Baukalkulation / Angebot / Nachträge

Kalkulationsverfahren

Ein Kalkulationsverfahren ist die Methode, mit der ein Bauunternehmen die Angebotssumme für einen Bauauftrag berechnet.

Was ist ein Kalkulationsverfahren?

Ein Kalkulationsverfahren ist die Vorgehensweise, mit der ein Bauunternehmen die Kosten eines Angebots ermittelt. Dabei wird festgelegt, wie Einzelkosten, Gemeinkosten sowie Wagnis und Gewinn in die Preisbildung einfließen.
Bestimmend innerhalb der Formen der Baukalkulation ist die Angebotskalkulation, die vom Bieter zu einer Ausschreibung vorgenommen und abgegeben wird. Grundlage für den Aufbau liefert das Kalkulationsschema.

Entscheidungskriterien für das Kalkulationsverfahren

Dem Bauunternehmen als Bieter bleibt es vorbehalten, welches Kalkulationsverfahren er für die Angebotskalkulation wählt. Die Wahl des Kalkulationsverfahrens wird beeinflusst durch:
Ein Kalkulationsverfahren legt fest, wie ein Bauunternehmen Einzelkosten, Gemeinkosten sowie Wagnis und Gewinn zur Angebotsermittlung einsetzt.
Ein Kalkulationsverfahren legt fest, wie ein Bauunternehmen Einzelkosten, Gemeinkosten sowie Wagnis und Gewinn zur Angebotsermittlung einsetzt. Bild: © #514424810 © Geber86 - iStock

Kalkulationsverfahren in der Baukalkulation

Unabhängig vom gewählten Kalkulationsverfahren werden zunächst für jede Leistungsposition bzw. Teilleistung die direkt bestimmbaren Einzelkosten der Teilleistungen (EKT), z. B. Lohnkosten, Baustoffkosten u. a. ermittelt. Bei der Endsummenkalkulation werden zusätzlich die auftragsbezogenen Baustellengemeinkosten (BGK) berücksichtigt.
Je nachdem, wie die nicht direkt ermittelbaren Gemeinkosten sowie Wagnis und Gewinn (W&G) in die Kalkulation einfließen, lassen sich verschiedene Kalkulationsverfahren unterscheiden, z.B.:

Zuschlagskalkulation

Die Kalkulation mit vorberechneten bzw. vorbestimmten Zuschlägen wird allgemein in der Baupraxis als Zuschlagskalkulation bezeichnet.
Die EKT werden bei der Zuschlagskalkulation als Basis für die Zuschläge bzw. Zurechnung der BGK, Allgemeinen Geschäftskosten (AGK) und von W&G herangezogen, demgegenüber dient bei der Endsummenkalkulation die Angebotsendsumme als Basis für die Zuschläge und Umlagen.
Die Zuschlagskalkulation mit vorbestimmten Zuschlägen ist einfach und praktikabel. Sie liefert hinreichend genaue Kalkulationen, wenn für die zu kalkulierenden Bauaufträge eine annähernd gleiche Leistungs- und Kostenstruktur vorliegt. Sie eignet sich besonders, wenn die Baustellengemeinkosten (BGK), insbesondere die Baustelleneinrichtung (BE), nur eine geringe Rolle spielen. Je nach Anforderungen lässt sich die Zuschlagskalkulation in drei Formen unterteilen:
Für die Zuschlagskalkulation ist das EFB-Preis-Formblatt 221 zu verwenden.

Endsummenkalkulation

Die Endsummenkalkulation ist ein zukunftsorientiertes Kalkulationsverfahren, das die konkreten Bedingungen des jeweiligen Bauvorhabens berücksichtigt. Dabei fließen die direkt ermittelten, projektbezogenen Baustellengemeinkosten (BGK) in die Herstellkosten des Bauvorhabens ein. Durch die Unterscheidung zwischen zeitabhängigen und zeitunabhängigen Kosten kann auch der Einfluss der Bauzeit genau erfasst werden. So entsteht eine sehr genaue, auftragsbezogene Kalkulation, die das Risiko von Fehlern deutlich reduziert.
Dieses Verfahren eignet sich besonders für größere Bauvorhaben im Tief-, Hoch- und Ingenieurbau sowie für Projekte mit umfangreicher Baustelleneinrichtung. Für die Endsummenkalkulation ist das EFB-Preis-Formblatt 222 zu verwenden.

Deckungsbeitragskalkulation

Neben den klassischen Kalkulationsverfahren kommen in der Baupraxis auch weitere Varianten zum Einsatz. So bietet etwa die Kalkulationssoftware „nextbau“ zusätzliche Methoden wie die Deckungsbeitragskalkulation und die Fixpreiskalkulation.
Die Deckungsbeitragskalkulation orientiert sich am Deckungsbeitrag, einem wichtigen betriebswirtschaftlichen Kennwert. Damit lässt sich beurteilen, welche Bauvorhaben besonders profitabel sind und wie stark sie zum Gesamtergebnis des Unternehmens beitragen. Projekte mit hohem Deckungsbeitrag leisten den größten Anteil zur Deckung der Gemeinkosten und damit zum Gewinn des Unternehmens.
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Fixpreiskalkulation

Bei der Fixpreiskalkulation greift das Bauunternehmen auf Erfahrungswerte aus früheren Angeboten zurück und nutzt feste, bereits bekannte oder gewünschte Einheitspreise, ohne diese im Detail neu zu kalkulieren. Auf Basis hinterlegter Finanzpläne und eines projektspezifischen Kalkulationslohns wird das Angebot dann „rückwärts“ berechnet und geprüft, ob die vorab festgelegten Einheitspreise realistisch sind. Der große Vorteil dieser Methode ist ihre Schnelligkeit und Einfachheit, besonders für kleinere oder weniger komplexe Bauvorhaben – daher wird sie vor allem im Bauhandwerk und in kleineren Bauunternehmen eingesetzt.
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