Baukalkulation / Angebot / Nachträge

Baustelleneinrichtung im Leistungsverzeichnis und Kalkulation

Die Baustelleneinrichtung (BE) ist ein wichtiger Bestandteil im Leistungsverzeichnis für Baumaßnahmen. Auch ihre Kalkulation muss sorgfältig angefertigt werden. Wichtige Hinweise dazu finden Sie hier.

Wie können die Leistungen der Baustelleneinrichtung beschrieben werden?

Wird vom Bauherrn als Auftraggeber zur vorgesehenen Baumaßnahme eine Leistungsbeschreibung mit Leistungsverzeichnis (LV) vorgesehen, dann kann die Baustelleneinrichtung im LV unterschiedlich beschrieben sein, so beispielsweise:
  • mit Normalpositionen pauschal oder detailliert nach Einrichten, Vorhalten und Räumen der Baustelleneinrichtung
  • ohne Erwähnung im Leistungsverzeichnis als Nebenleistung (nach ATV / DIN 18299 unter Tz. 4.1 in der VOB Teil C) angesehen werden, aber auch damit zur vertraglichen Leistung gehören
Für eine Angebotskalkulation bedeuten die unterschiedlichen Varianten der Ausschreibung bzw. Leistungsbeschreibung ebenfalls verschiedene Herangehensweisen.

Varianten der Ausschreibung und deren Kalkulation

Es sind zwei Varianten möglich:
  1. Einrichten, Vorhalten und Räumen der Baustelleneinrichtung sind im Leistungsverzeichnis (LV) als Positionen ausgeschrieben:
    In diesem Fall gelten die LV-Positionen als „Besondere Leistungen" nach VOB Teil C und stellen Normalpositionen dar. Diese Positionen werden dann wie jede andere Normalposition kalkuliert, und zwar mit Einzelkosten der Teilleistungen (EKT), Gemeinkosten (BGK, AGK) sowie Wagnis und Gewinn (W & G). Sie stellen dann keine Baustellengemeinkosten (BGK) im Sinne der Kalkulation dar.
  2. Einrichten, Vorhalten und Räumen der Baustelleneinrichtung sind Nebenleistungen nach VOB/C:
    In diesem Fall gibt es für die Baustelleneinrichtung und deren Bestandteile keine Positionen im Leistungsverzeichnis (LV). Diese Leistungen sind dann innerhalb der Gemeinkosten, insbesondere als Baustellengemeinkosten (BGK), zu kalkulieren.
    Die Verfahrensweise nach 2. kann wiederum unterschiedlich, mit Bezug auf das anzuwendende Kalkulationsverfahren, erfolgen:
    2.1.Bei Zuschlagskalkulation mit vorbestimmten Zuschlägen:
    Berücksichtigung vorbestimmter Zuschläge für die BGK in der Kalkulation mit Bezug auf die Zuschlagsbasis Einzelkosten (EKT).
    2.2.Kalkulation über die Endsumme:
    Direkte Bestimmung der Kosten für die BE, ggf. mit Ausschreibung der dafür erforderlichen Leistungen als Umlagepositionen in der Kalkulation.
    Weitere Zwischenvarianten sind möglich:
  3. Einrichten und Räumen der Baustelleneinrichtung sind im Leistungsverzeichnis (LV) ausgeschrieben, nicht aber das Vorhalten der Baustelleneinrichtung:
    Das Vorhalten gilt dann als Nebenleistung. Es kann auch einzeln beschrieben und dann als Umlageposition behandelt werden. Die dafür anfallenden Kosten sind innerhalb der Baustellengemeinkosten (BGK) zu kalkulieren, entweder im Rahmen eines vorbestimmten Zuschlags oder nach direkter Bestimmung mit nachfolgender Umlage in der Endsummenkalkulation.
  4. Restliche Baustellengemeinkosten sind als Positionen im Leistungsverzeichnis ausgeschrieben:
    Zu den restlichen Baustellengemeinkosten zählen vor allem die:
    • Kosten für Baustellenausstattung
    • Kosten der örtlichen Bauleitung
    • Kosten für Medien und Betrieb, insbesondere für die Geräte
    • Sonstige allgemeine Kosten, Sonderkosten, Versicherungen u. a.
    Sind sie als Positionen im LV ausgeschrieben, stellen sie Normalpositionen dar und sind als solche direkt zu kalkulieren. Sie gelten dann nicht als Baustellengemeinkosten im Sinne der Kalkulation.
  5. Restliche Baustellengemeinkosten sind Nebenleistungen:
    In diesem Fall ist analog wie unter 2. zu verfahren bzw. zu kalkulieren.
Der jeweilige Fall im Rahmen der Leistungsbeschreibung kann und wird ggf. auch Auswirkungen auf die Behandlung der Gemeinkosten, z. B. bei Minder- und Mehrmengen als Unter- bzw. Überdeckung der Gemeinkosten nach sich ziehen.
Die Baustelleneinrichtung umfasst alle Maßnahmen und Leistungen, um eine Baustelle einzurichten. Bei der Kalkulation müssen wichtige Punkte berücksichtigt werden.
Die Baustelleneinrichtung umfasst alle Maßnahmen und Leistungen, um eine Baustelle einzurichten. Bei der Kalkulation müssen wichtige Punkte berücksichtigt werden. Bild: © f:data GmbH

Kostenumfang der Baustelleneinrichtung im Angebot

Der inhaltliche Umfang sowie die dafür anfallenden Kosten für die Baustelleneinrichtung können durchaus im allgemeinen Hochbau ca. 5 bis 8 % bzw. im Ingenieurbau ca. 6 bis 11 % von der Gesamtbauleistung umfassen, wenn auch die Vorhaltekosten für die Baumaschinen und Geräte über die Bauzeit mit einbezogen werden.
Ohne Vorhaltekosten wäre ein Umfang von ca. 3 bis 6 % anzunehmen sowie bei Baumaßnahmen der Ausbaugewerke ca. 1 bis maximal 2 %. Der Umfang wird sich jedoch in dem Maße verringern bzw. gegen Null tendieren, wenn:
  • der betreffende Kostenanfall von gesondert ausgeschriebenen Leistungspositionen direkt zuzuordnen ist und / oder
  • Kostenanteile – insbesondere in kleineren Bauunternehmen und Bauhandwerksbetrieben – nicht gesondert als BGK, sondern unmittelbar in den Allgemeinen Geschäftskosten (AGK) erfasst und dort ausgewiesen werden.
Die anfallenden Kosten für die Vorhaltung von Baumaschinen und Geräte werden wesentlich dem Umfang nach von der Bauzeit der Baumaßnahme und damit Dauer der Baustelleneinrichtung bestimmt. In einer Leistungsbeschreibung werden sie oft auch als Normalposition ausgeschrieben und dann auch als solche mit Einzelkosten kalkuliert und mit einem Einheitspreis (EP) ausgewiesen. Verblieben nur die Teile des Einrichtens der Baustelle und für die Baustellenräumung, dann verteilen sich die anfallenden Gesamtkosten für die Baustelleneinrichtung auf ca. 65 % und 35 %.

Kosten der Baustelleneinrichtung als Teil des Deckungsbeitrags

Anzuführen bliebe noch, dass die Kosten der BE-Positionen als Nebenleistung dann Teil der Baustellengemeinkosten und zugleich Bestandteil des Deckungsbeitrags (DB) sind. Daraus lassen sich noch spezielle betriebswirtschaftliche Aussagen ableiten. Innerhalb des Deckungsbeitrags können die Kosten für die Baustelleneinrichtung anteilig durchaus ca. 13 bis 21 % ausmachen, wenn die Baustelleneinrichtung nicht gesondert ausgeschrieben ist.
Erfolgte die Ausschreibung der BE-Positionen als Normalpositionen, dann sind für diese Positionen auch Einheitspreise (EP) wie für jede andere Normalposition zu kalkulieren. Dann sind die Kosten dieser BE-Positionen Bestandteil der Einzelkosten (EKT) und nicht zugehörig zum Deckungsbeitrag.
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Aktuelle Normen und Richtlinien zu "Baustelleneinrichtung im Leistungsverzeichnis und Kalkulation"

Auszug im Originaltext aus VDI 6210 Blatt 1 (2016-02)
Die Leistungsbeschreibung bildet die Grundlage der Kalkulation und des Bauvertrags. In VOB Teil A werden zwei Formen der Leistungsbeschreibung unterschieden: Leistungsbeschreibung mit Leistungsverzeichnis (LV), Leistungsbeschreibung mit Leist...
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