VOB A

Nebenangebot

Ein Nebenangebot wird oft als Ergänzung zu einem Hauptangebot vom Bieter angeboten. Bei Ausschreibungen von öffentlichen Auftraggebern ist in den Vergabeunterlagen bzw. in der Auftragsbekanntmachung oder in der Aufforderung zur Interessenbestätigung anzugeben, ob Nebenangebote nicht oder nur ausnahmsweise in Verbindung mit einem Hauptangebot zugelassen werden. Zugleich sind in den Unterlagen Mindestanforderungen für Nebenangebote zu bestimmen. Fehlen Angaben in diesen Unterlagen, dann sind keine Nebenangebote zugelassen. Damit wurde der vorherige Grundsatz, dass bei Nichtangaben bzw. fehlenden Äußerungen des Auftraggebers Nebenangebote stets zugelassen sind, aufgegeben und ist nicht mehr maßgebend.
Nebenangebote müssen mit dem Auftragsgegenstand in Verbindung stehen. Maßgebend hierzu sind die Regelungen nach § 35 in der Vergabeverordnung (VgV) und die Umsetzung in der VOB Teil A zu:
  • nationalen Ausschreibungen im Unterschwellenbereich nach § 8 EU Abs. 2, Nr. 3 im Abschnitt 1,
  • EU-weiten Ausschreibungen bei Erreichen der Schwellenwerte nach § 8 Abs. 2, Nr. 3 im Abschnitt und
  • verteidigungs- und sicherheitsspezifischen Baumaßnahmen nach § 8 VS Abs. 2, Nr. 3 im Abschnitt 3.
Weitere zu Anforderungen zu Nebenangeboten werden in den Vergabehandbüchern bestimmt, so:
  • für den Hochbau im VHB-Bund (Ausgabe 2017) noch die Festlegungen in der Richtlinie zum Formblatt 111 (Vergabevermerk - Wahl der Vergabeart),
  • Baumaßnahmen im Brücken- und Straßenbau im HVA B-StB im Teil 2 unter Tz. 2.4 (Nr. 37 bis 40) zur Prüfung und Wertung von Nebenangeboten.
Ausdrücklich vorgesehen ist in den Bestimmungen, dass Nebenangebote durch den öffentlichen Auftraggeber auch dann zugelassen und gewertet werden dürfen, wenn ausschließlich der "Angebotspreis" als Zuschlagskriterium verwendet wird. Dadurch soll vermieden werden, dass ggf. ein Nebenangebot einen Zuschlag erhält, dass preislich geringfügig günstiger, aber andererseits qualitativ wesentlich ungünstiger ist.
Nebenangebote sind zu werten, wenn sie vom Auftraggeber bei der Ausschreibung zugelassen wurden. Im Angebot müssen sie deutlich gekennzeichnet sein und an der vom Auftraggeber benannten Stelle mit Bezug auf § 13 Abs. 3 VOB/A aufgeführt werden. Etwaige Nebenangebote sind auf einer gesonderten Anlage anzubieten und als solche deutlich zu kennzeichnen. Kommt der Bieter diesen Anforderungen nicht nach, so ist sein Angebot auszuschließen.
Nebenangebote bei Ausschreibungen im Unterschwellenbereich müssen "die qualitative und quantitative Gleichwertigkeit mit der ausgeschriebenen Leistung erfüllen". Zu Straßen- und Brückenbaumaßnahmen wird dazu im HVA B-St (Teil 2, Tz. 2.4 - Nr. 39) angeführt, dass sich die Gleichwertigkeit mit dem Nebenangebot aus ihm ergeben muss. Ein Nebenangebot darf nicht durch Nachreichen von weiteren Unterlagen nachgebessert und damit gleichwertig gemacht werden.
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