Abbruch / Abfall / Entsorgung / Recycling

Abbrucharbeiten

Beim Abbruch werden nicht mehr benötigte oder funktionsuntüchtige Bauwerke, Bauwerksteile und technische Anlagen abgetragen. So entstehen auf Baustellen Bau- und Abbruchabfälle, die allgemein als Baurestmasse gelten. Vor Beginn des Abbruchs und der Aufbereitung der Bau- und Abbruchabfälle sind die Bauwerksteile auf ihre Tragfähigkeit und Standsicherheit zu überprüfen, ggf. durch Absteifungen zu sichern. DIN 4123 ist zu beachten. Die anfallenden Stoffe und Bauteile gehen nicht in das Eigentum des Auftragnehmers über, demgegenüber jedoch die Baustellenabfälle, für die das Bauunternehmen durch seine Leistungserfüllung zuständig ist.
Regelungen speziell zur Abfallvermeidung, Abfallverwertung, Abfallbeseitigung und Abfallwirtschaft werden getroffen im "Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen (Kreislaufwirtschaftsgesetz – KrWG, in BGBl. I 2012, S. 212)", das zum 1. Juni 2012 in Kraft trat. Weiterhin sind speziell bei Abbrucharbeiten die Anforderungen aus folgenden Verordnungen zu berücksichtigen, die seit 1. August 2017 in Kraft sind:
  • Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV vom 18. April 2017 in BGBl. I, S. 896 mit letzter Änderung vom 5. Juli 2017),
  • POP-Abfall-Überwachungs-Verordnung vom 17. Juli 2017 (in BGBl. I, S. 2644), die u. a. vorsieht, dass Polystyrol-Abfälle am Bau nicht mehr als "gefährliche Bauabfälle " einzustufen sind.
Abbrucharbeiten mit teleskopierbarem Abbruchstiel
Abbrucharbeiten mit teleskopierbarem Abbruchstiel
Bild: © Kara, Fotolia.com
Die Bau- und Abbruchunternehmen sowie Bauhandwerksbetriebe als Abfallerzeuger und ggf. die Auftraggeber bzw. Bauherrn als Abfallbesitzer haben dafür Sorge zu tragen, dass die Bau- und Abbruchabfälle getrennt gesammelt, gelagert, befördert, entsorgt und einer Verwertung zugeführt werden.
Getrennthaltung und Recycling sollen dabei im Vordergrund stehen. Eine Getrenntsammlung von Abfällen kann nur entfallen, wenn sie unter Berücksichtigung besonderer Umstände des Einzelfalls technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht zumutbar ist, insbesondere aufgrund geringer Menge oder hoher Verschmutzung. In solchen Fällen hat der Abfallerzeuger aber gegenüber der zuständigen Behörde den Nachweis zu erbringen und die nicht getrennte Abfallfraktion als Gemisch einer Vorbehandlungsanlage für Bauabfall zuzuführen. Zur Getrenntsammlung und Sortierarbeit gelten für jede Baustelle Dokumentationspflichten bei Bauabfällen, beispielsweise mit Hilfe von Lageplänen, Fotos, Lieferscheinen u. a. sowie Nachweisen des Entsorgers.
Hinsichtlich HBCD-haltiger Dämmstoffe wie Polystyrol-Abfälle am Bau werden unter diesem Begriff die spezifischen Anforderungen erläutert, die für die weiterhin getrennte Sammlung, Beförderung und Entsorgung von POP-haltigen Abfällen nach der POP-Abfall-Überwachungs-Verordnung sowie den damit verbundenen Nachweispflichten durch die Abfallerzeuger und -besitzer von Bedeutung sind.
Die Aus- und Beschreibung von Bauleistungen zu Abbrucharbeiten kann nach dem Leistungsbereich 084 im Standardleistungsbuch STLB-Bau Dynamische BauDaten ® erfolgen. Allgemeine Technische Vertragsbedingungen (ATV) werden in der VOB, Teil C in der DIN 18459 – Abbruch- und Rückbauarbeiten (Ausgabe September 2016) - beschrieben.
Erfolgt eine Leistungsbeschreibung nur "funktional" mit Leistungsprogramm (LP), dann sollte zum Abbruch und Rückbau auch der Umgang mit den Abfallmassen konkret bestimmt werden.
Ist vorgesehen, ein Bauwerk vollständig zu entfernen, sollte zunächst eine Bestandsaufnahme erfolgen. Damit ist besser sicherzustellen, dass schadstoffbelastete oder gar gefährliche Abfälle getrennt ausgebaut und gesondert entsorgt werden.
Zu beachten sind ggf. auch Anforderungen, die sich aus der ATV DIN 18459 – Abbruch- und Rückbauarbeiten (Ausgabe September 2016) - in der VOB Teil C ergeben.
Bei öffentliche Bauaufträgen sind auch die Regelungen in den Vergabehandbüchern zu beachten, so zu:
  • Hochbaumaßnahmen im "Leitfaden für Ausschreibung und Vergabe zur Vermeidung, Verwertung und Beseitigung von Bau- und Abbruchabfällen sowie Baustellenabfällen" im Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2017) im Anhang 8 und Formblatt 241,
  • Abfällen bei Straßen- und Brückenbauarbeiten die Regelungen im spezifischen Handbuch HVA B-StB im Teil 3 unter Tz. 3.2 (Nr. 27).
Verwiesen sei zur Problematik noch auf eine aktuelle Publikation des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg mit dem Titel "Abfallvermeidung in der Baubranche - Informationen für Bauherren, Architekten und am Bau Interessierte", die auch viele Tipps enthält, wie bereits bei der Bauplanung und Baudurchführung das Abfallaufkommen möglichst reduziert und unvermeidbare Abfälle gut entsorgt und verwertet werden können.
Spezielle Anforderungen zu Abbrucharbeiten leiten sich auch aus der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) (vom 12. April 2004, novelliert in Artikel 1 der Verordnung zur Änderung von Arbeitsschutzbestimmungen vom 30. November 2016) im Anhang unter Tz. 5.2 (Baustellen) ab mit der Aussage, dass Abbrucharbeiten sowie Demontagearbeiten fachkundig zu planen und nur unter fachkundiger Aufsicht sowie nach schriftlicher Abbruch- oder Demontageanweisung durchzuführen sind. Die Abbruchanweisung muss die erforderlichen sicherheitstechnischen Angaben enthalten. Auf die Schriftform kann jedoch verzichtet werden, wenn für die jeweilige Abbrucharbeit besondere sicherheitstechnische Angaben nicht erforderlich sind.
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Aktuelle Baupreise zu Abbrucharbeiten

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0,82 €/m
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Zeitansatz: 0,018 h/m (1 min/m)
Region Preisangaben netto (ohne USt.) für Region: Kitzingen
Weitere Leistungen mit regionalen Baupreisen:
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Aktuelle Normen und Richtlinien zu "Abbrucharbeiten"

DIN-Norm
Ausgabe 2000-05
Diese Norm regelt Begriffe, Verfahren und Anwendungsbereiche für den Total- und Teilabbruch von Bauteilen, baulichen und technischen Anlagen, sowie für das Herstellen von Öffnungen. Zu den Bauteilen im Sinne dieser Norm zählen auch Anlagenteile (z. B...
- DIN-Norm im Originaltext -

STLB-Bau Ausschreibungstexte zu "Abbrucharbeiten"

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Entfernen von Putzüberständen Höhe bis 5 cm, Kalkzement-Putzmörtel, Arbeitshöhe der zu bearbeitenden oder zu bekleidenden Fläche bis 3,5 m über der Standfläche des hierfür erforderlichen Gerüstes, anfallende Stoffe in vom AG gestellten Behälter samme...
Abrechnungseinheit: m
Weitere Leistungsbeschreibungen:
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