Baurecht / BGB

Mängelanzeige während der Bauausführung

Mängel können zur vereinbarten Bauleistung bereits während der Baudurchführung, d. h. zeitlich vor der Abnahme vorliegen. Dabei fällt dem Auftraggeber (AG) die Aufgabe zu, die Bauausführung des Bauunternehmens als Auftragnehmer während der Bauzeit zu überwachen und festgestellte Mängel unverzüglich anzuzeigen bzw. zu rügen. Bei einem VOB-Vertrag wird dann in der Regel von einer Mängelanzeige gesprochen, bei einem Werkvertrag nach BGB von einer Mängelrüge. Inhaltlich sind an beide im Grunde die gleichen Anforderungen zu stellen und dieselben Voraussetzungen zu erfüllen.
Die Mängelanzeige während der Bauausführung kann mit folgenden Schritten erfolgen:
  1. Anzeige bzw. Rügung des Mangels mit Vorgabe einer Frist, in der der Mangel zu beseitigen ist. Die Frist ist nicht vorbestimmt. Sie sollte so angemessen vorgegeben werden, dass dem Auftragnehmer auch ausreichend Zeit zur Mängelbeseitigung zur Verfügung steht. Mit der Fristsetzung sollte bei einem VOB-Vertrag bereits darauf verwiesen bzw. als "Drohung" ausgesprochen werden, dass bei Nichtreagieren durch den Auftragnehmer ihm der Auftrag nach § 4 Abs. 7 VOB/B entzogen werden kann. Die Anzeige sollte durch den Auftraggeber grundsätzlich schriftlich vorgenommen werden.
  2. Verstreicht die Frist fruchtlos, kann dem Auftragnehmer der Auftrag mit Bezug auf § 8 Abs. 3, Nr. 1 VOB/B entzogen werden. Die Erklärung hat im Sinne einer Kündigung schriftlich zu erfolgen. Sie kann auch auf einen Teil der vertraglichen Leistung beschränkt werden.
  3. Nach der Auftragsentziehung ist der Auftraggeber berechtigt, die Ersatzvornahme durchzuführen, d. h. die mit Mängeln behaftete Leistung zulasten des Auftragnehmers durch einen Dritten beheben zu lassen.
  4. Bei einem BGB-Vertrag kann der Besteller Nacherfüllung für Mängelansprüche nach BGB nach § 635 Abs. BGB verlangen, ggf. nach erfolglosem Ablauf einer von ihm bestimmten angemessenen Frist den Mangel selbst zu beseitigen.
Der Bauunternehmer als Auftragnehmer ist verpflichtet, bereits während der Bauausführung festgestellte mangelhafte bzw. vertragswidrige Leistungen auf seine Kosten zu beseitigen und die zur Nacherfüllung erforderlichen Aufwendungen selbst zu tragen. Weiterhin kann sich noch eine Schadenersatzpflicht ableiten, wenn er selbst für die mangelhafte Leistung verantwortlich ist.
Steht dem Auftraggeber das Recht zur Beseitigung eines Mangels zu, kann er auch einen angemessenen Teil der Vergütung, beispielsweise im Rahmen einer Abschlagszahlung verweigern, bis der Mangel beseitigt ist. Dies leitet sich aus dem § 641 Abs. 3 BGB ab. Die Zahlungskürzung wird als " Druckzuschlag " als angemessen in der Regel im Umfang des Doppelten der für die Beseitigung des Mangels erforderlichen Kosten angesehen.
Der Auftraggeber kann zu einer festgestellten mangelhaften Leistung während der Bauausführung den Auftragnehmer ggf. auch erst zur Abnahme zur Mängelbeseitigung auffordern. Zu beachten bleibt dabei jedoch, dass sich der Anspruch des Auftraggebers auf Herstellung der mangelfreien Leistung dann auf einen Anspruch aus Mängelbeseitigung bei einem VOB-Vertrag nach VOB/B § 13 Abs. 4 wandelt. Der Beseitigungsanspruch würde dann mit Ablauf der Mängelansprüchefristen verjähren.
Der Druckzuschlag kann auch bei Baumaßnahmen im Straßen- und Brückenbau als Sicherheit bei Mängelansprüchen herangezogen und einbehalten werden, wenn bei der Abnahme festgestellte Mängel noch nachzuarbeiten und somit zu beseitigen sind. Diese Regelung sehen die "Zusätzlichen Vertragsbedingungen für die Ausführung von Bauleistungen im Straßen- und Brückenbau-ZVB/E-StB " vor.
Copyright bauprofessor.de Lexikon
Herausgeber: f:data GmbH Weimar und Dresden
Die Inhalte dieser Begriffserläuterung und der zugehörigen Beispiele sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetztes ist ohne Zustimmung der f:data GmbH unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigung, Übersetzung, Mikroverfilmung und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Alle in diesem Werk enthaltenen Angaben, Ergebnisse usw. wurden von den Autoren nach bestem Wissen erstellt. Sie erfolgen ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie der f:data GmbH. Sie übernimmt deshalb keinerlei Verantwortung und Haftung für etwa vorhandene Unrichtigkeiten.
Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürfen.

Verwandte Fachbegriffe

Mängelanzeige zum Bauvertrag
Ein Mangel zur ausgeführten Bauleistung liegt immer dann vor, wenn eine vereinbarte Beschaffenheit nicht erreicht ist bzw. eine Abweichung zwischen der Ist- und der Soll- Beschaffenheit vorliegt. Mängel können einerseits bereits während der Bauausfüh...
Nacharbeiten
Eine mangelhafte und vertragswidrige Bauausführung erfordert bei einem Verschulden durch das Bauunternehmen als Auftragnehmer Nacharbeiten. Sie sind – im Gegensatz zu Mängelansprüchen nach Abnahme der Bauleistungen – bereits während der Bauausführun...
Mängelansprüche
Das Bauunternehmen hat dem Auftraggeber (AG)- öffentlicher Auftraggeber, Besteller, Verbraucher - seine Leistung zum Zeitpunkt der Abnahme frei von Sachmängeln zu verschaffen mit Bezug: bei einem VOB-Vertrag nach § 13 VOB, Teil B und, einem We...
Sachmängel bei Bauleistungen
Das Bauunternehmen als Auftragnehmer ist verpflichtet, dem Auftraggeber (AG)- öffentlicher Auftraggeber, Besteller oder Verbraucher - eine mängelfreie Leistung zu verschaffen, und zwar zum Zeitpunkt der Abnahme frei von Sachmängeln: bei einem VOB-Ver...
Aufwendungsersatz bei Baumängeln
Aufwendungsersatz ist in Verbindung mit Mängelrechten bzw. Mängelansprüchen des Auftraggebers (AG) für Bauleistungen zu betrachten. Das Bauunternehmen als Auftragnehmer hat seine Leistung für den Auftraggeber frei von Sachmängeln bei einem VOB-Vertra...
Verjährung aus Mängelansprüchen
Werden Bauleistungen während der Bauausführung nicht mängelfrei ausgeführt und die Mängelbeseitigung durch den Auftraggeber (AG) nach Abnahme im Rahmen der regulären Mängelanspruchsfristen schriftlich angezeigt, tritt zunächst eine Unterbrechung de...
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, verwenden wir Cookies. Einige dieser Cookies sind erforderlich für den reibungslosen Ablauf dieser Website, andere helfen uns, Inhalte auf Sie zugeschnitten anzubieten. Wenn Sie auf „ Ich akzeptiere“ klicken, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Individuelle Cookie-Einstellungen Ich akzeptiere