Eigenleistung je Arbeitsstunde

Eigenleistung je Arbeitsstunde

Im Allgemeinen werden jene Bauleistungen als Eigenleistungen bezeichnet, die vom anbietenden Bauunternehmen auch mit eigenen Kapazitäten ausgeführt werden. Rechnerisch bestimmt sich die Eigenleistung, indem die Leistungen der Nachunternehmer von der im Unternehmen insgesamt erbrachten Bauleistung abgezogen werden. Wird danach die Eigenleistung durch die Anzahl der Arbeitsstunden bzw. ggf. Baustellenstunden dividiert, bestimmt sich die Eigenleistung je Arbeitsstunde.
Die Eigenleistung je Arbeitsstunde repräsentiert die Stundenproduktivität der gewerblichen Arbeitnehmer. Sie ist eine wichtige Kennzahl zur Bemessung und Wertung der Arbeitsleistungen im Bauunternehmen. In dieser Aussage ist sie zugleich eine bedeutsame Preiskennzahl mit folgender Bestimmung und Aussage:
Eigenleistung je Arbeitsstunde =Kalkulationslohn
+ Deckungsbeitrag
+ Einzelkosten der Teilleistungen (ohne Lohnkosten und ohne Nachunternehmerleistungen)
Die Basis bilden die Lohnkosten je Arbeitsstunde in Form des Kalkulationslohnes. Der Kalkulationslohn ist ein Stundensatz, der die direkten Lohnkosten je Arbeitsstunde für die Eigenleistungen ausdrückt. Anders formuliert sagt dieser Stundensatz aus, wie teuer für den Bieter eine Arbeitsstunde ist, was sie das Unternehmen tatsächlich kostet. Auf seiner Grundlage können "leistungsbezogene" Stundensätze abgeleitet werden, und zwar durch Hinzurechnung eines Zuschlags für den Deckungsbeitrag (DB) als Summe aus Baustellengemeinkosten (BGK), Allgemeinen Geschäftskosten (AGK) sowie Wagnis und Gewinn (W&G).
Als Orientierung können folgende Spannen nach Leistungssparten mit Bezug auf die Eigenleistung maßgebend sein:
  • nach Leistungssparten:
    • Sanierung/Reko mit geringer Materialintensität ca. 40 - 70 €/h
    • Hochbau ca. 70 - 120 €/h
    • Tiefbau ca. 60 - 100 €/h
    • Straßenbau ca. 90 - 150 €/h
    • Ingenieurbau ca. 80 - 180 €/h
  • nach Unternehmen:
    • bis 50 Beschäftigte ca. 50 - 100 €/h
    • 51 bis 99 Beschäftigte ca. 65 - 120 €/h
    • über 100 Beschäftigte ca. 90 - 180 €/h
Wesentlichen Einfluss hat dabei aber noch die unterschiedlich hohe Materialintensität der Bauleistungen. Aussagefähiger wäre der geschaffene Neuwert, d. h. die Wertschöpfung als hergestellte eigene Leistung (ohne Materialeinsatz) je produktive Stunde.
Liegen solche Erfahrungswerte betriebs- und ggf. sogar auftrags- und leistungsspartenbezogen aufbereitet vor, könnten sie auch für eine Stundenpreiskalkulation genutzt werden. Multipliziert mit den Gesamtstunden erhält man schnell eine ungefähre Angebotssumme (ohne Nachunternehmerleistungen). Damit ließe sich ein Angebot auf Plausibilität prüfen.
Der Bezug kann differenziert werden nach: Betrieb, Baustelle, Facharbeitergruppen oder Personen.
Die Bestimmung der Eigenleistung je Arbeitsstunde kann auf Grundlage der unter dem Begriff Stundensätze aufrufbaren Schemen für die Berechnung erfolgen, differenziert für das Bauhauptgewerbe nach Ost und West in Ableitung aus dem noch unterschiedlichen Lohnniveau.
Nachdem die betriebsindividuellen Werte eingetragen worden sind, stehen im Ergebnis der Berechnung die betriebsindividuellen Aussagen für die weitere Auswertung und Verwendung zur Verfügung.
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