Baubetrieb/Bauunternehmen

Nachtragsmanagement

Das Nachtragsmanagement ist ein Instrument zur komplexen Beherrschung der Erfassung, Aufbereitung, Kalkulation, Anmeldung bzw. Einreichung des Nachtrags zum Bauvertrag bis hin zur Prüfung, Bewertung mit Ablehnung oder Anerkennung sowie Bezahlung der Vergütung. Dabei können Organisation und Ziele sehr unterschiedlich beim bauausführenden Unternehmer als Auftragnehmer und dem Auftraggeber (AG) als öffentlichem Auftraggeber, Besteller oder Verbraucher ausgerichtet sein.
Bei Vereinbarung der VOB als Geschäftsbedingung ist die Anpassung der Vergütung infolge von Nachträgen gewissermaßen dem Vertrag zugrunde liegend. Die Verfahrensweise dafür wird allgemein als Nachtragsmanagement (synonym auch Claim-Management) bezeichnet. Spezielle Aufgaben fallen dabei sowohl dem Auftraggeber als auch dem Auftragnehmer zu.
Ableitend aus den Regelungen im § 2 Abs. 3 bis 9 in der VOB, Teil B lassen sich verschiedene Nachtragsarten nach der VOB unterscheiden, die meistens auch mit einer Anpassung der Vergütung verbunden sind. Für das Nachtragsmanagement liefert der "Leitfaden zur Vergütung bei Nachträgen" als Richtlinie 510 im Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Ausgabe 2017) umfangreiche inhaltliche Aussagen sowie auch Berechnungsbeispiele zu Vergütungsberechnungen und von Ausgleichsberechnungen bei Nachträgen. Der Leitfaden wurde an die Rechtsprechung der letzten Jahre angepasst. Bezüglich von Baumaßnahmen im Straßen- und Brückenbau sei auf Regelungen im speziellen Vergabehandbuch HVA B-StB im Teil 3 unter Tz. 3.4 - Nachträge - verwiesen.
Spezielle Anforderungen leiten sich für das Nachtragsmanagement zu Bauverträgen auf Grundlage des reformierten Bauvertragsrechts im BGB ab 2018 ab, betreffend vor allem:
Das Nachtragsmanagement ist grundsätzlich für beide Bauvertragspartner wichtig, wenngleich meistens mit unterschiedlichen Zielrichtungen. Zu differenzieren ist nach dem:
Im Vorspann des o. a. Leitfadens im VHB (Ausgabe 2017) wird besonders auf die Kooperationspflicht der Vertragspartner verwiesen. Auftraggeber und Auftragnehmer sind verpflichtet, bei Streit die Meinungsverschiedenheiten durch Verhandlungen beizulegen. Der Auftraggeber hat sich "mit den Forderungen des Auftragnehmers auseinanderzusetzen und dem Auftragnehmer das Ergebnis seiner Prüfung nachvollziehbar mitzuteilen. Andernfalls kann der Auftragnehmer berechtigt sein, die Arbeiten einzustellen oder den Auftrag zu kündigen".
Copyright bauprofessor.de Lexikon
Herausgeber: f:data GmbH Weimar und Dresden
Die Inhalte dieser Begriffserläuterung und der zugehörigen Beispiele sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetztes ist ohne Zustimmung der f:data GmbH unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigung, Übersetzung, Mikroverfilmung und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Alle in diesem Werk enthaltenen Angaben, Ergebnisse usw. wurden von den Autoren nach bestem Wissen erstellt. Sie erfolgen ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie der f:data GmbH. Sie übernimmt deshalb keinerlei Verantwortung und Haftung für etwa vorhandene Unrichtigkeiten.
Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürfen.

Verwandte Fachbegriffe

Nachtragsmanagement beim Auftraggeber
Das Nachtragsmanagement beim Auftraggeber (AG) wird zunächst bestimmt durch Aufgaben, die sich: einerseits für den öffentlichen Auftraggeber aus einem VOB-Vertrag sowie , zum anderen für den Besteller und Verbraucher bei einem Vertrag auf Gru...
Nachtragsmanagement beim Auftragnehmer
Beim Auftragnehmer umfasst das Nachtragsmanagement vorrangig: die Feststellung und Prüfung der Abweichung vom Bausoll, die Begründung einer berechtigten Nachforderung, die Aufbereitung von Mehr- und/oder Minderaufwendungen für die Nachforderungen, d...
Kalkulationsethik
Der brutale Wettbewerb in der Bauwirtschaft im letzten Jahrzehnt war zum Teil auch verbunden mit einem Werteverfall bei der Kalkulationsarbeit für die Angebote. Die Auswahl des wirtschaftlichsten Angebots bei nationalen Ausschreibungen im Unterschwel...
nextbau
nextbau ist eine Bausoftware der f:data GmbH zur durchgängigen Bearbeitung von Bauaufträgen ab der Ausschreibung oder Angebotskalkulation über Aufmaß und Abrechnung bis zum Nachtragsmanagement. Die Vorgänger-Lösungen x:bau und x:plan wurden durch nex...
Nachtrag zum Bauvertrag
Grundlage eines Bauvertrags ist das mit einer Ausschreibung bestimmte Bausoll als die zu erbringende Bauleistung unter vorbestimmten Bedingungen und vorgesehener Bauzeit. Weicht danach die Bauleistung während der Bauausführung vom Bausoll ab, werden ...
VHB-Bund
Das Vergabe- und Vertragshandbuch für Baumaßnahmen des Bundes - abgekürzt allgemein als VHB-Bund - hat eine lange Tradition. Das erste Vergabehandbuch entstand 1974. Der ehemalige Titel "Vergabehandbuch" wurde 2008 in " Vergabe- und Vertragshandbuch ...
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, verwenden wir Cookies. Einige dieser Cookies sind erforderlich für den reibungslosen Ablauf dieser Website, andere helfen uns, Inhalte auf Sie zugeschnitten anzubieten. Wenn Sie auf „ Ich akzeptiere“ klicken, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Individuelle Cookie-Einstellungen Ich akzeptiere