VOB A

Präqualifikationsverfahren (PQ-Verfahren)

Präqualifikationsverfahren (PQ-Verfahren) sind auftragsunabhängige Prüfungen von Eignungsnachweisen zur Ausführung von Bauleistungen auf Basis der Anforderungen in § 6 b Abs. 1 im Abschnitt 1 zu nationalen Ausschreibungen im Unterschwellenbereich sowie analog bei EU-weiten Ausschreibungen bei Erreichen der Schwellenwerte nach § 6 b EU Abs. 1, Nr. 1 im Abschnitt 2 und bei verteidigungs- und sicherheitsspezifischen Baumaßnahmen nach § 6 b VS Abs. 1 im Abschnitt 3 der VOB/A-2016 und gegebenenfalls zusätzlicher Kriterien. Da die Vergabe von öffentlichen Bauaufträgen nur an geeignete Bieter vorzusehen ist, können sowohl interessierte Bauunternehmen aus dem Bauhauptgewerbe als auch aus dem Baunebengewerbe bzw. dem Bauhandwerk ihre Eignung anstelle von Einzelnachweisen auch durch eine Präqualifikation nachweisen. Dafür steht ihnen nach ihrer eigenen Wahl eine der fünf Präqualifizierungsstellen (PQ-Stellen) zur Verfügung. Mit einer Präqualifikation ist die Eignung nachgewiesen.
Die Kriterien für die Eignungsnachweise bei der Präqualifizierung sind in der Anlage 1 zur "Leitlinie für die Durchführung eines Präqualifizierungsverfahrens vom 25.04.2005 in der Fassung vom 15. Oktober 2015" (Herausgeber: Ministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung) aufgeführt. Auf dieser Grundlage ist das Präqualifikationsverfahren zur Präqualifikation - VOB durchzuführen. Als Einzelnachweise sind von den Unternehmen mit heranzuziehen:
  • Eigenerklärungen der Bieter, u. a. zur Zahlung des tariflichen bzw. gesetzlichen Mindestlohns,
  • mindestens 3 Referenzen,
  • Auszug Gewerbezentralregister, Gewerbeanmeldung, Handelsregisterauszug,
  • Eintragung in das Berufsregister (Handwerksrolle),
  • spezielle Nachweise wie die Freistellungsbescheinigung zur Bauabzugssteuer, Unbedenklichkeitsbescheinigungen wie von der tariflichen Sozialkasse,
  • qualifizierte Unbedenklichkeitsbescheinigung der Berufsgenossenschaft (BG Bau),
  • Unternehmensbilanz und ggf. Jahresumsatzsteuerbescheid bei nicht bilanzpflichtigen Unternehmen.
Die geforderten Nachweise sind vom Unternehmen bei einer Präqualifizierungsstelle einzureichen, werden dort geprüft und ggf. werden fehlende Unterlagen nachgefordert. Bei Erfüllung aller Anforderungen wird eine Präqualifizierungsbescheinigung mit einer Registriernummer ausgestellt.
Die Präqualifikation kann sowohl für Komplettleistungen bzw. für das Unternehmen insgesamt als auch für Einzelleistungen im Sinne einzelner Leistungsbereiche (Präqualifikation für Leistungsbereiche) erfolgen. Insgesamt ist dies für 109 Leistungsbereiche möglich, womit die Leistungen des Baugewerbes fast komplett darstellbar sind.
Die Preise für die Präqualifikation bestimmen die Präqualifizierungsstellen selbst, wobei sich die unterschiedlichen Preismodelle der Präqualifizierungsstellen nach der Größe und Spezialisierung der Bauunternehmen und der Anzahl einbezogener Leistungsbereiche richten. Für die Erstaufnahme der Registrierung und jährlich beträgt der Grundbetrag 390 € sowie für jeden Leistungsbereich ca. 60 bis 80 €.
Für Leistungen außerhalb von Bauleistungen wie Liefer- und Dienstleistungen auf Grundlage der VOL kann analog ein Präqualifizierungsverfahren (Präqualifikation - VOL) erfolgen. Die Durchführung wird von der IHK oder beauftragten Stellen (PQ-Stellen) durchgeführt. Die präqualifizierten Unternehmen werden in einer im Internet allgemein zugänglichen Präqualifizierungsdatenbank (PQ-Datenbank) ausgewiesen.
17.10.2016
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