Leistungsverzeichnis / Leistungsbeschreibung

Positionsarten

Die Positionsarten bzw. -typen dienen der Kennzeichnung von Sonderpositionen in einem Leistungsverzeichnis (LV). Damit kann ein variables Angebot erstellt werden. Das kann besonders privaten Bauherren einen größeren Entscheidungsspielraum gewähren.
In Softwarelösungen kommen für die Kalkulation folgende Positionsarten zur Anwendung:
  • Normalposition,
  • Zulageposition,
  • Grundposition,
  • Alternativposition,
  • Bedarfsposition,
  • Positionen für Baustelleneinrichtung (Zuschlags- bzw. Umlageposition),
  • Jumbo- oder Mischposition.
Wird ein LV aufgestellt, so besteht über die Positionsarten die Möglichkeit, ein variables Angebot zu erstellen. Zunächst sollen die einzelnen Positionsarten näher betrachtet werden.
Eine kann unter "Beispiele" eingesehen werden.
Die Positionsarten (PA) dienen der Kennzeichnung von Positionen, im Besonderen von Sonderpositionen. Bei Übernahme eines Leistungsverzeichnisses als GAEB-Datei werden die Positionsarten übernommen.
Die Normalposition (auch synonym Ausführungsposition genannt) ist eine Position, mit der diejenigen Leistungen zu beschreiben sind, die in jedem Fall ausgeführt werden. Liegt kein Verweis auf eine andere Positionsart vor, handelt es sich immer um Normalpositionen. Auch kann die Baustelleneinrichtung eine Normalposition sein, wenn sie in einem LV ausgeschrieben ist.
Als spezifische Variante einer Normalposition gilt die Zulageposition, die in der Regel Erschwernisse oder ergänzende Ausführungsbedingungen als Zulage auf eine vorhandene Normalposition repräsentiert. Besondere Erwähnungen erfahren sie aber weder in der VOB noch in sonstigen Regelungen. Die Zulagepositionen leiten sich meistens aus den Besonderen Leistungen ab, die zu den einzelnen Gewerken in den DIN-Vorschriften in der VOB Teil C jeweils im Abschnitt 4.2 angeführt werden, beispielsweise nach DIN 18331 Betonarbeiten (Ausgabe September 2016):
  • Herstellen und Schließen von Aussparungen (Tz. 4.2.11),
  • Herstellen von Profilierungen (Tz. 4.2.12),
  • Einsetzen von Einbauteilen, z. B. Lager, Zargen, Anker u. a. (Tz. 4.2.14),
  • Herstellen von Bewegungs-, Schein-, Bauwerks-, und Bauteilfugen sowie Fugendichtungen (Tz. 4.2.15).
Die Grundposition beschreibt eine Teilleistung, die wahrscheinlich zur Ausführung kommt, zu der es aber noch eine oder mehrere Ausführungsvarianten in Form von Alternativpositionen gibt, die meistens alternative Ausführungsvarianten enthalten. Sie unterscheiden sich voneinander nur durch einen anderen Baustoff, z. B. in der Grundposition ist mit Mauerziegeln (Mz) zu kalkulieren, bei der Alternative handelt es sich um Ziegel aus Kalksandstein (KS).
Alternativ- oder Wahlpositionen werden vom Auftraggeber "statt dessen" ausgeschrieben und sollten eine Einheitspreisbildung für den Fall bewirken, dass sie anstatt einer anderen Position (Grundposition) zur Ausführung kommen. Für diese Positionen wird immer nur ein Einheitspreis angegeben. Der Gesamtbetrag geht nicht mit in die Angebotssumme ein. Die Alternativpositionen werden mittels Zuordnungszahl als zusammengehörend gekennzeichnet. Nach § 7 Abs. 1, Nr. 4 bei nationale Ausschreibungen im Unterschwellenbereich im Abschnitt 1 der VOB/A-2016 sowie analog in gleichen EU- und VS-Paragrafen bei EU-weiten Ausschreibungen (bei Erreichen der Schwellenwerte) nach Abschnitt 2 und zu verteidigungs- und sicherheitsspezifischen Baumaßnahmen im Abschnitt 3 der VOB/A sind solche Positionen - wie auch Bedarfspositionen - nur ausnahmsweise in das Leistungsverzeichnis aufzunehmen. Damit sollen Spekulationsmöglichkeiten eingedämmt werden.
Nach den Regelungen des Vergabe- und Vertragshandbuches (VHB-Bund, Ausgabe 2008, Stand: April 2016) sind für diesen Zuständigkeitsbereich solche Positionen weder in das LV noch in andere Vergabeunterlagen aufzunehmen, dies gilt gleichermaßen auch für die Bedarfspositionen. Letztere sind auch bei der Vergabe von Bauleistungen im Straßen- und Brückenbau (nach HVA B - StB, Ausgabe April 2016) nicht vorzusehen.
Eine Bedarfsposition beschreibt eine Einzelleistung, bei der noch nicht feststeht, ob und welcher Umfang ausgeführt wird. Sie wird nur auf besondere Anordnung des Auftraggebers zur Ausführungsposition. Im Leistungsverzeichnis ist lediglich der Einheitspreis anzugeben und kein Gesamtbetrag.
Wird mit der Ausschreibung speziell auch ein Gesamtbetrag gewünscht, beispielsweise für Stundenlohnarbeiten bei einer angegebenen Anzahl von mehr als einer Stunde, wird von Eventualpositionen mit Gesamtbetrag auch als Bedarfsposition gesprochen. Stundenlohnarbeiten stellen eine Sonderposition dar, die oft als Eventualposition erklärt wird. Angehängte Stundenlohnarbeiten dürfen nach VOB, Teil A, § 7 Abs. 1, Nr. 4 (analog in gleichen EU- und VS-Paragrafen der VOB/A-2016) nur in dem unbedingt erforderlichen Umfang in die Leistungsbeschreibung aufgenommen werden. Sie sind aber in der Baupraxis in Ausschreibungen weiterhin oft und z. T. in erheblichem Umfang anzutreffen, besonders bei Baumaßnahmen der Sanierung/Rekonstruktion, Umbau, Rückbau, Abbruch und im Tiefbau.
Eine Umlageposition- in der Baupraxis oft auch als interne Position bezeichnet - steht in der Regel in Verbindung mit den Kosten für die Baustelleneinrichtung (BE). In diesem Fall gibt es für die BE und deren Bestandteile keine Normalpositionen im LV. Diese Leistungen sind dann innerhalb der Gemeinkosten, insbesondere als Baustellengemeinkosten (BGK), zu kalkulieren und dann auf die Normalpositionen zu verrechnen bzw. umzulegen. Dies kann wiederum unterschiedlich mit Bezug auf das anzuwendende Kalkulationsverfahren erfolgen. Bei einer Kalkulation über die Endsumme werden die Kosten für die BE zunächst direkt bestimmt und in den Einheitspreisen für die Leistungspositionen über eine Umlage berücksichtigt.
Weiterhin kann in einer Ausschreibung noch eine „ Jumbo “-Position (auch als Misch-Position bezeichnet) auftreten. Darunter wird im Allgemeinen eine durch das Leistungsverzeichnis vorgegebene Position verstanden, die sich aus mehreren Vorgängen bzw. zu bildenden Unterpositionen zusammensetzt. Sie sind oft in Ausschreibungen anzutreffen, besonders in solchen mit freien Texten, beispielsweise als
  • Position „Betonarbeiten - 01.0010 - Streifenfundament Normalbeton C16/20 einschließlich Schalung“.
Enthalten sind die Teilleistungen „Betonieren“ mit der Mengeneinheit Kubikmeter und „Schalen“ in Quadratmeter. Dafür sind dann Beschreibungen für die Einzelvorgänge bei der Kalkulation anzulegen, die Unterpositionen einzeln zu kalkulieren und die Teilergebnisse zum Einheitspreis der ausgeschriebenen Position im LV zusammenzufassen.

Übersicht Positionsarten

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