Baukalkulation / Angebot / Nachträge

Offenlegung der Kalkulation

Bei der Prüfung und Wertung von Angeboten durch den Auftraggeber sind die angebotenen Preise bezüglich ihrer "Angemessenheit" zu beurteilen. Bei öffentlichen Bauaufträgen darf durch den Auftraggeber nach den Regelungen in der VOB Teil A auf ein Angebot mit einem unangemessen hohen oder niedrigen Preis (oder unangemessen hohen oder niedrigen Kosten) kein Zuschlag erteilt werden. Das gilt sowohl bei nationalen Vergaben im Unterschwellenbereich nach § 16 d Abs. 2, Nr. 1 im Abschnitt 1 (Basisparagrafen) als auch bei EU-weiten Ausschreibungen bei Erreichen der Schwellenwerte sowie bei verteidigungs- und sicherheitsspezifischen Baumaßnahmen, jeweils nach § 16 d EU und VS Abs. 1, Nr. 1 in den Abschnitten 2 und 3 der VOB/A-2016.
Eine analoge Beurteilung ist erforderlich, wenn bei der Bauausführung Abweichungen zum vereinbarten Bausoll eintreten und vom Auftragnehmer Nachträge als Nachforderungen vorgelegt werden. Dann bleibt zu prüfen, ob für die Nachträge ebenfalls die Kalkulationsgrundlagen des Hauptangebots herangezogen wurden.
Eine sachgerechte Kalkulation sowie die angebotenen Preise könnten angezweifelt werden, wenn:
  • sowohl Einheitspreise (EP) als auch die Angebotsendsummen eines Angebots von den anderen Angeboten wesentlich abweichen oder
  • bei Nachträgen andere als zum Hauptangebot herangezogene Kalkulationsansätze zugrunde gelegt wurden.
In solchen Fällen sind aufklärende Feststellungen anhand der Kalkulationsunterlagen erforderlich und ggf. Aufklärungen vom Auftragnehmer als "Offenlegung" der Kalkulation zu verlangen.
Als Hilfsmittel für die Offenlegung können Unterlagen dienen wie:
  • die abgeforderten ergänzenden Formblätter Preise (EFB-Preis) 221 bis 223 nach Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund, Ausgabe 2008, Stand: April 2016) mit Aussagen in den
  • eine Urkalkulation, oft vom Auftraggeber als Hinterlegung mit dem Angebot verlangt, in der Regel in einem verschlossenen Umschlag. Die stellt keine allgemein zu fordernde Erklärung im Sinne des § 16 a in VOB/A-2016 dar. Oft wird dies bei der Vergabe in den „Zusätzlichen Vertragsbedingungen (ZVB)“ bereits verlangt. Danach kann die Übergabe vom Auftragnehmer auf verschlossene Hinterlegung bzw. Aufbewahrung der Urkalkulation beim Auftraggeber vereinbart werden. Praktisch kommen die Aussagen im ergänzenden Formblatt Preise 223 - Aufgliederung der Einheitspreise - einer Urkalkulation gleich.
Die angeführten Unterlagen lassen sich unmittelbar aus der Angebotskalkulation ableiten bzw. werden meistens als Drucklisten unmittelbar zur weiteren Verwendung aufbereitet, ggf. nach unterschiedlichen Bezeichnungen wie "Druckliste-Offenlegung der Kalkulation" oder "Druckliste-Dokumentation der Kalkulation" nach der verwendeten Kalkulationssoftware und mit dem nachfolgenden Beispiel.
Die Druckliste enthält die Kalkulationsansätze für alle Kostenarten, die für die jeweiligen Positionen kalkuliert wurden und die Kosten- und Preisstruktur der Positionen (als Summe der Einzelkosten und der Umlagen).
Weitere Optionen können umfassen:
  • Umlagepositionen führen zur Auswertung der ggf. vorhandenen Kalkulationsansätze für Umlagen, z. B. bei Anwendung der Endsummenkalkulation als Kalkulationsverfahren,
  • Festpreise führen zur Auswertung der ggf. vorhandenen Kalkulationsansätze für Festpreispositionen und zum separaten Ausdruck der Festpreise. Die Differenz zum ggf. kalkulierten Einheitspreis wird ausgewiesen.
In der Baupraxis unterstützt die Dokumentation vor allem auch die Arbeitsvorbereitung für die Bauausführung. Auf ihrer Grundlage lassen sich die Soll-Vorgaben für die Bauleitung und Baukolonnen ableiten.
Beispiel

Offenlegung der Kalkulation

Beispiel für eine Urkalkulation bzw. Dokumentation zur Kalkulation als Auszug für eine Leistungsposition aus dem Leistungsverzeichnis:

Dokumentation der Kalkulation
Rohbau Lagerhalle
Datum des Angebotes:
OrdnungszahlMengeBezeichnungEinheitspreisGesamtbetrag
01Erdarbeiten
01.0030100,000 m³Boden Streifenfundament
lösen, laden, fördern
T bis 1,25m BK 4
16,79 EUR/m³1.679,00 EUR
Vorgang 0011,000 m³/m³Boden Streifenfundament lösen, laden, fördern T bis 1,25m BK 4
ArtBezeichnungMenge/VEKosten/MEMenge/PosKosten/Pos
GBodenaushub0,092 h/m³21,11 EUR/h9,240 h195,02 EUR
BBodenaushub0,092 h/m³5,88 EUR/h9,240 h54,33 EUR
ZBodenaushub0,157 h/m³29,87 EUR/h15,708 h469,20 EUR
STransportkosten-Schüttgut17,000 tkm/m³0,37 EUR/tkm1.700,00 tkm624,26 EUR
Stunden/Pos: 15,708 hEKT/PosUml/PosGB/Pos
Lohn469,20117,34586,54
Sonstige Kosten624,26156,06780,32
Geräte195,0248,76243,78
Betriebsstoffe54,3313,58586,54
Summe1342,81335,741.678,55
03.08.2016
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