Abbruch / Abfall / Entsorgung / Recycling

Bau- und Abbruchabfälle

Bau- und Abbruchabfälle fallen in Bauunternehmen und Bauhandwerksbetrieben im Wesentlichen auf Baustellen bei Abbruch- und Rückbauarbeiten sowie ggf. aus dem Bodenaushub auf der Baustelle an.
Die Abfallkennzeichnung von Bau- und Abbruchabfällen (einschließlich von verunreinigten Standorten) erfolgt nach dem Abfallschlüssel auf Grundlage der Anlage in der Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV), die am 10. Dezember 2001 in BGBl. I, S. 3379 und letzte Änderung vom 17. Juli 2017). Neben der Bezeichnung wird über den Abfallschlüssel auch die Gefährlichkeit des Abfalls (Kennzeichnung mit einem Sternchen) eingestuft.
Der Abfallschlüssel gliedert sich nach Kapiteln (2-Steller), Gruppen (4-Steller) und Abfallarten (6-Steller). Zu den Bau- und Abbruchabfällen werden spezielle Aussagen im Kapitel 17 getroffen.
Danach folgen als 4-Steller die folgenden Abfallgruppen als Bau- und Abbruchabfälle:
  • 1701 Beton, Ziegel, Fliesen, Keramik
  • 1702 Holz, Glas und Kunststoff
  • 1703 Bitumengemische, Kohlenteer und teerhaltige Produkte
  • 1704 Metalle (einschließlich Legierungen)
  • 1705 Boden (einschließlich Aushub von verunreinigten Standorten), Steine und Baggergut
  • 1706 Dämmmaterial und asbesthaltige Baustoffe
  • 1708 Baustoffe auf Gipsbasis
  • 1709 Sonstige Bau- und Abbruchabfälle.
Mit weiteren 2 Stellen werden die Abfallarten innerhalb der Gruppen gekennzeichnet, beispielsweise zu 17 02:
  • 17 02 01 Holz
  • 17 02 02 Glas
  • 17 02 03 Kunststoff
sowie als Kennzeichnung mit Sternchen für gefährliche Bauabfälle :
Gruppe 1709:
  • 17 02 04* Glas, Kunststoff und Holz, die gefährliche Stoffe enthalten oder durch gefährliche Stoffe verunreinigt sind.
Eine Präzisierung zur Einstufung als gefährliche Bauabfälle erfolgte in der AAV ableitend aus der "Verordnung über die Getrenntsammlung und Überwachung von nicht gefährlichen Abfällen mit persistenten organischen Schadstoffen (POP-Abfall-ÜberwV vom 17. Juli 2017 in BGBl. I, S. 2644)" vor, die seit 1. August 2017 in Kraft ist. Sie sieht u. a. vor, dass Polystyrol-Abfälle am Bau als Dämmmaterial nicht mehr als "gefährlicher Abfall" einzustufen und zu behandeln ist.
Bau- und Abbruchabfälle können auch in gemischten gewerblichen Siedlungsabfällen auftreten mit Ausnahme von Abfällen, die gefährliche Stoffe enthalten. Speziell betrifft es Abfälle nach:
  • Kapitel 20 über Siedlungsabfälle (Haushaltsabfälle und ähnliche industrielle und gewerbliche Siedlungsabfälle).
Beispielhaft angeführt sind auftretende Stoffe unter gewerbliche Siedlungsabfälle.
Regelungen speziell über die Entsorgung von bestimmten Bau- und Abbruchabfällen trifft die Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV als Neufassung vom 18. April 2017 in BGBl. I, S. 896), die seit 1. August 2017 in Kraft ist. Danach sind durch die Bauunternehmen und Bauhandwerksbetrieb als Abfallerzeuger und ggf. die Bauherren als Abfallbesitzer bestimmte Bau- und Abbruchabfälle wie aus Glas, Kunststoffen, Metallen einschließlich Legierungen, Beton und Ziegel sowie Fliesen und Keramik nach § 8 Abs. 1 GewAbfV auf Baustellen getrennt zu sammeln und vorrangig der Vorbereitung der Wiederverwendung oder dem Recycling zuzuführen.
Dabei dürfen in den einzelnen Abfallarten durchaus noch nicht vermeidbare Fremdbestandteile enthalten sein, sofern eine Trennung nach den Regeln der Technik kaum möglich ist, beispielsweise an Ziegeln noch anhaftender Mörtel u. a. Es kann darüber hinaus eine weiterführende Trennung und Sammlung von weiteren Abfallfraktionen innerhalb der aufgeführten Abfallfraktionen erfolgen. Sofern vorgenannte Ausnahmen maßgebend sind und fallen dadurch Gemische an, dann besteht die Pflicht der Zuführung der Gemische zu einer:
  • Vorbehandlungsanlage z. B. bei enthaltenen Kunststoffen, Holz und Metallen sowie
  • Aufbereitungsanlage z. B. bei überwiegend enthaltenen Stoffen wie Beton, Ziegel, Fliesen.
Eine Zuführung kann für gemischte Bau- und Abbruchabfälle entfallen, sofern die Behandlung solcher Abfälle in den Vorbehandlungs- und Aufbereitungsanlagen technisch nicht möglich ist. Bezüglich weiterer Erläuterungen sei auf Getrenntsammlung von Abfällen verwiesen.
Über die Getrenntsammlung ist für jede Baustelle als Betriebsstätte eine Dokumentation nach § 8 Abs. 3 und § 9 Abs. 6 GewAbfV aufzustellen und bei behördlichen Kontrollen vorzulegen, wenn der Abfall mehr als 10 m³ Abfall umfasst. Ersichtlich sein muss daraus, dass auf der Baustelle auch eine Abfalltrennung und -sammlung erfolgte. Hierzu wird auf Aussagen unter Dokumentationspflichten bei Bauabfällen verwiesen.
Nach der getrennten Sammlung schließt sich die Entsorgung an, die als Sammelentsorgung oder auch in Teilabschnitten vorgesehen werden kann. Hierzu erklärt der Baubetrieb zu Beginn der Entsorgung dem Entsorger die notwendige Entsorgung. Zur Entsorgung benötigt der Abfallerzeuger bzw. -besitzer eine Annahmeerklärung des Entsorgers (Übernahmeschein für die entsorgte Menge einschließlich Bestätigung über die fachgerechte getrennte Sammlung) sowie die Bestätigung der Zulässigkeit der vorgesehenen Entsorgung.
Zu berücksichtigen sind bei Abbruch- und Rückbauarbeiten auch die Regelungen in der ATV DIN 18459 – Abbruch- und Rückbauarbeiten (Ausgabe September 2016) in den DIN der VOB Teil C. Bei öffentlichen Bauaufträgen sei noch verwiesen auf die Aussagen in den Vergabehandbüchern, so zu:
  • Hochbaumaßnahmen auf den "Leitfaden für Ausschreibung und Vergabe zur Vermeidung, Verwertung und Beseitigung von Bau- und Abbruchabfällen sowie Baustellenabfällen" im Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2017) im Anhang 8 verwiesen, speziell zu Aussagen über Anforderungen zur Vermeidung, Beseitigung und Verwertung von Bauabfällen sowie zur Leistungsbeschreibung in den Vergabeunterlagen,
  • Baumaßnahmen im Straßen- und Brückenbau im spezifischen Handbuch HVA B-StB im Teil 3 unter Tz. 3.2 (Nr. 27), insbesondere zur Nachweisführung von Übernahmescheinen und Belegen über die Ab- bzw. Annahme von Bauabfällen.
03.02.2018
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