Baubetrieb/Bauunternehmen

Unterkunftskosten im Baugewerbe

Hinsichtlich der Stellung einer ordnungsgemäßen Unterkunft durch das Bauunternehmen als Arbeitgeber des Bauhauptgewerbes ist zunächst festzustellen, ob der Arbeitnehmer (sowohl gewerbliche Arbeitnehmer als auch Angestellte und Poliere) vom Arbeitgeber:
  • für auswärtige Tätigkeit auf einer mindestens 50 km vom Betrieb entfernten Baustelle sowie bei einem Zeitaufwand für den Arbeitsweg von der Wohnung bis zur Baustelle von mehr als 1,25 Stunden einen Verpflegungszuschuss als Verpflegungsmehraufwand (vorher bis 2016 eine Auslösung im Baugewerbe) jeweils nach § 7 Nr. 4.1 im Bundesrahmenvertrag für das Baugewerbe (BRTV-Baugewerbe vom 28. September 2018) sowie nach dem RTV-Angestellte erhält,
  • eine ordnungsgemäße Unterkunft (beispielsweise in einer Pension, Hotel oder Baustellenunterkunft) zu stellen ist,
  • die Inanspruchnahme einer Unterkunft nach dem Reisekostenrecht vergütet wird, worauf nachfolgend näher eingegangen wird.
Im veränderten Reisekostenrecht mit Wirksamkeit seit 2014 auf Grundlage des "Gesetzes zur Änderung und Vereinfachung der Unternehmensbesteuerung und des steuerlichen Reisekostenrechts (BGBl. I 2013, S. 285)" sowie im dazu für die Bauunternehmen in einem vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) aufbereiteten und aktualisierten "Merkblatt zum steuerlichen Reisekostenrecht (Stand April 2018)" über die zu beachtenden Veränderungen wird von der Unterkunft (speziell im Abschnitt V des Merkblatts) als Inanspruchnahme zur Übernachtung gesprochen.
Danach kann der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die dafür entstandenen persönlichen Aufwendungen erstatten, und zwar als Unterkunfts- bzw. Übernachtungskosten.
Zu den Unterkunfts- bzw. Übernachtungskosten rechnen beispielsweise:
  • Kosten für das Hotelzimmer,
  • Miete für ein möbliertes Zimmer oder eine Wohnung,
  • Abgaben, z. B. als "Bettensteuer", Kulturabgaben sowie für Tourismusförderung,
  • Kurtaxe,
  • ggf. Gebühren für eine Kreditkarte bei Zahlung in Fremdwährung.
Der Arbeitgeber kann dem Arbeitnehmer auch weiterhin wie bisher für eine Übernachtung im Inland die nachgewiesenen Unterkunftskosten des Arbeitnehmers auch ohne Einzelnachweis mit einer Pauschale von 20 € steuerfrei erstatten. Das gilt aber dann nicht, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die Unterkunft unentgeltlich (oder teilweise unentgeltlich) zur Verfügung stellt.
Unterkunftskosten können auch im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung anfallen. Der Arbeitnehmer kann diese Aufwendungen sowie bei längerfristiger Auswärtstätigkeit von mehr als 48 Monaten jedoch höchstens bis zu einem Betrag von 1.000 € monatlich als Werbungskosten nach § 9 Abs. 1, Nr. 5 im Einkommensteuergesetz (EStG) geltend machen. Dabei kommt es nicht mehr wie bisher auf die Angemessenheit der Unterkunftskosten an.
Die tatsächlichen Aufwendungen können beispielsweise umfassen:
  • Miete und Mietnebenkosten,
  • Abschreibungen (AfA),
  • Schuldzinsen,
  • Nebenkosten bei Eigentum des Arbeitnehmers,
  • Zweitwohnungssteuer,
  • Rundfunkbeitrag,
  • Miete für PKW-Stellplatz.
Nicht einzubeziehen sind Maklerkosten, die evtl. für die Anmietung einer Zweitwohnung entstehen.
In Gewerken im Baugewerbe wie dem Gerüstbau-Handwerk sowie dem Dachdeckerhandwerk, die eigenständige Tarifverträge abschließen und für die nicht der BRTV-Baugewerbe maßgebend ist, gelten teils unterschiedliche Regelungen für auswärtige Beschäftigung und die Unterkunftskosten.
Beispielsweise gilt für das Gerüstbau-Handwerk nach dem RTV, dass der Arbeitgeber die notwendigen Kosten für die ordnungsgemäße Unterkunft bei Bau- bzw. Arbeitsstellen ohne tägliche Heimfahrt zu tragen hat. Nutzt der Arbeitnehmer diese Unterkunft nicht, so steht ihm grundsätzlich eine pauschale Aufwandsentschädigung von 20 € pro Tag zu. Weiterhin steht ihm eine Auslösung in Höhe von 24 € pro Tag zu, wenn der mehr als 65 km vom Betrieb entfernt ist und eine unzumutbare Rückfahrt von 1 ¼ Stunden für die einfache Fahrt vorliegt.
Bei der Berechnung des Kalkulationslohns der gewerblichen Arbeitnehmer für die Angebotskalkulation sind entsprechende Ansätze, wenn das bauauftrags- und baustellenbezogen notwendig ist, als Bestandteil der Lohnnebenkosten zu berücksichtigen. Sie sind bei Verlangen nach den ergänzenden Formblättern Preise 221 und 222 (EFB-Preis) nach Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2017) in Zeile 1.3 auszuweisen. Analoge Aufwendungen für Angestellte und Poliere können ggf. im Rahmen der Baustellengemeinkosten berücksichtigt werden.
19.04.2019
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