belastungen aus der Witterung über den Bauzuschlag als Bestandteil des Gesamttarifstundenlohnes, der für jede lohnzahlungspflichtige Stunde (mit Ausnahme von Leistungslohn-Mehrstunden), die auf Baustellen geleistet werden. Stationär beschäftigte Arbeitnehmer, z. B. auf dem Bauhof oder in Werkstätten, haben jedoch keinen Anspruch auf den Bauzuschlag.
Copyright bauprofessor.de Lexikon
Herausgeber: f:data GmbH Weimar und Dresden
Die Inhalte dieser Begriffserläuterung und der zugehörigen Beispiele sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetztes ist ohne Zustimmung der f:data GmbH unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigung, Übersetzung, Mikroverfilmung und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Alle in diesem Werk enthaltenen Angaben, Ergebnisse usw. wurden von den Autoren nach bestem Wissen erstellt. Sie erfolgen ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie der f:data GmbH. Sie übernimmt deshalb keinerlei Verantwortung und Haftung für etwa vorhandene Unrichtigkeiten.
Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürfen.

Verwandte Fachbegriffe

Förderung der ganzjährigen Beschäftigung im Baugewerbe
Ab dem Winter 2006/07 wurde die Winterbauförderung weiter entwickelt mit der Zielrichtung, eine ganzjährige Beschäftigung in der Bauwirtschaft zu erreichen und zu sichern und zwar in der gemeinsamen Verantwortung von Arbeitslosenversicherung, Arbeitg...
Bauzuschlag (als Lohnbestandteil)
Der Bauzuschlag (BZ) ist ein Bestandteil des Gesamttarifstundenlohns (GTL) und wird dem gewerblichen Arbeitnehmer im Baugewerbe zusätzlich zum jeweiligen Tarifstundenlohn zum Ausgleich für besondere Belastungen gewährt. Grundlage liefert der jewei...
Arbeitszeitflexibilisierung
In Unternehmen des Baugewerbes kann eine Arbeitszeitflexibilisierung mit Ausgleich in einem betrieblich bestimmten Zeitraum vorgesehen werden. Für das Bauhauptgewerbe liegen Regelungen zur Arbeitszeit der gewerblichen Arbeitnehmer nach § 3 im Bun...
Kündigungsfristen zum Arbeitsverhältnis
Für gewerbliche Arbeitnehmer im Baugewerbe gelten die Kündigungsfristen nach § 11 Nr. 1 im Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe (BRTV-Baugewerbe in der Fassung vom 10. Juni 2016) verbindlich. Sie weichen vom § 622 BGB ab. Diese Abweichung hat ...
Kurzarbeit
Kurzarbeit ist mit einer Herabsetzung der betriebsüblichen Arbeitszeit verbunden. Sie ist in Unternehmen des Baugewerbes vor allem im Hinblick auf die Winterbauförderung und speziell zur Vermeidung von Winterarbeitslosigkeit und Sicherung einer mögl...
Ausgleichskonto zum Lohn
Wird im Unternehmen des Bauhauptgewerbes eine betriebliche Arbeitszeitverteilung als Form der Arbeitszeitflexibilisierung über einen zwölfmonatigen Ausgleichszeitraum auf Grundlage des § 3 Tz. 1.4 im Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe (BRT...
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, verwenden wir Cookies. Einige dieser Cookies sind erforderlich für den reibungslosen Ablauf dieser Website, andere helfen uns, Inhalte auf Sie zugeschnitten anzubieten. Wenn Sie auf „ Ich akzeptiere“ klicken, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Individuelle Cookie-Einstellungen Ich akzeptiere