Baukalkulation / Angebot / Nachträge

Gewinn in der Baukalkulation

In der Baukalkulation ist der Gewinn ein Kalkulationselement. Er soll mit dem Angebot zum Bauauftrag die Erwirtschaftung eines vorgesehenen betriebswirtschaftlichen Ergebnisses zum Ausdruck bringen. In den letzten Jahrzehnten wurde der Gewinn in der Kalkulation in der Regel zusammen mit einem Anteil für Wagnis- als Kalkulationselement " Wagnis und Gewinn (W&G) " - dargestellt und im Kalkulationsschema als Differenz zwischen kalkulierten " Selbstkosten " und der " Angebotssumme (ohne Umsatzsteuer)" als Ausdruck des Angebotspreises für einen Bauauftrag ausgewiesen.
Dieser zusammengefasste Ausdruck als W&G ist ab 2018 auf Grundlage des Vergabe- und Vertragshandbuchs (VHB-Bund, Ausgabe 2017) in den ergänzenden Formblättern Preise (EFB-Preis) 221 und 222 (im Abschnitt 3 in Tz. 3.3) nicht mehr vorgesehen.
Der Gewinn ist gesondert bei Anwendung:
Der Gewinn kann aber durchaus auch bei anderen Kalkulationsanwendungen vorbestimmt werden:
  • in einem Prozentsatz als Zuschlagssatz mit Bezug auf ggf. unterschiedliche Bezugsgrößen (neben den EKT nach den EFB-Preisblättern) wie die Herstellkosten (HK) oder Selbstkosten (SK) oder den Kalkulationslohn,
  • als Bestandteil des Deckungsbeitrags (DB) in Prozent oder absoluter Höhe oder
  • als prozentualer Anteil vom Preis bzw. als absoluter Betrag von der Angebotssumme.
Wird bei der Kalkulation ein Gewinnsatz vom Endpreis als Angebotssumme vorbestimmt, dann muss eine Umrechnung des Prozentsatzes auf die vor dem Gewinn kalkulierten Selbstkosten (als Summe aus EKT, BGK und AGK), beispielsweise bei der Endsummenkalkulation, als Bezugsbasis wie im folgenden Beispiel erfolgen:
Beispiel zur Umrechnung:
Anteil des Gewinns vom Angebotspreis
(Angebotssumme) beispielsweise vorbestimmt zu=4,00 %
Umrechnung: (4 x 100) : (100 - 4) = 4,17
Zuschlagsatz auf die vorangegangene Kostensumme, in der Regel Selbstkosten=4,17 %
Im Fall von 4,00 % wird meistens von einem "umsatzabhängigen" Verrechnungssatz gesprochen, der einem Anteil von der Angebotssumme gleichkommt.
Im Allgemeinen wird sich der Satz für Gewinn zwischen 3 und 6 % der Angebotssumme bewegen und je Bauauftrag variieren bzw. unterschiedlich hoch vorbestimmt werden.
Wird durch den Bauunternehmer als Bieter kein Ansatz für Gewinn oder ein Prozentsatz von Null angegeben, ist durch die Vergabestelle mit Bezug auf die Richtlinie zum Formblatt 321 im VHB-Bund (Ausgabe 2017) keine weitere Aufklärung erforderlich bzw. zu verlangen. Die Wirtschaftlichkeit eines solchen Angebots erfordert mit Bezug auf Tz. 3.3.1 in der Richtlinie zum FBl. 321 'keinen Ansatz für Wagnis und Gewinn".
In der von den Hauptverbänden der Bauwirtschaft (HDB und ZDV) herausgegebenen, überarbeiteten 8. Auflage zur "KLR-Bau/ Kosten-, Leistungs- und Ergebnisrechnung der Bauunternehmen" (erschienen in der Verlagsgesellschaft Rudolf Müller, Köln 2016) wird unter Tz. 2.4.2 empfohlen, nur noch den Begriff "Gewinn" anstelle von "Wagnis und Gewinn" zu verwenden und im Kalkulationsschema auszuweisen. Dafür liegt die Aussage zugrunde, dass Wagnis eigentlich nicht als eigenständiger Preisbestandteil anzusehen wäre und im "Leitfaden zur Vergütung bei Nachträge" nach Richtlinie 510 im VHB-Bund (Ausgabe 2017) unter Tz. 4.8 ausgeführt wird, dass Wagnis und Gewinn "keine zwei selbstständigen, voneinander unabhängigen Begriffe" sind und es richtigerweise "Gewinn mit Wagnisanteil" heißen sollte.
Mit den Aussagen gesondert zu Gewinn in den EFB-Preisblättern nach VHB-2017 bleibt der Gewinn selbstständiges Kalkulationselement. Die Betrachtung ist jedoch differenzierter, wenn Vergütungsanpassungen zu Nachträgen, beispielsweise bei Mindermengen, Wegfall von Leistungen, bei geänderten und zusätzlichen Leistungen u. a. zu berechnen sind. In diesen Fällen ist nicht nur der Gewinnanteil heranzuziehen, sondern auch der Anteil des betriebsbezogenen Wagnisses zur Abdeckung des allgemeinen Unternehmenswagnisses, das mit dem Geschäftsbetrieb als solches verbunden ist.
Ausgenommen bleibt dabei das leistungsbezogene Wagnis. Für Einzelwagnisse als besondere Risiken kalkulierte Zuschläge sind bei Vergütung zu Mengenminderungen und wegfallenden Leistungen (Null-Positionen) kostenmindernd zu berücksichtigen bzw. als ersparte Aufwendungen zu betrachten.
05.11.2018
Copyright bauprofessor.de Lexikon
Herausgeber: f:data GmbH Weimar und Dresden
Die Inhalte dieser Begriffserläuterung und der zugehörigen Beispiele sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetztes ist ohne Zustimmung der f:data GmbH unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigung, Übersetzung, Mikroverfilmung und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Alle in diesem Werk enthaltenen Angaben, Ergebnisse usw. wurden von den Autoren nach bestem Wissen erstellt. Sie erfolgen ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie der f:data GmbH. Sie übernimmt deshalb keinerlei Verantwortung und Haftung für etwa vorhandene Unrichtigkeiten.
Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürfen.

Gratis Download:Kostenlose Musterbriefe und Kalkulationshilfen

Kostenlose Kalkulationshilfen für Baukalkulation und Rechnungslegung

Verwandte Fachbegriffe

Gewinn
Die unternehmerische Tätigkeit zielt auf die Erwirtschaftung von Gewinn. Der Begriff des Gewinns wird in der Baubetriebswirtschaft in verschiedener Beziehung und mit differenzierter Aussage herangezogen: Primär soll der Gewinn eine angemessene Kapit...
Baukalkulation
Unter Baukalkulation wird die Ermittlung des bewerteten, betriebsnotwendigen Aufwands für die Erbringung von Bauleistungen, und zwar speziell für einen Bauauftrag, verstanden. Die Baukalkulation kann vor, während oder auch nach der Bauausführung des ...
Zuschläge in der Baukalkulation
Erfolgt die Baukalkulation auf Grundlage: der Zuschlagskalkulation, dann sind die Baustellengemeinkosten (BGK) und Allgemeinen Geschäftskosten (AGK) sowie Gewinn und Wagnis (seit 2018 differenziert nach betriebsbezogenem und leistungsbezogenem Wagnis...
Wagnis in der Baukalkulation
Ein Wagnis bedeutet Verlustgefahren, die sich allgemein für ein Bauunternehmen in Verbindung mit einem Bauauftrag und seiner Ausführung ergeben können. Bei der Angebotskalkulation sieht das Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2017) zu de...
Deckungsbeiträge für strategische Baukalkulation
Betriebswirtschaftlich umfasst der Deckungsbeitrag (DB) die gesamten Gemeinkosten (BGK und AGK) im Sinne von Fixkosten sowie Gewinn und betriebsbezogenes Wagnis. Ausgedrückt wird durch den DB, in welchem Maße die Fixkosten durch die Baupreise "gedec...
Rohgewinn
Der Rohgewinn ist - vergleichbar mit dem Rohergebnis Neuwert, d. h. ohne Waren- und Materialeinsatz, d. h. speziell im Bauunternehmen ohne Aufwendungen für Baustoffe (Materialien) und Leistungen der Nachunternehmer (NU). Die weitere Differenzier...
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, verwenden wir Cookies. Einige dieser Cookies sind erforderlich für den reibungslosen Ablauf dieser Website, andere helfen uns, Inhalte auf Sie zugeschnitten anzubieten. Wenn Sie auf „ Ich akzeptiere“ klicken, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Individuelle Cookie-Einstellungen Ich akzeptiere